Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 16 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 3)
- Language
- German
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63 einfachsten Geständnisse komplicirren. Beginnen wir zuerst damit, zu konstatiren, daß öd Leichnam deS unglücklichen Vater Thomas niemals aufgef^nden noch bei irgend einer Untersuchung gezeigt wurde; daß ,die Fleischsiücke, welche man einer ganz gewöhnlichen und ob rflächlichen Drüfung unterwarf, Hunde-, Esel-- oder irgend eines andern'ThiereS Fleisch waren, und daß, wenn mar sich die Mühe machen wollte, die Verhandlungen de- PcoceffeS zu prüfen, wie sie aus einer zweiten Untersuchung hervorgegangen sind von einem andern französischen Agentei, Herrn Mesaizes^ der nach der Entfernung deS Herrn vsttimenloo, d«S französischen Consuls in Damaskus während dieses traurigen Processes, dort hingeschickt wurde, m»n nichts finden würbe, nach der Meinung aller sowohl französischer alS ausländischer kompetenten Männer, adei Alle Europäer und bei der Sache undetheiligt, was auch nur im Geringsten die Straffälligkeit der Juden bewiesen hatten, gegen welche man so streng verfahren war. Aber chie ehemals in Europa, so wollte der Fanatismus der Ehesten »n Syrien gern an eine Verleumdung glauben machen, welche sie selbst im Anfang ihrer Episten; von dem Heidenrhum erfahren batten, daS ebenfalls von blindem Haß getrieben. Allevon Seiten derer, die es verachtet, für möglich hielt. Ich habe nicht nöthig zu dewjeifen, mein lieber Sohn, daß wir zu den ungesäuerten Broden kein Blut brauchen und ich will denen, die diese Zeilen lesen, nicht die Beleidigung anthun, die lügnerischen Worte und die schändlichsten Handlungen einer Widerlegung zu würdigen. Seit dem Ursprung des Christenthums haben die Juden in allen Ländern und unter. den verschiedenen Regierungen mehr als achtze!hnhunderr Mal dseseS Fest der Befreiung gefeiert, und Die Zahlder Kindes oder Menschen, welche vermißt hätten werden müssen, mi ßte sehr beträchtlich sein. Aber der Haß überlegt nicht, und um die Wiederauflebung des christlichen Einflusses in dielen Gegenden wieder zu bewerkstelligen, handelte eS sich da um, die Juden herabzuwürdigen in dem man die Stelkm g der Farchi, der Aron, d. h. der begütertsten, einflußreichfi en und der bestgestelltesten Glieder der alten jüdischen Gemelide zu Damaskus kompromittirte. Nachdem man das Haupt abgeschlagen hätte, wollte man nach und nach die Juden vernichten und verjagen, besonders hoffte man, da j daS Jahre 1840 die christliche Herrschaft in Syrien wiel er erstehen sehen würde. Der französische Conful, Herr de i tattimenlon, der wie die meisten politischen Agenten namentlich zu jener Zeit nicht arabisch sprach, verwandte als Dolmetscher christliche syrische Eingeborene; diese hatten nichts HiligereS zu thun als die Anklage zu betreiben und ihm Alles von Seiten eines Juden Glauben zu machen. Er selbst, wie unglücklicher Weise die meisten Katholiken, die rein und einfach in der Ausübung ihres Glaubens erzogen sind, kannte weder, die Bibel noch die Juden; er folgte Hierin dem Antrieb derer welche fein Vertrauen besaßen. Haben wir nicht einen Staatsmann, einen ausgezeichneten Geschichtschreiber (ThierS,) zu jener Zeit auSrufen hören, um sich selbst wie auch dieJuden zu entschuldigen- „Nun wohl! haben wir nicht die Sankt BartholomäuS in Frankreich gehabt? Bin ich, Katholik, darum verantwortlich für ein Verbrechen, das vor! drei Jahrhunderten von französischen Katholiken verübt