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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 14 (1865) · p. Seite 55

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
14 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 55 (sequence 3)
Language
German
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Ja; aber erst habe di, Kuh. Am folgenden Tage begab ich mich früh auf den Markt, um Alle auS der Umgegend zu fragen, ob sie nicht eine sckwarz« Kuh ohne weißen Flecken wüßten. Ich kenn, eine, rief mir ein Jude au- Megwiller zu, ein Freund meine-Vaters; aber sie befindet sich in meinem Dorfe. Wenn du dir die Mühe machen willst mich zu begleiten, jvirst du bei mir gute- Nachtlager, gute- Essen und gute Aufnahme finden.! Ich nehme ean im Namen meine» Vater-, Eure-! Freunde». Diewirb übrigen-, fuhr der würdige Mann fort, meiner Tochter Gudule Vergnügen machen. Du weißt, daiß sie mein einzige- Kind ist. Sie ist gestern Abend zwölfJahr alt geworden. Sie spricht oft von dir. Sie kann es nicht begreifen, daß ein Knabe wie du, der zu zwölf Jahren Rabbi war, daheilige Studium dej Gesetzes für Pferde und Kühe verlassen hat. Sie fürchtet > Gott, mejne lieb, Gubule; sie verrichtet regelmäßig ihre 1 Gebete, ohne einau-zulassen, und sie kennt, wie die Tochter eisie- Rabbiner-, die ganze Geschichte unserer Weisen. Ich h-tte sehr viel Lust, diesem brqven Manne zu sagen, daß iich durchaus nicht beabsichtigte mein -eben damit zu verbringen, schwarze Kühe zu suchen; aber dtN ensehr vertraut mit meinem Vater war, hatte ich Furcht,- daß er mich verrathen könnte, und antwortete nur einfylbig. Seit meinem dreizehnten Jahre übrigens war ich mit Perle versprochen worden, einem jungen reichen Mädchen in meinem Alter, ebenfalls die Tochter eines Freunbe» von Dai,r. Diese Verlobung wurde al< gufg,»! Hoden betrachtet, seitdem ich meinen Rabbinermantel mir der Biouse'deS Pferdehändlervertauscht hatte. j Ich folgte also diesem Manne in sein Dorf, durch ein Meer von Schmutz und Morast. Gudule empfing mich nicht wie ein tleinL- Mädchen, sondern wie eine Herrin de» Haus,-. j Seit langer Zeit haue Gudule ihre Mutter verloren. Eblieb ihr nur noch ihr Vater und ihre Großmutter, deren Ideal sie war. Nachdem ich die schwarze Kuh besichkigr und gekauft hatte, ging ich wieder zu Gudule, welche unS eigenhändig ein Schabbe-mahl bereitet hatte. Dies,» schwächliche und zarte Mädchen besaß eine durchsichtige, matte Blässe. Diese Blässe wurde noch gehoben durch schwarze Haare welche a fenfaDt geschnitten waren und in Locken über ihre Schultern fielen, dje sie fortwährend durch eine reizende Bewegung mit dem Kopfe zurückwarf. Nach dffm Mittagessen erkundigte sich'Gudule nach meiner Schwester, und dann fragte sie mich nach den Gründen, welche mich bewogen hatten, daheilige Studium zu verlassen. Ich erzählte ihr ausführlich wasich zwischen meinem Vater und mir begeben hatte. Daarme Mädchen hatte meinen Vater für sehr reich gehalten. Es war ein!« Enttäuschung für sie. Dann, sich plötzlich erhebend un^ die Hand ausstreckend, um eine Bibel von einem Rücke! über dem Tische zu nehmen, sagte sie: Alexander, schwör» mir auf da- Luch Gottes, daß du den , Viehhanbel verlassen willst, um zum Studium zurückzukehren. > Vor drei Jahren erzählte mir mein Vater, daß der Rad» j btner drine-'Dorfedir den Rabbinertitel üderttagen hätte,^ da vergoß ich Freudenthränen. Ich brannte vor Begierde j zu deinem Daker zu gehen, um dich zu umarmen. Stelle ' dir meinen Kummer vor, als vor einigen Wochen mein Vater zu mir sagte: Weißt du, Gudule, >er kleine Alexander, von dem ich so oft spreche." —„9 un?" — „Verloren!" er hat den Talar in di« Dornen jeworfeo , er ist Viehhändler!" Man hat mir auch gesagt, daß du die> Synagogenlie, der so gut sängest.' Schämst du dich nicht deines jetzigen. Gewerbe-? — Aber Gudule, daerste Gebot Gölteist, Barer und Mutter zu ehren. ( — Ich bin kein. Rabbi, aber ich 'habe in dem Leon Ure’oo (Legendenkvmmentar der Bibel) gel> sen, daß man, ehe man seinen Ettern gefällt- Gott gefalle» muß. Wenn mein Vater mir befähle, ein Gesetz. Gottes zu verletzen, so würde ich ihw nicht gehorchen. Ich würd »her sterben? Es war Mitternachk, und Gudule. predigte mir noch immer. Ich hatte ihr meine Pläne enroüllt und wt* sprach ihr feierlich, bei der ersten Gelegenheit da» Land zu verlassen.! - Der Murh dieses edlen Mädchenpachte Eindruck auf mich. Ewar mir unmöglich zu schlafen. Wahrend der ganzen Nacht, dachte ich über die^ Mittel nach, aus dem Dorfe zu entfliehen, um mich Mich Deutschland zu begeben, wo, wie man mir sagte, der reli ziöse Unterricht den Radbinat-kan-idaten unentgeltlich ertheitt wurde. Uebrigens hatte mir nicht Gudule Hülfe urd Schutz versprochen IC1}.. AlS man mtd nach dem Frühstück die kleine schwarze Kuh herbeilüdrte. nahm Gubule, welche ßr kannte, den Strick, der ihr um Hals und Stirne gewuiben war. und gab mir bian die große Pfofte da- Geleit Von Neuem versprach ich diesem göttlichen Wesen unter hei igem Schwure, zu dem Gesetz, Gottes zurückzukehren, um Jehovah und da- Volk Israel zu verherrlichen. . (Fortsetzung folgt.) * Ans dem Gerichtssaale. Wien, 2S. Februar. sDie„Presse" berichtet:) „(Ber» lorene Gebetkiemen.) Herr N. ist ein allgemein geachteter Hau-desitzrr und Bürger, ein Freupd der Armen,' und vorzugsweise »er Kirche. Sein Haus soll schon äußerlich die fromme Denkungsart seine- Besitzers verrathen und im Innern klösterlichen Frieden alhmen. Ob Herr N. .Mitglied de- Sevgxinu--Der,in,S ist, Wissen wir mit Bestimmtheit nicht anzugeden, aber mit Gewißheit können wir cvnstatiren, daß der aller ego seine-Hauses, der Hausmeister , ein Judenfresser ist, und so mancher dürfte sich noch an die Lapidar-Auffchrift erinnern, welche einst an dem Thore jene- Hauses prangte: „Heer fifid Wohnungen an fromme Katholiken zu vermiethen". Der alles nivel« lirende Geist der Zeit hat auch jene Kundgebung frommer Denkungsart verwischt, doch verdankt die Jubenfamilie, welche in jene- Haus als Miethpartei aufgerjommen wurde, diegewiß nur ihrem echt christlich-gerflianlis«l>en Namiv. (’) Bon «Jntult und der alten Seele meine» Dorfes, einem andern jungen Mädchen, handelt mein Sfrnmn Braendel.

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