Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 22 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
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pfindungen ju verheimlichen. Ss saßen wir einige Augeadlicke regung-loneben einander, bis meine Mutter die Pause unterbrach und begann: „Haft Du Dich, mtta liebes Kind, denn nach Niemandem im Stäbchen zu er» kundigen? ' Sind Dir die Gefährten Deiner Zugend nichts mehr? Erinnerst Du Dich nicht mehr der kleinen Sarah, wie Du daliebe Mädchen immer nanntest? Siehe, wie ich ihr neulich erzählt«, daß Du kommest war sie ganz entzückt vor Freude und sprach mit mir nur von Dir. Du künnst Dir gar nicht denken, was sie in Deiner Abwesenheit mir war, wie sie mich pflegte und weiß ich nicht wie es mir ergangen wäre ohne sie. Wenn Du nur wüßtest, wir sie schön geworben, daß wenige wie sie zu finden im Lande, wie sie groß und schlank gleich elfter Ceder. O welche Wirthin ist sie, allen jüdischen Kindern wünsche ich solch eine Frau. Ihre Schönheit hat manchen Freier aus Nahe und Ferne herdeigelockt, aber sie schlug alle aus und sagte jedesmal ich habe schon einen Freier. Möchtest DH es nicht passend finden mit mir bald näch dem Nachtmahle die Eltern Sarah'S zu besuchen? \ Sarah! I Wie viel Vorwurf liegt nicht in diesem einfachen Nannn! Du unschuldiger Engel meiner Zugend, wie sündigte! ich gegen Dich. Der Künstlerruhm drängte Dich aus meinem Herzen, der Taumel der falschen Glückseligkeit mahile mich Deiner vergessen. Du aber bliebest mir unter flllea Verhältnissen treu. Du hast die Feuerprobe bestanden und mein Andenken mit seltner Treue bewahret. T«!otz meiner Gleichgiltigkeit und meinem ewigen Stillschweigen bliebest Du standhaft und vertrautest auf meiner Standhaftigkeit. Mit der Erinnerung an die Seeligkeil »yeinrr Zugendjahre kehrt auch die Zugeadliebe selbst zurück^, sie kehrt zurück, ich fühlte es mit tausendfacher Kraftt Ich werde mich zu Deinen Füßen werfen aus deinen blauen Augen Verzeihung erflehen für alle Sünden meiner Zugend. Ich kenne Dein vortreffliches Herz und bin gewiß, du wirst mir alles verzeihen, dann werde ich uhr Dich bei Deinem Vater wechen und Dich führen. — 1— Apostat! wohin unter dre Ehuppa oder zum Altar, darf ich mich Dir unter die Augen wagen, nachdem ich Dir die Hoffnung geraubt und die Rosen Deiner Zugend geknickt. Damals log ich wohl nicht, als ich Dir sagte: „ich liebe Dich Sarah," als ich Dir Treue für immer schwor. Seit dieser Zeit aber bin ich ein Heuchler, ein Derräther geworden, dessen Lippen andersprechen, als das Herz fühlt.' Zch fühlte mich einer Ohnmacht nahe, einer mit jeder Minute wachsenden Seelenpein. Schon waren mir die Worte auf den Lippen r^Freue Dich nicht Mutter, Du hast Leinen Sohn mehr, schwärme nicht Mätzchen von der Treue deines Geliebten. Erinnert Euch meiner nicht mehr, verzeihet mir nickt was ich gegen Euch verbrochen, daß ich nicht Gnade finde weder im Himmel noch auf Erden und sich an mir erfülle der ganze Fluch 'Der Schrift. Wenn ich dieses allehätte sagen können würde, ich mich vielleicht erleichtert gefühlt haben, doch ich mußte Ruhe und Freude heucheln. Mit einer gleichgiltigen Miene doch großen Anstrengung sagte ich endlich: ich bin schläfrig, liebe Mutter, laß mich