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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 16 (1865) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
16 (1865)
Date
1865-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur ISelcCir 11 nn iinö Untergattung aus jüdischem HcrauSgegebcn von \ , Rabbiner Or. Ludwig Philippson in Bonn. Gebiete fNo. 16. 1865.] *<en fcitflt „Hmicbrifi erscheint »kcheutlich eine VKunmer. Preis de« Jahrgang« l ß t lr. aiicrtdjäbrtfl 7 Rgr. Alle Buckbantlungen, Postämter und Zeitungsexvebinonen nehmen Bestellungen an. [12. dahrtjv 1. Quartal] Noch ein Kapitel aus meiner Jugend. Von Alexander Weill. (Schluß.) Diese Werke drangen mir in- Herz. „Hatte ich wirklich einen schlechten Barer?" fragte ich mich. Ich batte keine Zeit, mich mit diesen Gedanken weiter zu der fassen. DaS Kalb auf dem Rücken, beschäftigte ich mich nur mit der vermaledeiten Kuh. Nach fünfstündigem Gange kam ich auf dem Markte an, zur Zeit, wo weder Juden noch. Thiere mehr auf dem Markte waren. Ich verkaufte mein Kalh zu CO Fr. 50 Cent. Da sah ich meinen Vater roth' vor Zorn mit erhobenem Stocke auf mich zu kommen. — „Thue keinen Schritt mehr," rief ich ihm zu, heute wirst du midi zum letzten Make rühren. Zwischen uns beiden — mf« aus. Du hast kein Herz!" Diese so unerwarteten Äöorke im Munde eines stets so unterwürfigen SohneS —denn bis zu diesem Tage hätte ich ihm nie zu antworten gewagt, hätte er mich auch bis auf's Blut geschlagen. — Diese Wort., sage ich. ließen ihn vor Schrecken zurücktreten. — „Was, muß ich hören! rief er: „ein den sollol weraoreh?" b. h. eia rebellischer und unnatürlicher Sohn. — „Nein," antwortete ich, die Thränen im Auge, „nicht ich habe meine Pflichten außer Acht gelassen. Ich arbeite wie ein Sklave. Ader du, du behandelst mich als ob ich ein Bastard wäre. Du hast mich heute Morgen meiner Last, ein Kalb auf dem Rücken, erliegen sehen, und ohne mir ein Wort der Ermuthi» gung zu sagen, bist du wie der Wind vorüdergerilten. Glücklicher Weife sind Fremde, weniger härter alS du, mir zu Hülfe gekommen. Ohne sie wäre ich im Walde liegen geblieben. Und jetzt wagst du mich noch mit deinem Stocke zu bedrohen, und das Alles an einem Purimtage! t" „Hm, hm." murmelte er. „Du siebst, eS zieht Hexen. Wahrhaftig dies Dieh ist behext. Geh mit der Kuh nach Hause. Wir wollen morgen über alles dies sprechen." „Morgen," erwiderte ich, „sage ich den Kühen Adieu. Ich gehe zu meinen Büchern zurück, die ich nie hätte verlassen sollen." Er war verschwunden. Ader ich befand mich noch nicht am Ende meiner Prüfungen. Ich begab mich auf den Weg, immer hinkend, mit einem jungen Menschen in meinem Alter, NamenS Lema. Er führte gleichfalls eine nicht verkaufte Kuh zurück. Av „Schwarzen Kreuz" in der Mitte des Walde-, eine/Meile von meinem Dorfe, angelangt thue ich einen Fehltritt und |faU«. Ich will mich erheben, unmöglich! Ich fühle nieinen Fuß nicht mehr. Lema versucht mir den Stiefel jm-zuziehen, der Stiefel wird durch die Gefchwulzt zurückgehalten. Zuletzt gelingt es uns durch vieles Ziehen, Stiefel und Strumpf los zu bekommen. Mein Fuß war dick «ne ein Ofenrohr von der Zebe bis zum Schienbein. Der Dorn steckte noch zum Theil darin. Ich hatte wohl von Zelt zu Zeit schnei»' denden Schmer; gefühlt, aber ich hatte keinen Augenblick Zeit, mich mit mesnem Fuße zu beschäftigen. Ich sagte zu Lema: „Wir, dürfen keine Zeit verlieren; gehe mit den Thieren fort und laß msch^bier. Die meisten unserer Kammeraden sind vor und mcbr hinnr uns. Wir sind die letzten. Bei deiner Ankunft wirst du meinem Barer sagen, daß ich am Schwarzen Kreuze bin, b!iß ich mich nicht aufrecht halten kann, daß er mich zu Pferde holen oder Esther, meine Llveste Schwester, schicken möge." Meine Schwester konnte reiten, wie ein Mann. Lema versprach, meinen Auftrag nicht zu vergessen. —;,Jch will mich spuren," sagte er; „in einer Stunde wird man zu Pferde oder mir einem Wagen hier sein." ES nH»r ungefähr zwei Uhr Nachmittag-. Um vier Uhr war noch Niemand da. ' Ich hörte von Weitem und zählte die Schläge der Holzfäller. ..Hätte mich Lema vergessen?" fragt« ich mich. Ich rollte mich bis zum Abhänge eine- Graben, wo ich einige Scheite tobten Holzes entdeckt harre, denn ich fühlte die Feuchtigkeit 'des Bodens mir durch die Wirbelsäule bizum Gehirn steigen. Ich hart? Frost.! Um fünf Uhr Niemand.. Ich dachte an Gudul«^ „Warum kann ich ihr nicht einen Engel senden, um shr zu sagen, wo ich bin. Wo sie auch wäre,, sie^würde so» gleich herdeieilen. Und wie schön würbe Ke fein mir den flatternden Haaren und die Arme au-gebreitet! 'Arme Tu» bule!- vielleicht sehe ich sie nicht wieder!"' Um fünf und lein halb Udr sehe ich! zwei Holzfäller von Kalthaus mir! einer Tracht Holz kommen. Ich athme wieder auf, ich will mich erheben, unmögllich! Ich schreie, ich heule! Sie wenden nicht einmal den Kopf! „DaS ist «in kleiner Jude aus Schirhof," sagte endlich einer dieser Barbaren. „Möge er krepireu!" „Elenderrvef'ich ihm zu. „Verwünschung über dich! Verderben, Unheil über dich, dein^ ganze Familie. Ach, fliehe nur, du Niederträchtiger, Die^b, Mörder, ich kenne dich wohl'! Ich habe keine Beine, aber ich habe noch einen Armj, und -der ist lang. Er reicht dizum Himmel. Sieh^st du ihn." Bei diesen Worten erhob ich

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