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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 23 (1865) · p. Seite 92

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
23 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 92 (sequence 4)
Language
German
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— 92 — über ungläubig das Haupt, meinen,' sie wüßten besser, ich weiter, woher sie die Deutsche Sprache wüßten, so amwer hier begraben sei, nämlich Benjsmia, der Brudtr! worrete Alles mit Einem Munde: „Weil mar Juden sind," Joseph'-, und zerbrechen sich nicht »etter den Kopf üb«! und in diesem Styl alles Andere.*) die historische Begründung dieser Angabe.*) Juden im Kaukasus- Auf der Rückreise von Persien, auf der großen KaukasuSstraße traf Brugsch auf der Eranzia Kasbek (Poststarion) ein, und erzählt: Der dienende Bruder in der Etanzia war ein kubischer Soldat, welcher ein horridles Deutsch redete und sich selber mit bescheidener Genugthuung als „Jüd" dezeichnete. Er hatte bereits 12 Jabre lang am Kaukasus zugedracht, und versicherte, noch-acht Jabr dienen zu müssen, ehe ies ihm vergönnt wäre, die Knöpfe und die Achselklappen vpn der Uniform schneiden zu dürfen. Trotz zwanzigjähriger Dienstzeit bei einem Kopeken Gehalt für den ganzen Tag, war der Mann seelenvergnögt, besonders weil er am Abend meines Aufenthaltes in Kasbek mit sieben andern „Juden" und einer Frauenzimmer-Jüdin" das jüdische Wochenfest nach dem Brauche seiner Darer zu feiern heabsichtigte. Die rinundfünfzigste Station ist ein trauriges Doirf, das der anhaltende Regen in eine wahre Mistpfitze v'rwandelt hatte.- Während die Pferde gewechselt wurd n, besuchte ich die zufällig nahe gelegene Gostnitza des Qrt s, wo ich bei einer Jüdin recht gute Suppe und Rindfleisch -erhielt, wahrend ihr betrunkener auf dem Sopha liegen >er Mann «in Schnarchconcerk zum Besten gab. Beim ch erauStretem^us der Thür carambolirte ich. mehr vor > Erstaunen'als auS Ungeschicklichkeit, mir erlichen Dam n, deren Anblick nicht nach einem «übrussikchen Dorfe, sond rn nach den Boulevards von Paris gehörte. Es waren lies die stolzen TöchtcrS des Hauses, weiche sich mit Felerhüten. seidenen Kleidern,'großmächtigen Crinolinen »nd buntfarbigen LangchLleS io aufaeputzt barten, daß ich meinen Augen kaum traute. Nur ihre Sprache wolte nicht recht;u oem Staat passen, da sie dasselbe Judenbeu> sch redeten, in welcher sich mein Mitreisender russischer Bear »te förmlich virtuosenhafr auSzeichnerc. In allen Dörfern, dp cch welche unsere Straße führte, fand ich Deutsch spreche ide Juden, welche den Ton angebenden Theil der Bevölkerung bildeten und bereit« seit mehreren Generationen ansässig waren. Fragte ich, von woher sie «ingewandert warrn, so antworteten sie: von Poilen, b. h. „Polen," nun fraute * Eine Abbildung diele« Grabmal» Esther « und Mordechai baben wir in unsrem Bidelwerke Band III. S. 783 gegeben, und stimm! damit die von Brugsch beigefligte überein. Ebenso bestätigt die obige Schilderung die Notizen, die wir an der angefügten Stelle über das Grabmal beibrachlen. z Anekdoten ' auS PaschaleS Kalender (5266.) Ein bejahrter reicher Mann lag sehr krank darnieder, , und seine erdSlusiigen Schwiegersöhne ertheilten einem Der» traurnSmanne den Auftrag, den GreiS zur Festellung seines ] letzten Willens zu bewegen. Dieser entledigte sich mir vielem Geschicke seiner Auf- ' gäbe, indem er vor dem Kranken einen langen Sermon i über die Vergänglichkeit des irdischen Dasein- und Lebenhielt und seufzend schloß: na ■»:« nai**). Und meine Schwiegersöhne sprechen, rief sich aufrichtenb 1 b«r geistreiche Kranke: isnttjvv -na^ na^***).! In das Comptoir de- Börsenfürsten Rothschild kam! ein preußischer Commerzienratb, um ihn in GeschäftSangei legenbeiten zu sprechen. Der sehr beschäftigte Banquier ' bat ihn indessen auf einen Stuhl, Platz zu nehmen. Der | Einkrerende schien auf das Warten sich nicht verstehen zu wollen, und enrgegnete stolz und hochfahrend: Ich bin der Commeczirnrath N. N. Wenn dader Fall ist, sprach gelassen Rothschild, — (fo nehmen sie sich meinetwegen zwei Sessel. *) So im Kaukasus. Bor Kurzem war einer uuserer jungen Freunde in Brüssel, und erkundigte sich bei einem wohlgekleideten Manne nach einer Straße, und dieser führte ihn bereitwillig dabiu. Unterwegs unterhielten sie sich zuerst sranzöfii'ch dann deutsch, und nn'er Freund gab sein Erstaunen zu erkennen, daß der gefällige Mann so geläufig deutsch spräche. „Ei wa», antwortete dieser, ich spreche nicht deutsch, ich spreche jütisch." — Es ist dies ein prakliicher Lommenkar zu den, was wir in dem Leitartikel „Judeurhum uud Deulschlhum" in Nr. 17. u. 18. d „A. Zeit. beS JudentbumS" gesagt haben Die Redaction. **< „WaS sind wir, was unser Leben! ***. „Und wie schön ist unser Erbrheil." Allgemeine Zeirurrg des Judenthum-. No. 22. 1865. Inhalt: Leitende Artikel: Der Geist de« Judentums in seinen Gebeten nach den verschiedenen Zeitaltern. — Die Rießcr-Stiftung. — Haben wirklich die Juden Jesnm gekreu-; zigt. — Literarischer Wochenbericht. — Victor Hugo über JesaiaS und Hestkiel. — Zeitungsnachrichten- Deutschland: TauberbischofSheim. QesterreichifcherKaiserstaat: Kolomea, Gr.-BecS- . kerek Frankreich: Paris. Nordamerika: New-Aork. fCST Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich Thaler Berankwortlieder Nedacreur: Dr. A. Nager. ^jerl»z von Baumgärtarr-'« BuShaadlu, in Leioiig. — Druck von (S Sr«vi> aq ,n Veipzio

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