Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 26 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches VolMlatt. \ Zur l •Belefjrunfl unö ilntprQnftuiu] aus jüdischem Hekjete. 1 \ HrrauSgegcbe» von . \ » ] I , ' j \ Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in! Bonn.! V cwi 40/»Ct *cn bittet SriUAtift erMcbit «äfccatUA tiac ttumntt. »retl »tl 3*br> rm <w « „ .. , ldco. 26. 1865.^ gMAS 5oW"m t>2. Iakrg. 3. Quarta!.] ä«tuaä*<2T(Hti»ttni scbmen vesteLu»,«» «tt.| Wo sind sie nicht? Wo vielgegipfelt^ wildzerklüftef, Der Kaukasus zum Himmel leigt, Das Haupt erstarrt und schneegedleichi Wenn er den Wolkenturdan üftek. — (Mirza ^Schafsy'S Lieder.) In diesem Kaukasus, am Abhänge eines hohen Berges, dessen Seiten Noch mit dichter Waldung bedeckt waren, während die Riesen, mit ewigem Schnee gekrönt, über ihn hinauSragtm, standen auf einer gelichteten Stelle-zwei Männer, in grüne Uniform gekleidet, jetzt aber dicht in ihre Mäntel gehüllt, die Gewehre zum Anschlag bereit. Ob auch drunten in den Ebenen, die freilich von hieraus nichr mehr sichtbar waren, der Lenz längst seine üppige Blüthenfüll« aüsgestreut batte, hiSr droben war «S rauh und kalt, und ein eisiger Windzug wehete um die stram» men Menschengestalten, deren Augen immerfort umher» schweiften, und jeden Baum der die Lichtung begrenzenden Waldsäume aufmerksam beobachteten. Ewaren russische Krieger im Kampfe gegen die rapfern und wilden Tscherkessen; sie standen auf Borposten, einem gefährlichen Posten, denn so wenig die Bergvölker in offener Schlacht den oisciplinirten russischen Heeren Widerstand leisten konnten, so stark waren sie in allen Listen des UeberfallS und im Einzelkampfe. Wie fl* fo dastanden — von unten herauf führte eine breite durch die Wälder gehauene Straße bis zu dieser Lichtungj darüber hinaus nur unbarrchdringlicher Forst — sprach be^, Eine zum Andern: „Weißt Du, Jakob, waheute für rin Tag ist?" Der Andere schwieg. „Ich habe eS mir ausgerechnet, heute ist Erek Sehavuaus; beute Abend beginnt daheilige Fest, wir aber können froh sein, wenn wir ein Stück Zwieback und einen Trunk Wasser werdet genießen können, nämlich wenn wir von dieser nicht-würdigen Höbe lebendig wieder herunterkommen. Es war doch anders, als wir noch diesen Tag in Derdi» tfchew begingen . . •" „WaS sagst du?" hob der Andere an, und eine Blässe zog sich über sein Gesicht, „Eref Sehavuaus ist heute? DaS habe ich nicht gewußt. Dann sind eS heute drei Jahre, daß ich vom Hause, auS den Armen meiner jam» meraben Eltern gerissen worden — wie weit sind wir jetzt von dort, und ich habe Nicht» wieder von ihnen ge» hört und sie nicht von mir, außer als du kurz darauf in dieselbe Compagnie eingestellt wurdest. Meine armen. , armen Eltern, >die werden heute auch mir Trauer an mich ' denken." : „Nun, Ja^ob, waS thut'S," antwortete der Erste, „wir i sind doch Jüdtn, und du weißt, was unser Redde im» mer zu unS gesagt, wenn er un» tüchtig burchgtbläur hat; gam sü leteuwe, d. h. auch die« ist zum Guten. Wir sind auch nich^ besser als tausend Ander«, denen dasselbe geschehen. Ader eS ist hier verdammt kalt, und wir wol» len uns eia fveaig Bewegung machen." In. demselben Augenblicke veväoderten die beiden Soldaten ihre Stellung, und diezu ihrem Glücke. Denn eben fuhr ein« Kugel auS dem Wasd auf sie los, und pfiff Haarbreit vor ihnen vorüber.! Schnell machte» sie Kehrt, und der Eiar schoß, seine Büchse nach der Stelle hin ad, von wo der Schuß gekomnien. Jmzehnfachem Echo hallten Idie Schüsse im Gebirge vorder. Dann trat das frühere Schweigen wieder eia, brjiq die Dachfaackeit des BorpoUnverhm» derte wahrscheinlich da- Hervorbrechen feines Gegner-, und nach kurzer Zeit kam eine Patrouille die Straße her» auf, um den Wachtposten zu verstärken, da man sich von der Pähe des i Feindeüberzeugt hatte. — — Zu derselbe» Zeft, wenn auch nicht gerade an demselben Tage, klimmten zwei Pilger über davulkanische Ge» roll de- Eldürg in Persien. Nur steile Pfade führen über die Pässe! diesejäh ansteigenden Gebirge-, daseine Felswände so!s«nkrecht in die Lüfte hebt und neidisch dem Menschenkinds nur hi« und da einen schmalen Pfad zwi» schen den Klippen und an Abgründen vorüber für seinen Fuß gewährt. Die beiden Pilger aber hatten sicherlich den unzugängÜHsten Weg gewählt, und mußten wohl ihre Ursache hierzu haben. Denn in der That halten sie eben um eine Felsehacke gelenkt, und blickten vorsichtig »uf den Weg, den mo^n von hierau-.etwa-weiter verfolgen konnte, alder Eine i den Andern schnell wieder zurückzog. und hinter die Fe-stand tretend, dem Begleiter zuflusterk«: „Wahrhaftig, da kommt ei« Redif (eia Soldat von den Irregulären), fall« man glauben, daß sie nicht einmal einen solchen Lfteinbockpfad, wo man jeden Augenblick den Hals brechen ktsna, in Ruhe lasse». Doch da» hat nichtzu sagen; trrtz seiner scharfen Augen und seiner feint» Nase soll De> unnicht bekommen." Der Sprecher warf einen raschen Blick über die zahllosen Blöcke und Fels» zacken, die sie umgaben, wählte mit sicherem Taft «inen geeigneten Versteck; sie klommen schnell heran, und nach wenigen Minhte» war die Felshöhe so öd« wie zuvor, und Nichtvernäh die Anwesenheit von Menschen. Bald ge» langte auch jdtr Redif hierher, sah sich, al» er um bi«