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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 25 (1865) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
25 (1865)
Date
1865-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Kelehrung und Unterhattung aus jüdischem fletziele. Herau-gegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philip-son in Ponn. ttL io/>C t »on bidtt W<beint wbAeBüiÄ tin« «ummet. Preis »je« Jods. r, % rt VlO. Jö. lööOJ aangl 1 Ifclt. Pieneljahng Rgr. Alle «-chbaudUmae». Poftämrtr I ) I OlMfllll.^ -V. und 3e,ruug»exved,t,vB«l Uthmea «efteLonge» «B. 7 L J '«“"‘ö* «*• «yuauai.j Ein Genrebild aus Berlin- Don Leopold Jacobs (AuS dem „llebreM.") (Schluß.) An einem anderen Tische haben sich drei Vaterlands» müde, polnische Wanderer niedergelassen, die sich gegenseitig ihre Wunder- und Wanderabenteuer erzählen, und einander Rechnung ablegen, wasi, alles auf Grund ihrer respectiven Zeugnisse und Atteste von , diesem und jenem Rabbi oder Doctor hier in Lerlm au« dm jüdischen Cvmptoiren herausgeschlagen haben. Daß es dabei an Genie, streichen aller Art nicht fehlt, versteht sich von selbst und wie die fröhlichen Mienen der drei modernen Wanderspe« kulante» anzeigeo, scheinen die zulehr gehabten Erfolge für all«'BethrMgrm gleich zufriedenstellend gewesen zu sein, und sie lassen sich den Kaffee und den Tabak gar wohl schmecken. Einen wehmüthigen Gegensatz zu diesen mehr oder weniger belebten und froh gestimmten GesellschaftSabthei» lungen bildet »in« Gruppe, die sich an einer Seite de« neben dem Ladentisch stehenden OfenS mehr niedergekauert, als niedergesetzt hat, und die dem Anscheine nach zu urtheilen, auS einem Vater und seinen zwei halberwachsenen Söhnen besteht. Don dem gern plaudernden Wirlh erfahren wir die einfach rührende Geschichte dieser Familie. Der Bater aus einem kleinen Städtchen des HerzogthumS hergrwandert, leidet an einem Augenübel, daS in völlige Blindheit überzugehen drohte. Da haben ihm die mild» thäligen Mitglieder seiner gewiß nicht reichen Gemeinde da- Geld zusammeagebrachr zur Reis« nach Berlin, um hier Heil zu suchen bei jenem Manne, den seit Jahren bereitalle Augenkranken Europaals ihren letzten Ret» tung-anker zu betrachten gewohnt sind,^ bei Dr. Gräfe. Der Alte har heute zum ersten Male, begleitet und geführt von seinen Söhnen, den weiten Weg hinaus gemacht nach der Karlstraße zu der Klinik de< berühmten Arzte«; doch hat der Aermste den Trost nicht erhalten können, den er/ und gewiß noch mehr feine Söhne von diesem Besuche gehofft, uqd traurig und stumm sitzen die drei nun da und denken > an den Kummer und da- Elend daheim ldie Mutter ist zu Haugeblieben mit den jüngeren Ge» schwistern), wenn sie den Ihrigen werden schreiben müssen, daß ihre Reise umsonst gewesen. — So ist auch in diesem engen Raum« Lust und Trauer, Freude und Schmerz eng verbunden mir einander und wechselt ad nicht minder wie in dem großen Potpourri de« menschlichen Leben« da draußen. — Nur da« ewig lächelnde, wohlgenährte Antlitz de« Wirthescheint da« Stabile und allein unberührt Bleibende in diesem Wechsel der Seelenstimmungen zu sein. Wie eine jjrt Vorsehung steht er da, und überlegt und üderschlägt bei ffd im Geiste die Summ« der heut gemachten Einnahme, die vielleicht seit lange nicht so ge» wichtvoll au-gkfallen if, wie heute. Eden ist in den musikalisch,«.Unterhaltungen de« pelz, verbrämten Eindtin eh c kleine Pause eingetreten und hat eine momentane Stille in dem engen Gemache zu Wege gebracht; da erhebt si h plötzlich von einem der Karten» rische her ein laute- E espräch, da« bald in einen heftigen Streit au«zudreä)m lroht. Einer der Klabd,rja«stieler nämlich glaubt, die feljsenfeste Ueberzeugung zu haben, baß sein Gegner einmal nicht richtig «zugegeben" habe, und er will deshalb b»e für th« verwreii gegangene Pani« nicht bezahlen, wanatürlich, obgleich e« sich hier um eine kaum nennen-werrhe Handesmünze handelt, dem Gewinner; burdhuö nicht gleichgültig fein kann. Bereit« haben sich die Gäste von den andern Tischen um die Streitenden gesammelt und lassen sich von den Betheiklgten die Ursachen de« Conflict« mit allen ssachwiffenschafrlichen Ge» Heimnissen de« Kladde rja-ipiel« auseinanbersetzen, um rn dieser fachwichtitzen 2 ngelegenheir für ober wider ihre Meinung abzugidm; schon haben sich zwei Parteien gebildet und e« w rd g« fochten, wenn auch vorläufig nur mir den Händen in d!rr Luft herum; da legt sich endlich der Wirlb baceinl und I beschwichtigt di« streitenden Parteien durch ein ebenst probate« wie durchaus ungewöhnliche« Mittel, indem er sich anheischig macht, die ganze streitige Summe dem verliereinden Spieler an seinem, des ihm rückständigen SchulbeN-Conro zu — erlassen. So legen sich allmählich biie ho^en Wellen de- Tumulte-- die aufgeregten Gemüthe Knaben am Ost», bst sich bereitin ängstlicher Bestrgniß um de« blinden glücklich« Beile; -wir wieder von von Derbe, Bellte u. seinen weißlich beruhigen sich, und die beiden jüdischen Datei gedrängt hatten, theilm diesem die ung!de« Streitemit. — Bald Horm >en Aschen her die stereotppen Aasagungm s. w. Der „Pelzverdrämtt" streicht grauei Spitzdart und fingt und plaudert und muficirt. 8« kl »ppern dazu die Kannen und Teller, ,» brummt der Stock, e« flöten die Lippen, e« tönen und schallen die „De^de'S^; — nur der Tisch am Ofm bleibt traurig und stu!mm, und lange noch dachte ich an di« lichtlosen Augen de« Üllrm und hie Nacht seiner Zukunft, als ich schon lange daheim im trauten Kreise der Mei-

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