Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 19 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
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r har er mir Brief geschrieben, ich soll Nachlesen en DerauS'm christlichen Gesangbuch.— Dowid, wie heißt noch?" — „ES war en ganz entfahmrer VerS," f£& Dowid: „ „Main Gewässen beußt mich nicht, Moses kann mich nicht verklagen, Der mich frai und ledig spricht, Würd aach maine Schulden tragen."" „Ja," repMoseS, „so Haler gehaißen! Un aS ich nu Hab' den Brief geßaigt, da haben die preußschen Gerichten gelacht, und aS ich Hab' meinen Wechsel geßaigt, da haben sie mit de Schulter geßogen und haben auch gelacht. —. Haha! Hab' ich gesagt: Sie mainett dal Peppier iS gut, aber der Kerl daugk nichts. — Da haben sie gesagt, ich hLtt Recht, haben sie gesagt; aber ich könnt en lassen eiasperren, müßt en aber beköstigen. — Daß Du krigst den Dalle-! Muß ich bezahlen Auslagen un Kosten und en Termin und den ganzen Prozeß und nu noch Futterkosten for den Schweinigel? —Lassen laufen! Hab'ich gesagt. — Nein, der Herr Hawermann iS mir besser, alS di« preuß» schen Gerichten." — „„Ja, bat iS Allenrecht gaud, MoseS,""säd Hawermann denau't, „„äwer bekahlen kann ick nich, wenigstenup Slun'nS nich."" — „Na," säd MoseS. un kek em en beten drist fcagwiS an, „Sie werden doch waübrig behalten baden?" — „„Keinen roden Schilling,"" säd de Landmann bedräuwr. — „Gott du gerechter!" rep MoseS, „keinen roden Schilling!" un sprung up un fohrle sinen Sähn an: „Dowid, wastehst Du? wakukstDu? wahörst Du? Geh hin und hol'- Buch her." — Dor» mit funz hei an unrauhig in de Sluw hrn un her tau gähn. — „„Mose-,"" säd Hawermann, „„ laten S'mi Tid, Sei salen Geld un Zinsen bi Heller un Penning wed, der hewwen."" — MoseS sturm still und Hörle in bei» pen Bedenken up dit. Wurt. — „Hawermann," sad hei! tauletzr pladdütsch, „Sei find doch en ihrlicher Mann!"! denn de Juden nach de olle'Welt, makten'l grab so ade Christen, wenn't ehr am't Hart grep, redten sei pladr 1 bürsch. Un a- Dowid nu mit bat Bauk kämm, säd de! Oll: „Dowid, wasoll da-Buch? Trag's Buch weg. — „Nu, wat ist'!?" wendr hei sick an Hawermannen: „ick heww anfungen mit NickS, Sei hewwen vk anfungm mit j Nick-, ik heww makt en Geschäft, Sei hewwen ok makt en Geschäft, mi het'r glückt, Sei het'r nich glückt; ik bün düchtig dor. Sei sind of düchtig dor, denn Sei kennen ehr Sak. Wat »ich Hut iS, iS morgen; können Sei doch morgen weddet 'ne Stäb krigen, können Sei mi bekahlen, denn Sri sünd en ihrlich Mann." — „„'Ne Städ,"" säd Hawermann', vel lichter üm't Hart, „„heww ik all wedder, un de Stad iS gaud."" — „Wo?" freg Mo» s,S. — „ „Bi den Kammerrath up Pümpelhagen."" — „Schön, Hawerman, schön. 