verschone mich mit dem Besuche bis morgen. Es fiel der Mutter doppelt schwer, meinem Wunsche nachzukommen, da Freitagabend war hätte sie gern da- Kiduschgebee au^S meinem Munde vernommen; doch Rührte sie mich in das Schlafzimmer, einen Kuß auf meine Waage drückend. Zch wäre eher im Stande gewesen, Wunder zu vevrichtea, als in diesem Augenblicke zu schlafen; angekleidet warf ich mich auf das Bett von fürchterlichen Schmerzen gepeinigt. Sollte ich etwa au meine Mutter, sollte ich etwa an Sarah denken d Hatten sie doch ohnehin keinen Sohn, keinen Belobtem mehr, sie verloren ihn längst in einer Weise, die viel schmerzlicher als der Tod. Wenn ich sterbe, werden sie mich beweinen, meine Mutter wird endlich im weifen Rathschlüsse Gottes ihren Trost finden; Er kann geben, Er kann wiederuehmenl — Wenn ich leben bleibe, wenn sie meineLedensgeschichreerfährt, wirbst« ihren eignen Schoß vefluchen, der mich geboren. — Draußen h^'rr ich di« Thüre gehen. Es kam Besuch, Sarah und/die Ihrigen. Zch Hörle jene. Töne, die Musik meiner, ersten Jugend. Ich horchte und jede Modulation dieser Stimme verlebendigte meinem Gedäci wisse ein anderelängst vergessenes Bilb meiner alten Seligkeit. Sie sprgch, und jeder Laut tönt« in meinem Busen getreulich nach. Es zog mich Hingste zu sehen, vor ihr niederzusinken, wieder zu lieben, wie vor alter Zeit. Ich komnte nicht wiederstehen, leis« schlich ich mich vom > Bette, vorsichtig schob' ich den Riegel bei Seite und lautlqs öffnete ich die Thüre. Mir gegenüber [fa| eia junge- Mädchen, die zwei großen schwärmerifchein Augeü gerade auf mich geheftet. Sie ists! .! Du himmlische Glückseligkeit! Du verlornes Piradies! Du Verzweiflung voller Jammer! Mein Blut sch§ »mte in' diesem Augenblicke so eigenthümlich, mein Herz schlug so sonderbar — eia halbuaterdrückter Schrei entmand sich meiner Brust -und. ich saut zusammen. — — — — — — —-—> — Mein eigner Sc>rei ließ mich erwachen und als ich aufspringend die Strahlen der. ausgehenden Sonne auf der Kuppel der Peter tkirche schimmern sah, begriff ich di« Lebre meines schwer»» Traumes und freute mich unaussprechlich jener Gla» densgenosseaschaft anzugehörur/ deren Erdtheil Leiden und Verfolgung. Ich wankte nie r »ehr. Ich blieb ein tteuer Sohn de- Stammes Zuda und i »ein Talent errang sich immer mehr und mehr Anerkennung. 2 ch wurdejbald inlRom,daId in Pari- und London von den grö iten Herrschaften mit Aufträgen überrascht. JnSdefonder« war es der österreichische Gesandte Fürst Esterhözi in kondon, der die Aufmerksamkeit Gr. königlichen Hoheit de k Prinzen Albert auf die „Amazonenstrupp« mit dem veiwunderen Krieger" lenkte. Im Auf-, trage des Lordmajoi Salamous m 'London sowohl, als in dem einiger Ma;naren Ungarns verfertigte ich einige Gruppe», die einen »leibenden Werth haben. Unvergeßlich bleibt mir der Besuö , der im Jahre 1857 meinem Atelier der preußische König Friedrich Wilhelm!V., machte. Die Starü die Unschuld darstellend erregte die Aufmerksamkeit de- Monarchen und wurde auch von demselben angekauft. Meine Sratü „Eva" an der ich mehrere Jahre arbeitete, kaufte vors Kurzem e n Cavalier in Ungarn. Ich genieße jetzt den reichen Loh!» meiner mühevollen Ausdauer. Es fehlt mir nicht an Üünstlerruhm und wenn ich wieder in