Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 22 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 4)
- Language
- German
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Rom eintreffe, sende ich ihnen die Sratü meiner Sarah, da- Ideal meiner Jugend, unserer leider zu früh Heimgegangenen Freundin." Diese Skizze entwarf von seinem Leben bei• seinem Besuche in Ujhely der Künstler Josef Engel dermalen in Rom für eine Freundin. Ohne Ansatz und odne Veränderung gebe ich sie mit Benützung des ^Küvesrährbad von Kor Kervi" hier wieder. Lcichenbegängniß ves Großrabbiners des französischen Centralkonfistoriums der Israeliten, Herrn S. Ullmann. (Nach den Arcb. isr.) (Schluß.) Unter den Vertretem der Regierung und der Verwaltung haben wir von dem Justiz- und CulkuSministerium Herrn Victor Hamille, Direktor der CulruSverwaltung und Herrn Rozan, Chef beS BuceauS für die nichtkatholischen Cuttea bemerkt. DaS Centralkonsisterium von Frankreich und das - von Paris "To wie das WohllhatigkeitSkomite waren fast vollständig bei der Cermonie gegenwärtig. Der Lcichenzug verließ das SrerdehauS und begab sich durch die Boulevards nach dem Consisterialtempel in der rue Kotre-Ilsme-rle-^'ararelli., Der Zug wurde durch Herm Braun, den Schwiegersohn de« Verstorbenen und Herrn Ullman, seinen Bruder, den israelitischen Almosenier deS Straßburger Lyceum, geführt. Die Zipfel des Ba.rtucheS hielten Herr Oberst Cerfberr, Präsident des CentralkonsistoriumS, Herr Baron Gustav v. Rothschild, Präsident deS ConsistoriumS von Paris, Herr Aron Caer, Präsident deS ConsistoriumS von Metz unV Herr Levylier, Präsident den ConsistoriumS von Nancy. Herr Isidor, Großrabbiner von Paris, die Herren Hilfsrabbiner Astruc, Lazard und Mayer, Herr Rabbiner Prenrl, Direktor, und die Herren Professoren deS Seminars eröffneten den Zug. Der Anblick des Auges, besonders als er er die Boulevards hinaufging, war ein sehr imposanter: daS Fahren der Wagen war vollständig unterbrochen, die Chaussee in ihrer ganzen Breite und in einer weiten Ausdehnung mit der theilnedmenden Menge besetzt, die Fenster, selbst die Dächer und alle Seitenalleen voll Neugieriger, die ehrerbietig den Hut abnahmen, die Schüler der Rabdinerfeminar-, welche in Uniform so zu sagen, Spalier um den Leichenwagen machten, die beiden israelitischen Schulen, die Waisenanstalr, di« Deputationen von allen WohlthätigkeilS- und Bergesellfchaftrn, und unter ihnen die Mitglieder der „Enfants de Japhet^“ die Jmmortellenstrauße in ihren Knopfloch trugen — dies sind die Hauptzüge deS in feiner Einfachheit so großen Gemäldes. Der Confistorialtempel war emst und reich dekoriot, die äußere Fa^ade war vollständig mit Schwarz behängen, und im Innern von dem Fußboden bis zum Dache; tausende von Kerzen glänzten; eine große Menge, die kaum durch zahlreiche Polizei zurückgehalten wurde, besetzte alle Plätze, und eine große Anzahl Damen nahmen die für ihr Geschlecht gewöhnlich rsservirten Tribünen ein. Der Sarg wurde auf einem beleuchteten und mit Kerzen beladenen Katafalk niedergelassen. Nach einem langen Orgelspiel stimmte Herr Naumburg, der Cantor, mir dem Chor den Psalm 81 an; dann schilderte Herr Großrabbiner in einer sehr ergreifenden Rede daS Leben und die hauptsächlichen Verdienste deS Verstorbenen. — Auf diese Rede folgte der Gesang eine- PsalmeS, von den Herren Sängern Blum und Nathan, dade profundis (Psalm 130) dessen Charakter so musikalisch-religiös ist, diente, die Feierlichkeit noch zu erhöhen, die durch die Hafchkaba, welche der Gcoßradbiner recitirte, beendet wurde. Der Zug richtete sich dann über die Boulovards Sebastopol und St. Michel nach dem Friedhöfe Montparnasse, woruach feinem lehren Willen Herr Ullmann beerdigt wurde, um dort neben seiner Mutter zu ruhen. Auf dem Grabe wurden vier Reden gehalten von den Herren Oberst Cerfberr, Prenel, Direktor deS jüdischen Seminar-, Libermann, Großcaddiner von Nancy, und Mayer, Direktor der Waisenanstalr. So wurde die Trauercermonie beendet, bei der die öffentliche Theilnahme. der beste Beweis für die innere Berdindug war, welche noch unter unfern Glaubensgenossen besteht, und die, durch ihren großartigen Ernst, wohl geeignet war, auf unsre aufgeklärten christlichen Mitbürger einen lebhaften Eindruck zu machen. Curiosum. Au- Rom schreibt man der „V. Z.": „Der vor Jahren feinen Eltern geraubte Judenknabe Edgar Mortara trug am Mittwoch voriger Woche dem Papste in der Kirche Sank Agnes« ein italienische- Gedicht vor, worin der Glaube culminirte, er werde bald über seine Feinde, welche Italien protestantisch machen wollten, den Sieg davontragen. Doch der arme Mortara war dabei nur da-Sprachrohr, denn die Priester gestehen jetzt öffentlich, daß nicht er, sondem sein Lehrer Pater Ferabulini, ein regulirter Chorherr der lateranensischen Basilica, die Verse schrieb." (Zu all dergleichen wird dieser Knabe gebraucht!) Allgemeine Zeitung deS Judenrhums. No. 21. 1865. Inhalt: Leitende Artikel: Offenes Schreiben an Se. Erwürben Herrn Dr Philippson in Bonn. — Haben wirklich die Juden Jesum gekreuzigt. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bad EmS. Preußen: Berlin, Berlin, Eoln. OesterreichischerKäiserstaar: Krakau. Frankreich: Paris, Paris. Holland: Im Haag. Marokko: Tetuav. Nordamerika: New-Dork. T o rrespo nd enz: Bon der Babn. — Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redakteur: vr. A. Nager. Verlag voa vaumgärtuer'S Vachhaudlunz tu Leipttg. — Druck von «rrysi »g in Lripzig