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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 21 (1865) · p. Seite 82

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
21 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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Sie sind en Freund gewesen zu mir von Jugend an. Sie werden machen, wagerecht i». — Rufen Sie Dowiben." Hawermann machte de Dör up — richtig! — dor stunn hei: „„Herr Entfpekter, Sie werden nicht nemrn meinen Vatter heute Nacht, er ist en alter Mann."" —„Dowid," rep de Oll. „dring mer de Pelzstiefeln?" — „ „Bauer, Du gehst nich! ick ruf de Memme."" — „Ruf Du,de Memme, ich geh!" — „ „Wad willst Du?"" — „Ich will machen en Geschäft, en großes Geschäft." —„„Denn will ich gehn mit."" — „Oowid. Du bist noch ßu jung, Du holst de Pelzstiefeln." — Dar gung nich anners, Dowid mußte sei dringen un «m antreken, Hawermann fvk den Ollen stramm in den Arm, de Oll foc stk in de linke Rocktasch wegen den fehlenden Hoseadräger un stümperte langsam un Kaur vor« Faul an Hawermann sinerz Arm up Kru Pastern ehren Husi tau. — Hierauf folgt eine lange Scene, in welcher Moses der großen Nolh, in welche der leichtsinnige, Edelmann verfallen, wenn auch unter vorsichtig gestellten Bedingungen, addilft, di, ader nichts Charakteristisches Enthalt, so daß wir sie hier üdergeden. Wir tdeilen nur noch einen Satz aus dem Schlußkapitel mir, um. eine Bemerkung daran zu knüpfen. Rad em siurw (starb) Moses: de oll Mann was recht un gerecht dörch'rLewen gähn, un recht ungerecht ging u r dar Lewen. Hei siurw fast in sinen Globen, un as h,^ Horden was, gewcn'sei em de Bred', (Bretter) de den Stamm Zuda taukamen, denn bei was 'ut den Stamm Juda,*) un aheidegrawen würd, satt Dowid in de Asch mit en tezretenen Rock, un vele Cbristjnminscken folgten em nach den Kirchhof, um dtn hei de eckene Bewährung (Umzäunung) stlfft dabd, un ik glöw, yei iS in Abraham» Schot kamen, wenn ok Christen folgt sünd. — Un den Dag nach, sinen Gräfniß stunnen an sin Graww drei Lud,' bat was Hawermann un de beiden jungen Frugen» von Ramdow-Frida was taum Besäuk kamen — un Hawermann . drögte sik de ollen Ogen, un de beiden jungen Hrugcns laden en por frische Kranz' up das Graww von den ollen Juden, un as sei in ehre Gedanken still äwer de Radnstädter Wischen hengungen, fäd Hawermann: „Ec war «in Jude, dem Glauben, und ein Christ, den Thareu nach." Wir wollen denk Derf. die letzte Aeußerung nickt allzusehr vorroerfen. Ec legt sie einem' einfachen Christen m dcn Mund, der eben nur die im Volke durch Geistliche und Lebcer verbreitete Meinung ausspricht. Ader faktisch wie theoretisch ist sie unwahr, und muß daher von jedem Wabrheiksfreunde bekämpft werden. Faktisch ist sie unwahr. denn so wenig, wie wir behaupten wollen, baß im Ganzen ^die Juden besser feien als die Ehristen, ebenso wenig wird ein gerechter Christ behaupten, baß Ote Christen besser sind als di« Juden. Wir sind eben Allesammt Menschen, unter denen sich gute und bös« finden, und in deren Leben sich das Gud« mit dem Bösen mischt. Theoretisch ader sicherlich nicht, denn die christlich« Moral ist den moralischen Lehren und Vorschriften unsrer heiligen Schrift entnommen, und kann in allen Punkten auf diese *) Der Vers. meint unter „Inda" in der Unterscheidung von 'ib und welchtr letzterer nach der alten Sitte bei der Beerdigung mebr Bretter als der bre^D' erhielt zurückgeführt werden. Nichts ader ist bequemer, als, um der tigenen Religion den Vorzug einzurLumen, alles das ihr zuzuschreiden, was man Trefflichebei dem Bekenner einer andern Religion findet. Was würde man christlicher» seitsagen, wenn die Juden sagen würden: „ Er ist ein Christ, ader er har ein jüdisches Herz"? Mögen also alle gegenseitigen Anschuldigungen endlich in Wegfall kommen, ein Jeder seinem Glauben treu anhangen, und den des Andern achten, nicht aber beschimpfen. Briese nach und aus der Heimath. (Neue Folge). ' II. Eist eine eigenthümlich« Erscheinung, baß fast in jedem Menschen, bei Vielen selbst dizum höhern Alter, im Frühling die Sehnsucht nach der Ferne erwacht, das Verlangen. Zeit lang die Heimath zu vttlaffen, und in weiten, schöner» Regionen umherzuschweifen. Wenn der frische Lenzhauch in die Brust einströmt, das Auge wieder öder den grünen Teppich der Flur und das grüne Kleid des Waldes streift, der Gesang der Vögel durch die Lüfte tönt und die Bläue des Himmels, von der goldenen Sonne durchstrahlt, sich über unsre Häupter wölbt: dann wacht in unsrer Seele bas Verlangen auf, weit hinaus in die wiedererstandene Nakur zu dringen und, kern von der Scholle, auf der wir die Harte des Winters ertrugen, die Schöpfung des Herrn zu durchziehen und ihrer wunderbaren Mannigfaltigkeit und Schönheit froh zu werden. Wenn mancher Mensch sonst wohl Reisepläne schmiedet und sich an dem Gedanken einer Pilgerschaft ergötzt, so ist die« mehr Werk der Phantasie, welche die Ferne mit Reizen schmückt. die die Heimath nicht zu besitzen scheint. Aber was die FrühliNi,«sehnsuchl betrifft, so ist sie ein unmittelbare- Gefühl, bas unwillkürlich in dem Menschenherzen aufsteigt, und darum seine Wurzel in einem unbekannten Boden bat. Ich möchte sagen, es ist ein Naturtrieb im Menschen, ein Rudiment jenes Wandertriebes, der in den Zugvögeln, in gewissen Arten von Fischen und sogar in einigen Gattungen der Vierfüßler so regelmäßig und von unbedingter Herrschaft ist. DeS Menschen Seele ist auS Gegensätzen zusammengewirkt, und erst dann wird unsre Seelenkenntniß eine größere und tiefere fein, wenn wir die- und zwar im ganzen Umfang« begriffen haben werden. Wer weiß es nicht, welche Anhänglichkeit an dem Flock Erde, auf dem wir geboren sind, welche Liebe für die Heimath uns beseelt, und je natürlicher der Mensch noch ist, mit desto unüberwindlicherer Gewalt. Der Eskimo sehnt sich zu Tode nach seinen Erd- und Schneehütten, in denen er jede- Jahr zu erfrieren oder zu verhungern fürchten muß, und der „Gradindianer" nach seinen Höhlen im westlichen Mexiko, in denen er nicht einmal Feuer aozuzünden versteht und Nur von Wurzeln lebt. Aber ebenso entschieden ist auch der Wanberungstrieb im Menschen vorherrschend, und die Geschichte zeigt uns ganze Völkerschaften genug, welche, ohne Zwang von Außen, das Land, wo ihr« Väter Jahrtausende gewohnt, mit Weid und Kind verließen, um nach der unbekannten Ferne zu ziehen, wo schwerer Kampf ober harte Mühsal ihrer wartete. In tiefsinniger Weise har uns diesen Gegensatz die

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