würde? Ihr, französische Israeliten, seid nicht mehr verantwprtlich für ein Verbrechen daS von einigen fanatischen Juden tausend Meilen von Euch begangen! würde:" Trotz der geistlichen Antwort, die ihm gegeben werde: ,.Jhr habt einen tzSapst, der euch verzeiht, wir haben keinen," glaubte er jed^S Mißverständniß zwischen ihm und den Juden entfernt zu haben, eingenommen wie vr war, von den Verwicklungen des Julivertrage-, welcher Frankreich und Egyptenlvollständiq von der Türkei trennte, die durch England, Rußland, Oesterreich und Preu jen unterstützt wurde. Dije Sache würbe nun ebenso poli isch wie religiös; Egypten,! der Vicekönig, j fein Pascha in Damaskus, konnten weder Frankreich noch I seinem Conful, welche ihm allein die Erhalung ShrienS! hoffen lasten ko mlen, etwas verweigern. Der französische Conful wollte o!»er. konnte nicht nachgeden^-weil dies wie I ein Sieg der allsten Mächte auSgefehen hätte. Unter diesen Umständen erhitzte sich die öffentliche Meinung in Eui ropa. Die Jitbrn aller Länder sahen mit Recht diese i Angelegenheit für eine Ehrensache ihre-Glaubenan; und diejenigen, welch^, wenn man daS Verschwinden deS sardinischen; PriesteralS eisten Mord angesehen Härte, ldie Slraffällig- ' keit einiger jüdischer Mörder bedauert hätten, gerietben m! Feuer und FlaMmen, als sie die Wendung sahen, welche : die Angelegenheit nahm und die Art und Weise, in welz cher die jüdisch« Religion beschmutzt werdey sollte. Indem man die Juden von Damaskus mißhandelte, wollte man die ln Europa entehren und ihre Stellung herabsetzen.; Eine gewisse Ajrzahl Briefe, manchmal anonym oft auch; von sehr unterßxordneien Agenten der orientalischen Consulate unterzeichttet, wurden an reiche GlastbenSgenossen in Europa gerichtei, um Geld von ihnen zu erpressen, indem sie sich in Besitz der schrecklichsten AuSsaziN gegen d<e Juden erklärten, und durch welch« sie überall wegg sagt werden würden. Wir begriffen wohl die schmutzis' Quelle dieser Drohungen, urd, eS muß zur ewigen ( hre des Hausts Rothschild, der einflußreichsten von unfern Familien gesagt werden, daß eSi nicht fürchtete dem PrLsi renten deS Con, feils damals zu ägen: „Nun, mein Herr, ch glaube Nichts davon. Ich w,iß nicht ob die Juden ernittder haben, obgleich mir alles diesehr seltsam erscheint, aber ich habe Vertrauen in Ihrem Gerechtigkeitssinn, veauftragen Sie tinen ehrenwerthen Mann, Herrn Odilo »Barror z. B., dessen Charakte über jedes Lob erhaben ist, mir einet Mission, deren Kosten ich tragen werde; r tr werden dann sehen, was sich Iwirklich ereignet hat." A er die politischen Verhältnisse wollten es zu keinem Be chlusse kommen lassen; man n utzte den Conful auf's 2eußrcste verrheidigen, welcher. feit meinem letz! em Aufenthalte in Damaskus, sich nur der Leichtgläubigkeit die Ueberzeugung habe ict und des Leichtsinns schuldig machte, mit dem er sich vost den eingeborenen Christen che leider! noch jetzt besonders leiten ließ, welfähfg wären, heute eine! ähnliche Sache hervorzurufen, wenn die obere Regierung sich nicht vollständig verändert h^tte. . Die Berichte und Gegenberichte strömten nach Europa, I und die Zeitungen aller Länder, beschäftigtest sich mit dieser . traurigen Angelmenheit, welche einen Ungeheuern Wiederhall fand. Herrn Mec.lato, österreichischem Conful in Damaskus, und Herrn de Laurin, Generülkenfu derselben Macht in Alexandrien, gebührt der Ehre, dse Menschlichkeit . vertheidigt zu h^ben, die in der Person bei Juden in Damaskus ungerecht verhetzt wurde, welche HrößtencheilS seit