Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 16 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 2)
- Language
- German
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62 beide Arme, indem ich aus aller Kraft nrf: „Ich -verfluche dich, ich übergebe dich der Rache meines Gottes, er bar mich nicht verlassen und wird mich nicht verlassen in Zukunft!" -Dieser letzte Satz ist von David. Ein. langes, gellendes Lachen war die Antwort auf. dresen Beginn 'religiöser Beredlsamkeit. Uebrigens wurde dieser Elende sechs Monate darauf wegen Diebstahls und Mordversuchs;u fünf Zähren Galeere oerurtbeilt. Dieser Zorn, dieser Unwille bar mir wohl gelhan. .Ich fühlte das Fieder über mich kommen. DsieNacht bricht an. Zch lebe die Wipfel der Bäume nickt mehr. Ach, ich fürchte mich l Ich suche meine Gebetriemen, die ich immer bei mir hatte, ich lege sie an und mir Thronen im Auge, der Frost am Herzen, das Fieder an den Schlafen, spreche ich den 99. Psalm: „Hilf mir, o Gott, denn schon dringen die Wasser mir an^s Leben!" Schluchzen unterbricht mich, alö ich;um VerS 9 kommet „Fremd ward ich meinen Brüdern, den Söbnen meiner Mutter Fremdling. An die Stelle von inü, meiner Mutter setzte ich ati, meines Baccrs. Zck lag obne Bewußtsein auf dem Grunde des Grabens. Lcma war am Hingange des Dorfes von einer fröhlichen Sckaac empfangen und' mitgezogen worden. Ec bar stets behaupte:, man härte ibm versprochen, seinen Auftrag bei meinem Vater auszuricklen, aber Niemand wußte davon. Nach einer halben Stunde war er gänzlich betrunken, unfähig sich irgend einer Sache zu erinnern. Mein Barer harre sich über meine Abwefenhetr nicht im mindesten beunruhigt. Ec glaubte, daß ich mir ihm schmollte. Er hütete sich wobt, die Szene auf dem Markte meiner Mutter zu erzählen. Sie Härte es ihm nickt vergeben. Um sieben Uhr fragte meine Mutter, da sie mich? nickt sab, den Barer, wo er mich gelassen hätte. „Er wird unter den jungen Leuten stecken," antwortete derselbe. Er muß schon lange zurück, sein." Aber meine Mutter, statt wie gewöhnlich oie herumriehenden Sckmaufer zuerwanen, durchlauft in einigen Minuten alle Häuser beS Dorfes, auch die des. Rabbiners und des Maire, wo ich bisweilen den Abend zubcackte. Alle Welt fragte einander: „Wo ist der Sohn Gidele's? So nannte man mich. Man wollte die Sturmglocke lauten, als Lcma,. seine Trunkenheit adschüttelnt, gestand, mich am Schwarzen Kreuz verlassen und vergessen zu haben, mir ein Pferd zu schicken. ’ Kaum hatte er diesi Worte gesprochen, als ein Hagel von Faustschlägen ihn in einen Winkel der Herberge warf. Otni? die Dazwisckenkunfl dcS Maire würde man ihn^gelödrel baoen. Dieser bor seinen schönen Hengst an. Man brach zu Pferde und in leichten Wagen auf. Zm Dorfe ward Alles dem Zufälle überlassen. In wenigen Minuten war der allgemeine Schreck in an nächtliches Fest vecwanvelr. Um den Fehler Lcma's wieder gut zu i'nachen, rivalisirte die ganze Zugend in Eifer und'ßrgedenbeit. Man sah überall augezündete Fackeln, Pferde im Galopp und Reiter, die wie feurige Schatten »erdeiflogen. Ick wurde ausgenommen und zu Bette gelegt — es war Mitternacht — als diese ganze Jugend, zu Pferde, Fackeln voran, singend, vor die Thür unseres Hauses kam unter dem Vorwände, sich nach meinem- Befinden zu eri kundigen. Meine Gesundheit war in der Thal sehr ge- \ fährdet. Ich phantaficle und habe nicht die mindeste Er-! innerung von meiner Krankheit, obwohl fie einen vollen Monat lang dauerte. Man sagte mir, es sei davon die Rebe gewesen, mir das Bein abzunrhmen, aber der gute Heiser, mein Schutzengel, hätte es nicht gelitten. Er har meine Wunde mit Epheublättern geheilt, indem ec sie erst auf die rechte Seite legre, dann, nachdem das Meiste heraus war, auf dir umgekehrte. Ich erinnere mich noch undeutlich wie er an meinem > Bette stand, mir den Puls fühlend und meine Mutter i tröstend, denn acht Tage lang war ich in Todesgefahr. ' Meine Heilung fiel auf. dgs Paffahfest. Acht Tage nach Passah ging ich mit einem von Herrn Heiser ausgestellten Passe und fünf Fünffrankenstücken, davon eins von meiner Schwester, — meine Ersparnisse hatten dazu gedient, mir eine Art Bündel aus Büchern und Kleidern zu bereiten — nach Deutschland. Dieses Mal ganz allein,! ohne Wissen meines Vaters aber begleitet von den Segens- ' wünschen des ganzen Dorfes.! Als ich sechs Zähre später nach Frankreich zucückkam, mit Schnurrbart und Kinnbart, um mich zur Rekrutirung zu stellen, erkannte mich Niemand, selbst mein guter Heiser nicht. Gudule aber war an den Pocken gestorben. Die Vorgänge zu Damaskus im Jahre 1840.; Ein viertel Jahrhundert ist über diese traurigen Ereignisse hinwegzegangen, und wenn auch die Erinnerung! an sie aus dem Gedächmiß der Zeitgenossen noch nicht verwischt ist, so wirb man doch den folgenden Bericht aus der Feder eines Mannes, der dabei nicht unbetheiligt gebliebar, gern lesen. Herr AlbertCohn zu Paris veröffentlicht gegenwärtig eine Art Seldstdiographie in Briefen von seinen Sohn. Wir geben von ihnen Auszüge in der A. Z. d. I. Der zwölfte dieser enthält selbstständig den Be- ' richt über die gedachte Begebenheit und folge hier in wört-! sicher Uebecsetzung; Zm Laufe des Monats Zanuar fand . ein ziemlich lebhafter, fast heftiger Streit zwischen einem Muselmann in Dapiaskus und dem sogenannten „J1 padre Toromaso“, Vater Thomas statt, einem Mönch der in Sardinien geboren und seit zwei Zabren sich in dieser Stadt niedergelassen hatte, wo er auch die Arzneikunde . betrieb. Zm Mönat Februar fand man diesen Priester; ermordet, wie der Muselmann es ihm vorausgesagt hakte,! indem er ihm schwor, daß kein Monat vergehen würde, ehe das Verbrechen verübt worden. Man muß die Sitten des Orients und besonders Syriens kennen, um zu wissen, welch geringer Werth auf ein; Menschenleben gelegt wirb. Hier beginnt das schreckliche j Complott, das von den feigsten Menschen angestellt wurde; und an dem von Anfang an Menschen mitwirkren, welche oie l Sitten des Landes und die Feindseligkeit, die von Seilen ' der christlichen Bevölkerung gegen die Zuden in ihren alten! Glauben besteht, durchaus nicht kannten. 1 Diese Angelegenheit wurde später noch verschlimmert j tbeils durch die der menschlichen Natur anhängende Eigen-! siebe, welche ihr Unrecht nicht eingesteden will, theilS durch ) die politischen Schwierigkeiten, welche unaufhörlich die aller-