Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 16 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4908862-5999392-6026734--2945-4911207- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
64 Jtbren von Oesterreich beschützt wurden. Man muß es zur Ehr« diese- Landesagen, das besonderfrüher so wenig libecall war, daß eS zu jeder Zeit der Berkheidiger unsrer Glaubensgenossen im Oriente war, sogar immer eine bestimmte Anzahl jüdischer Eonsule in diesen Gegenden hatte. ~ Sieben unglückliche -Juden wurden dis zum 23 April gefoltert. Einer von ihnen, Herr Lumiada erlag; ein andrer ebknfall« starb in Folge erhaltener Prügel; die angesehensten Israeliten der Stabt, die Forti, Aran, Picotto, blieben immer in Gewahrsam, und schreckliche Verleumdungen verbreitete man überall gegen sie, um die Bevölkerung Syrien», Palästinas und selbst Egyptens gegen unsre Glaubensgenossen aufzureizen. Die Schrecken und Schandlharen, die man den unglücklichen Menschen anthat, überschritten alle Grenzen; unter dem 3. März erhielt Herr Laurin vom Vicekönig hat uns folgendeOrdre für seinen Sohn, den Gouverneur von Damaskus :„Oer ö:erreichisch, Generalkonsul, Herr Laurin, vorgestellt, baß einige Individuen ohne Bildung in Damaskus wohnende Juden folterten; daß diese, sich ihrerseits an die Regierung wendend, dort keine Gerechtigkeit fänden. Da dl.se von Ihnengeduldeten Beleidigungen aegen meinen Willen sind, werden Sie in Zukunft derjenigen-Einhalt thun, die sich Derartigeerlauben. Zu diesem Zwecke wurde Diesegeschrieben im Anfang de- Rabi-al-aval (1256) (3 Mai 1640). Slahommel-Aly." Dieser Befehl kam rechtzeitig an. Venn die armen Juden wagten sich nicht in den Straßen von Damaskus zu zeigen, wo der Fanatismus und alle schlechten' Neigungen de- Volkes gegen da- Vermögen der Juden aufgereizt worden. Es ist unglaublich, wie weit sich der Leichtsinn und die Härte der französischen Agenten vergaßen; so erlaubte man sich von Seiten defranzösischen Consulats Nachsuchungen in der Wohnung dearmen Luniado zu machen, und während dieser unter den Folterqualen hinstarb, beleidigte man seine junge Frau, eine Tochter des Salomon Mayer aus Kronstadt, indem man von ihf Liebeslieder und Beweise der Zuneigung forderte! Herr Laurin, österrichiscker Generalkonsul, di« englischen Confuls, intervenirren ebenfalls im Namen der Humanitär, der Vicekönig, unangenehm berührt von allen diesen Nachrichten, wollte sich am liebsten von der, Last diese- Prozesses befreien und ließ eine europäische Cönimission ernennen, , um diesen Prozeß in Alexandrien adzuurtheilen, nachdem er dazu alle Elemente von dev bedeukensten Macht-kundigen, welche man zu diesem Zwecke adg,schickt, harte sammeln lassen. Das ist es was die Juden verlangten, dawollte Herr Laurin erlangen, um die eigennützigen Verleumdungen derjenigen verstummen zu machen, welche nur da- Vermögen der Häuser der jüdischen Gemeinde in Damaskus einzirhen wollten, um den Fanatismus deunwissenden Volkes den wahren Stand der Dinge bei Hellem Tageslicht zu zeigen. Aber dies gefiel ben Führern dieser dunklen Znrrigue keineswegs; nur in die Stadt Damaskus wollten sie die Leitung dieser traurigen Angelegenheit eingrenzen, welche durchaus das Licht vermeid« wollte, indem sie alle diejenigen entfernten, welche mit einem Gefühl der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit dies,« so fein ausgedachte Complott prüfen wollten. So vergingen einige Wochen mit Berathungen, um vom Vicekönig die Autorisation zu einer Unterfuchungskommifsion, welche unglücklicherweise immer von dem Agenten der französsischen Behörde verweigert wurden, welche fürchtete ihre Beamten zu kompromittiren, und sie nicht in einem Augenblicke verlassen wollte, wo eine politische Krage von hoher Wichtigkeit in den Conseilder europäischen Machte behandelt wurde. Es batte sich eine israelitische Comission gebildet unter den Vorsitz de- Baron- James von Rothschild und unter der Leitung d«S Centralkonsisteriums von Frankreich, welches feinen Vice-Pcäsidenten Herrn Cremieux nach England absandle, um sich mit dem Board of D epu ries zu verständigen und Herrn Moses Montrfiore zu bswegen die Sache in die Hand zu nehmen. Herr Munk, damals Beamter an der königlichen Bibliothek, begleitete Herrn und Madame Cremieux auf dieser ernsten Reis«; sir Moses und seine würdige selige Gemahlin nahmen einen englischen Advokaten, Mr.Wire und den Dr. Loewe mit sich. Am 15. Juli verließ dies« kleine Karavane Pari-, begleitet von den Segenswünschen aller guter Peuschen, um in Egypten Gerechtigkeit und Wiederherstellung der heiligsten Rechte der Menschlichkeit zu verlangen. Zu jung um mitzureksen, wo übrigens meine Hülfe überflüssig gewesen, blieb ich in Paris, um alle Berichte zusammenzustellen. (Schluß folgt.); Anekdoten von S. K Als duich das Dorf T . . . . Der Stuhlrichter, welcher kein, besonderer Judenfreund war, fuhr, riß ihm ejn Strick vpm Wagen. Ein Jude eilte herbei und brachte ihm sogleich einen andern Strick. Da fragte ihn der Richter. Was bin ich Euch schuldig? Nicht-sagte Dieser, nichts Äuer Gnaden haben um unwillen schon mehr als einen Strick verdient. Brandwein sagte ein Pole zu einem Deutschen ist sicher kein Gift; denn ich trinke ihn schon feit meiner zartesten Kindheit, und bin schon 7Ü Jahre alt. Ei er» wiederte der Deutsche, hattet Ihr ihn nur nicht getrunken, Ihr wäret jetzt gewiß schon hv alt. (Der Brandwein, sagte jemand ist ein sehr ungehorsamer Knecht, man schickt ihn in den Magen und er gehr in den Kopf.) Allgemeine Zeitung de- IudenthumS. No. 15. 1865 Inhalt: Leitende Artikel: Polemisches. — Rom und die Inden. (Fortsetzung.) Zeitungsnachrichten: Deutschland: Leipzig. Preu ßen: Lachen. Lesterreichischer Saiserstaat: Wien, Lemberg fra; (Steiermark), Hoben nn». orrefpovdenz: Jüdische Briefe von Alben Lohn. VII— IX (Fortsetzung.) S3” Zu beziehen durch jede-Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich y» Thaler. LeraytwortliLer Redakteur: Or. A. Nager. «inlag vc, B»u«sär»aer'» VuLhandluiig i» kciprig. — Druck vo« S Lreysi og i» reip;ig