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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 25 (1865) · p. Seite 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
25 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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OS nigen war. ja vis bunte ©rff(Ifcbafc im Äclfct der Rosenstraße verließ mich auch nicht des Nachts und wob mir aus dem Gesehenen einen tollen, tvirr durcheinander spielenden Traum. Die Kleidung der algerischen Inden. »(Nach dem Daily Telegraph.) Das Kostüm der. jüdischen Männer in Algier gleicht dem der reichen Mauren sehr: ein bunkelgefärbter Kaftan, weite Hosen, heiter mit-Knöpfen und Stickerei verziert, und eine hochrothe Schärpe um die Hüften. Der Turban jedoch ist gewöhnlich gelb oder schwär; und, ungleich den Mauren, tragen die Hebräer stets reine weiße Strümpfe und Schuhe mit Hacken, statt nackter Beine und Babuschen (Sandalen). Die Frauen sind schön, aber die. Gewohnheit, das Kinn in eine Umhüllung von Leinen oder Muslin einzufchließcn, giebt ihnen das Aussehen, als hätten ste unaufhörlichen Zahnschmerz. Sonderbarer Weise tragen sie keine Losen, wie ihre Gatten. An den Füßen haben sie einfache Sandalen oder auch Pantoffeln ohne Absätze. Auf ihrem Kopf tragen sie unabänderlich;uerst ein dunkles '.idnes Tuch und darüber eine Schärpe, oft von den reichsten Stoffen. Ihre Kleider an Galatagen sind erstaunlich kostbar, von Sammt, von Seide, von Atlas oder steifem Brokat, der irischem Poplin gleicht, und oft von Gold oder Silberzeug. Die verheiratheten Frauen tragen bisweilen die „Saima", das hohe spitze Horn auf dem Kopfe, verziert mit Drapetie von Leinen oder Spitzen. Diese Saima ist gewöhnlich von goldenem oder silbernem Filigran, höchst sorgfältig auSgearbeitet. Auf ihrer Brust tragen sie eine Art .von breitem Kragen oder Brustgurt, steif mit Stickereien und kostbaren-Steinen. Der Hauptunterschied aber zwischen den maurischen und jüdischen Frauen ist, baß letztere unverschleiert geben und Unierröcke tragen. Di« Maurin außerhalb des Hauses ist em wandelnder Zcug'ack; im Hauie ist sie ein unordentliches Geschöpf in einer runden Jacke und weiten Losen. Der Anzug der Jüdinnen weiß mchls von Kcinoline oder Schnürbrust und bangt an der Gestalt, von der Achselgrube bis zur Taille in schweren, winkligen und doch nicht ungraziösen Falten. Ihre Arme, J>t« durch die durchsichtigenAermel von MuSlin scheinen und mit Spangen von Gold oder Silber geschmückt sind, sind auffallend voll und rosig. Ketten.- Ohrring« und Spangen sind beiden Geschlechtern gemeinsam; aber dir Frauen tragen an jedem Arme wenigstens zwei hübsche Armbänder, oft sogar fünf. Diese kostbar geschmückten Jüdinnen mir ihren schönen Farben, rosigen Wangen, glänzenden Haaren und großen schwarzen Augen — die sie nicht, wie di, Maurinncn, mit „Kohl" bemalen, sondern in ihrem natürlichen Zustande lassen — versetzen unS direkt in bas Mittelalter zurück. Man kann an jedem Fenster eineRedrcka') üben, die einem möglichen Brian de Bois-Guildert, m Gestalt eines kecken Spahi-Hauptmannes. Trotz bietet. einem sicherern Orte Seelenruhe seinen *, Perienen in Malier Scene rKcnuu: „Zvandoe.' Reue eines Abtrünnigen. .Aus dem Lüuealore Israelita.) Neapel im Apiril. Im Augenblicke, > wo ich schreibe, b.finde ich Mich noch unter dem Eindrucks der rührenden Zeremonie.! der das israelitische Publikur^ am' jüngsten ersten PaschamTage in seinem heiligen Bethause beiwohnte. Ein Israelit, mit Namen Z. D. Romano, hatte vor mehreren Iqhren, gc, drängt durch die uttentbehrlichlten Lebenrbedurfpijje und durch die Intoleranz der päpstlichen Regierung, unter der er seufzte, die Religion seiner Later abgeschworcn und den christlichen Glauben! angenommen; aber nachdem er lange Zeit ein elendes Leben fortgefübrt hatte — denn er wurde von Allen zurückgcsttzt und verachtete— würdS er schon gleich anfangs in ^en Schoß feine/ väterlichen Religion haben'zurückkehren sollen; adec ein/olcher Entschluß wurde unmöglich gemacht Idurch die?^wcht, von dem Zorn der intoletanren Herrschaft, der er unterworfen war, getroffen zu werden: und da er chir ''einen geringen Mitteln sich nlchr nach begeben konnte, um mit der gewünschten Entschluß aussühren zu können, so schleppte er seine Drge in traurigster Bitterkeit hin. Da entstand glücklicher, und man kann sagen wunderbarer Weise die iscaelitts^e Gemeinde in Neapel. Ausgerüstet, wie sie war, mit qinem ausgezeichneten geistlichen Lenker, ließ sie in jenem Unglücklichen den Gedanken > entstehen, einen Wechsel des Aufenthaltes zu benutzen, i|m seinen lodenSwerthen Vorsatz zur Ausführung' zu dringen. Zn der Thar stellte er sich vor einigen Monaten hier ein und offenbarte seine Absicht unserm ausgezeichneten Rabbiner. Dieser nahm ihn mit der ihm eigenen Freund, lichkeit und Liebenswürdigkeit auf, ermuthigte ihn kräftig in feinem heiligen Vorsatz, bereitete ihn durch di« strengsten Ermahnungen zu dem wichtigen Schritte vor, zu dem er sich anschickte, unterwarf ihn außerdem den überzeugendsten Prüfungen feiner wahren Reue und bestimmte ihm endlich den oben erwähnten Tag, daß ec sich öffentlich zeige, um den Akt seiner Rückkehr zur ursprünglichen Religion zu vollziehen. An diesem Tage war das Gotteshaus gefüllt, und nach einem kunstvollen Nottrag» unseres ausgezcichneren geistlichen Hirten tief dieser die Anwesenden auf, einem der rührendsten Beispiele für die Macht der Festigkeit lzer religiösen Grundsätze im Herzen deS Israeliten beizuwohnen, indem er ihnen den verirrten Bruder vorstellte, der jetzt zu unserer Religion, welche er nur gezwungen verlassen hatte, zurückjukehrcn flehte. . Die Zeremonie war, wie ich sagte, ungemein rührend; alle Anwesenden wurden bis zu Thränen bewegt, als sie den Büßenden, der mit frommer Gebecde vor der heiligen Lade stand, bejahend auf die Fragen antworten hörten, welche der Raddin.r an ihn über die Aufrichtigkeit feiner Reue und seines freien und unbeeinflußten Willens, zur väterlichen Religion zurückzukehren, richtete. Aber wie er den furcht, barm Eid aussprach, ihr ewig treu zu bleiben, wurde die Rührung der Gläubigen wahrhaft unbeschreiblich, und der vortreffliche Prediger benutzte sie, um mit einem warmen und lebhaften Aufruf an daS teligikse Gefühl der Zuhörerschaft zu schließen. Die freudigsten Beweise 7eS Antheils wurden von Al-

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