Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 12 (1865) · p. Seite 47

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
12 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4908862-5999392-6026727--2924-4911190
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

47 X »über aus dem Orient. Bon I. I, Rosemneyer, Oberlehrer in S. a. Ujhely IX. Jericho und Umgebung. Wir fetzten unsere Reif« nach dem nicht sehr entfernten Jericho fort, richteten eS aber so ein, daß wir erst gegen Abend dort anlangten, da hier über Mittag die Hitze über alle Maßen groß ist. Die Schakale sollen die besten Wächter sein, denn sie begrüßen um 2 Uhr durch ihr Geheul den Tag. Um ganz sicher zu reisen, ließen wir uns von dem Schach in Jerusalem ein Geleite geben, wofür wir 200 Piaster zu entrichten hatten. Die un» begleiteten Reiter gewährten durch ihr Phantasiereiren, dem Dscheridenspiel, welchedarin besteht, daß mit Flinten, langen Spießen, und Pistolen Scheinangriffe gemacht werden, angenehme Unterhaltung. i An der Stelle deallen Jericho befindet sich ein armseligeschmuzige- Dorf Ericha oder Richa, von kaum mehr al- 200 Einwohnern bewohnt, mitten in einer fruchtbaren aber heute fast wüste liegenden Ebene. Die Häuser oder besser Hütten sind bloS vier Mauern von Steinen, welche alten Ruinen entnommen sind mit flachen Dächern von Mai-stengetn oder Reisern und darüber ge« legten Kie-. Sie stehen ganz unregelmäßig und in großen Zwischenräumen, jedeist von einem Hofe umgeben, mir einer Heck» von trockenen Aesten. Einf ähnliche aber stärkere Hecke umgiedt daganze Dorf, und bildet ein fast undurchdringliche-Gehege. In den wenigen Gärten ring-« herum gedeihen nichtal- Tabak und Gurken. Die Palmenstadt hat jetzt in ihrer ganzen Umgebung keine Palme mehr. Nur ein einziger verbrannter Palmenstrunk, erinnert an jenen Baum mit dessen Blätter man den Weg der Könige bestreute. Gleich dem Palmenbaum sind auch die Balsamstauden, die Maulbeerfeigen, die Granaten und die Orangen audieser Gegend verschwunden. Nur die Wundecbohne, auder da- Ricinu-öl geschlagen wird und di« ohne Pflege zum baumähnlichen Stengel an 30 Fuß hoch anschießt ist die einzige Pflanze, die an die frühere Fruchtbarkeit erinnert. Da-Klima von Jericho ist äußerst heiß und wird bei mehrmonatlichem Aufenthalte von schädlichem Einflüsse für Fremde. An der Nordfeit« de- Dorfeliegt da- Castell, welcheeinen Thurm von 30 Fuß im Quadrate und 40 Fuß Höhe hat; in einem Zustande de- Verfalle-. Eist schwer die Gränzen dealten Jericho zu bestimmen. Trümmer -on Grundmauern, die aber alle augehauenen, oft aukleinen und zerstreuten Steinen bestehen, finden sich zwar genug, insbesondere im Anfänge de- Wadi Kelt, der zwar im Sommer au-trocknct, aber in manchen Jahren dis spät in die heiße Jahreszeit hinein noch Wasser hält; allein nichtdeutet auf die Spuren einer großen Stabt von 20 Stadien im Umfange mit einer großen Rennbahn und Palästen. Zur Zeit der Römer war Jericho ein bedeutender Handelsplatz für die Produkte de- OstjordanlandeS nach Jerusalem und dem Mittelmeer. . Um einige Piaster bot man undie Jterichorose an, die aber an Ort und Stelle nicht emmalj wächst. Die Jerichorose hat an Gestalt die meiste Nehnlü^ett^mü den Blüthen Unseres Hollunders. Im getrokneten Zustande sind die Stiele, woran die kleinen farblosen Blüthensternchen sich befinden, ob,n eingebogen, so daß die ganze Rose erschlossen erscheint; steckt man diese aber ins Wasser, so schließt sie sich nach ein paar Stunden auf. Hiermit treibt auch der griechische Aberglaube sein Spiel. So wird, wenn sich in einem Hause eine gesegnete Frau befindet, eine Jerichorose daselbst in ein Waffergefäß gesteckt, so daß sie aufgeschlossen bleibt und erst wenn di« Geburt, natürlich in Folge dieser im Hasser aufgeschlossenen Jerichorose glücklich vorüb-rgkgangen ist, nimmt man selbe heraus und läßt sie im trockenen Zustande wieder sich schließen. In der Nähe von Jericho muH auch die alte Stadt Gilgal gestanden haben, bei welches Josua zwölf Steine aufrichtete, Samuel die Stiftshütte auffchlug und zuletzt heidnischer Gottesdienst war. Am andern Tage reisten wir westlich und kamen zum Dorf Beerun oder Bethel, das früher Benjamin zugewiesen, aber von Ephraim erobert ward. In ältester Zeit hieß der Ort Lus und war ein gefeierter, schon vom Patriarchen geweihter Ort. , '^Fortsetzung folgt.) Besuch bei der Familie Mürtara. Der Raub des jungen Michael Coen Hat auch den ähnlichen Vorgang mit dem Knaben Mortara wieder in das Gedächtniß zurückgerufen. Um so interessanter ist die Schilderung der Besuche, welche der Pastor der Schweizerischen Kirche «n London, Herr Petavel,^sowohl bei der Familie Mortara in Turin als bei dem gelausten Knaben selbst gemacht hat. Heben wir Folgendes aus seinen Briefen, hervor, die im Original das „Bouquet helvetic" veröffentlicht. „Turin, Oktober 1684. „Als Frau Mortara gehört hatte, daß wir nach Rom gingen, daß wir für den Fall ihres Sohnes Edgar uns ganz besonders interessirten und gern erbötig wären, ihm, womöglich, die Grüße seiner Familie zu überbringen, zeigte sie uns eben so durch die Thränen, welche ihr Auge füllten, wie durch ihre Worte, wie bitter die Wunde idre? Herzens sie noch schmerzt. 'Ihre zahlreichen Kinder umgaben uns., Eines von ihnen holte auf Befehl seiner Mutter den Herrn Mortara, "der gerade im Geschäfte thätig war. Er ist ein Mann von offenem, ehrenhaftem Aeußerrn." Herr Petavel suchte hierauf der unglücklichen Familie zu beweisen, daß der Raub chres Sohnes den Grundlehren des Neuen Testaments vollständig widerspreche. Er tröstete sie auch durch den Hinweis auf j die Allmacht Gottes, welche Joseph und Moses unter den Fremdt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.