2en guter Manns Hat er auch mir de schlechten Szakrea zu thun, iS er doch en guter Mann; macht er auch kein Geschäft mit mir, iS er doch en guter Mann. — Blümche!" rep hei ut de Dör, „Herr HawermannnäS hie. Bring heut ßwai Tassen Kaffee rein!" un aS Hawermann den Koffe utflahn wull, fette hei hentau: „Lassen Sie, Herr Hawermann, lassen Sie! As ich war jung und mußt mit den Packen gehen zu Land', und eS war kalt, hat mir Ihre Mutter oft gegeben 'ne warme Tasse Kaffe; aS Sie noch Eutspekter waren, haben Sie mich lassen fahren ganz for um- 74 sonst. Na, wi find doch ok Minschen. Drinken Se! Here Hawermann, drinken Se." So komm ok best Sak in de Reih' un aS Hawer» mann den Abend bi Bräsigen ankamm, waS sin Hart lichter, vel lichter." — — Hawermann bezahlte auch redlich nach und nach feine Schuld, Kapital nebst Zinsen. Dagegen gerieth sein Principal, der Kammerrath von Rambow durch die über, mäßigen Ausgaben seiner Familie in Schulden; er hatte binnen drei Tage 7000 Thlr. und zwar an jenen Pomuchelskopp zu zahlen, und wußte nicht, woher sie nehmen. Hawermann rieth ihm, seine Zuflucht zu MoseS zu nehmen, waS aber dem Kammerrath sehr widersprach, da er biS jetzt feine Geldgeschäfte in einfacher Weis« geordnet hatte. Endlich stimmte er zu, und der Verfasser erzählt weiter: „Nach Difch führte de Kammerrath mit sinen Jnspekter noch Rahnstädt. AS fei in Mosessen sin HuSbör treden, waS den Kammerath fo tau Maud, aS wenn em en Luggedur in den Smutz sollen wir, un hei füll un müßt em sik mir sine rendlichen Hän'n herute langen. Up de Del (Hausflur) all kämm en so 'n permüffigen Geruch entgegen, denn en „Produkten-Geschäft" rücke äckerall nich sihr nach Rosenöl, un de Wull, wenn sei grad irst den mütterlichen Schooppuckel ( Schafrücken) vertaten hett, rückt in ehre Jugend ganz.annerS, aS wann sei all en beten in de Welt rümmer west un utlüft't iS, un aS bunte Teppich in 'ne vörnehme Damenstuw liggt un mit Ole» wang besprengt iS. — Un wo prölig fach bat up de Del UN in de Stuw ul! Denn Blümchen was woll' ne sihr gaube Fru; äwer bat verstuna sei ok nich, mir 'ne Kauhhut un en Hümpel (Haufen) Hamelbeinen en Angtreh un en Kantur uttauzieren, un wenn fei sik doräwer beschweren wull, denn s§d MoseS kork: dat hörte tau't Geschäft, un Dowidleben drog ehr ümmer nkge Items in den Weg un makte dat HuS tau «n wohreS Rottenparadies (RattenparadieS), denn dit lütt (kleines) angenehme Deih treckt achter (zieht hinter) den Wollgeruch von en richtige- Produkten-Geschäft her, aS de uwen Dachrer AniSöl. In de Stuw würd dem Kammerrath grad ok nich angenehmer tau Maud, denn MoseS was oltglöwig, un an de Christen ehren SchawweS treckte hei, wenn't Geschäft nich grad annerS verlangte, sinen fchmeerigsten Rock an, üm de geputzten GojimS gegeaäwer dat Gesetz uprrcht tau «rhollen, un aS hei nu mit den Griff in de linke Rocktafch upun den Kammecrath entgegensprung: „Wahrhaftigen Gott, der Herr Kammerrath! — Die Ehre!" un up Dowidleben loSfohrte, de den findagfch» nahmiddagschen Stillstand von bat „Produkten-Geschäft" dortau (dazu) benutzt hadd, sik en beten up den Sopha tau rekeln: „Dowid, was sitzt du? WaS liegst du? Was runkst du? Steh auf! laß den Herrn Kammerrath sitzen!" un äs hei nu den Kammerrath up den schön angewarmten Platz von Dowiden dal nödigen wull, dünn hadd de Kammerrath gim den Luggedur in den Smutz liggen laten; äwer — hei brukte en gor tau nothwennig. Hawermann flog sik in't Midbel un set're för den Kammerrath einen Staul an dat apne (offne) Finster un äwernamm de irste Zuleitung tau dat Geschäft, un a- MoseS markte, wovon de Red' sin füll, jog un schücherte hei irst mit Dowidleben rümmer, dat hei'n ut de Struw kreg.