Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 23 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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91 Juden viel schlauer, al« ihre strengen Gebieter, und im Stande, sich über Viel,« zu unterhalten, wovon ein ächter Buchare keinen Begriff Kar. \; Miszellen aus Persien unv dem Kaukasus. Bei dem Interesse, welche« sich gegenwärtig den Juden in Persien zugewandt har, entnehmen wir au« der 1862 erschienene ..Reise der k. preußischen Gefandschafl nach PersieN 1866 und 1861, geschildert von Dr. „Heinrich Drug sch, chem. Mitglied der k. preuß. Gesandtschaft, mehrere Mitheilungen. Da« Grab Esther'« und Mardechai'«. Brugsch besuchte in Hamadan arabische Grabdenkmäler und fahrt fort! Wir verließen nach einem längeren Aufenthalt« die Gräderstätte, um unfern Weg durch finstere, häßliche Straßen nach dem Mausoleum de« Ester« und de« Mardechai einzuschlagen, doch dauerte e« über eine halbe Stunde, ehe wir un« durch da« Straßenlabyrintk hindurchwinben konnten. Wir bemerkten bei dieser Gelegenheit, daß die einzelnen Viertel durch große Tbore mit schweren Riegeln (ähnlich wie in Kairo) abgesperrt werben konnten, so daß in unruhigen Zeiten die Juden, Armenier, Türken, Perser ein Paar Tage lang eine gegenseitige Belagerung auszuhallcn im Stande sind. Endlich bogen wir linker Hand nach einem kleinen Platze ein, der mit langen Bauhölzern und einem großen Topfvorrath angefüllt war. | Auf einer Erderhöhung stand ein Gebäude, quadratischen seinem Grundplan, miteinem verivittenon Kuppelthurm, »uf dessen Spitze an Stelle einesonstigen Abzeichens ein Storch sein Nest aufgefchlagen halte. Hier war da« Haupr-Heiligthum der jüdischen Gemeinde von Hamadan. die au« hundert und fünfzig Chanervär (also aus etwa tausend Seelen) besteht und wie überhaupt die Juden in ganz Persien, nur nach schweren Verfolgungen die gegenwärtigen milderen Zeiten erlebt hat. Sie stehen unter einem Molloch, d. h. einem Geistlichen, dessen Bekanntschaft wir später machen sollten. Es bauerte nicht lange, so erschien ein alter Jude, um mit Hülfe eine« morgenländischen Holzschlüssels den äußern Eingang zu dem Gebäude zu öffnen. Oie Thur, ursprünglich in ächt persischem Logenstyl, aber wie da« ganze Hau« von außen ohne jede Spur! von Ornamentik, war durch Mauerwerk zur rechten Hqnd und von oben her verkleinert worben utrd eine mächtige G: 'nitsteinquaber mit einer runden Oeffnung in der Msitte bildete gegenwärtig den Verschluß. Der Jude steckt« den Arm durch das rund Loch.des Steine« und öffnet« von innen her den Zugang. Die Steinplatte drehte sich in ihren beschwerlichen Zapfen, und nachdem wir in ae'ückrer Stellung durch da« viereckrge Thürloch in einen sdmutzigen Dorraum eingetreten waren, befanden wir un« ii einer Umgebung, ds« ln Gestalt von großen Krügen, Holzstangen und verräucherten Oellampen in keiner Weife die Nähe heilig gehaltener Gräber ahnen ließ. Der Jude zündele hie eine der Lampen an, wendete sich seitwärts rechter Hand nach einer lochartigen Thüröffnung und kroch mühbefanden uns jetzt in Gemache unter der sam hindurch, wir and rn so gür »«.gehen wollte ihm nach. Wir einem ziemlich geräumigen und^hohen kuppet, da« von obenher eine matte und trübe Beleuchttng erhielt. Rach rechthin zeigte sich ein erhöhter apsisrrligec Raum mir Mosaikpflasterung, der mit vielen Jnftiriften in erhabener Arbeit angefüllt lst, dir an den Manien ringsherum fortlaufen. Im Hauptgemache des Gebäudes befanden sich nebeneinander zwei hohe Sarkophage aus einem vielfach geflickten rvlhdraunen Hwlj e, jeder aus drei besonderen Absätzen bestehend. Der oder l.e Aufsatz schien jünger aldie beiden untern zu fein. Höchst geschmackvolle Ornamente wechselten in der timstreichj en Holzsculptur mir vielfach in einander verschlungenen Inschriften m edräischer Charakteren, welche sich auf die b,iO,n Inhaber der Gräber bezogen. Die Särge hatten ungemein viel Aehnlichkeit mit dem Todtenladen ägyptischer Märtyrers, welche ich Gelegenheit fand in einem der Klöster bei den NarrvNseen, im Westen vom ägyptischen Deltalande, zu sehen. Schöne eingemeißelte Inschriften < lteren Datum« schmückten die Wände in der Nähe beider Sarge und hundert von kleinen Zetteln, an die Lärge und »n die Wände geklebt, waren eben so sehr mir jüngeren Schriftzügen bedeckt, al« frei gebliebene Stellen der vier Wände. Die Juden pflegen nach Hamaban zu pilgern, um an dieser geheiligten Stelle auf Persiens Boden ikr Gebet zu verrichten. Al« ex-voto hin» terlaßt jeder Pilgrim eine Inschrift sehr einfachen Inhalte«: Ich N., Sohn de« N. au« der Stadt N.. bin hierher gekommen und h »de gebetet. Gewöhnlich kril auch noch das Datum hinzu. Nachdem wir un« recht« und link« herumgedteht, alle« genau geprüft und untersucht hatten, und eben im Begriff standen wieder an das freundliche Tageslicht hinauszutceten erschien ein alter, flebeazigjähriger Mann, dessen ehrwürdige«, mit einem langen weißen Barte geschmückte« Haupt ein Turban bedeckte. Er stellte sich al« den Mollach der Hamadanen Judenge neinde vor und war erstaunt, mich die edräischen Inschriften lesen zu hören. Auf meine Bitte versprach er mir ettti genaue Abschrift der Inskriptionen um die Särge und! der größeren Texte an den Wänden gegenüber von den Särgen. Tag« darauf erschien in der T.dar der Mollach mit einem Bogen, dfssen schriftreicher Inhalt mir den Beweis lieferte, daß bet Alle Wort gehalten halt«. Ich glaubt, irgend einen ganz besonderen Fund gelhan zu haben, nachdem ich durch de« Mollach Güte in den Besitz einer vollständigen Abschrift der Sarg- und Wand- Jnscriptionen gekommen war, sah mich aber schrecklich entmeiner Rückkehr in die Heimath „m jener jüdischen Legenden vvrfand. mit täuscht, al« ich nach vollständige Literatur deren frommen Ignoranz, wie eö scheint, da« hamabanische Tabernakel beschenkt der Bedeutung St Name lautete H e hat. Zur Geschichte irr Esther (ein persisch,« Wort mit rn, griechisch' Astsr; ihr eigentlicher assah. „die Myrthe'^) und ihre« Pflegevater« Marbeln muß bemerkt werben, baß die Hamadaner Judenschaft die Ereignisse, welche im Buche Esther erzählt werben^ von ihrem eigentlichen Schauplatz, Susa" weg nach Hamadan versetzen und deshalb, wahrscheinlich einer ältest Tradition folgend, di« Grabstätten beider Personen hier lannehmen. Die Perser schütteln bar-