Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 12 (1865) · p. Seite 48

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
12 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4908862-5999392-6026727--2925-4911191
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

48 lingen erhöht und zu frommen edlen Männern erzogen > hgbe. - Einen Monat später berichtet dann sein Begleiter: l „Rom, 15. November 1864.! In Rom angelangt, suchten wir das Ghetto auf. \ Ich fand es weniger zurückstoßend, als ich erwartet hatte. Der Secretär der Synagoge, Herr Septrmo Scarrochio, zeigte uns die fünf Synagogen, welche alle in demselben Gebäude sich befinden. Die Synagogen, sind hübsch; eine ist selbst reich und prächtig. Es war Freitag . Abend; sie feierten ihren Gottesdienst. . . „Würde es uns möglich sein, den Knaben Mortara zu sehen? Ein römisch-katholischer Freund, tolerant und erleuchtet, durch Klugheit und Herzensgüte gleich ausgezeichnet, der auch mit Msgr. Talbot, einem Kammerherrn des Papstes, und mit vielen einflußreichen Leuten Rom's genau bekannt ist, intereffirte sich für uns und bot uns seine Beihülfe und Unterstützung für alle' Falle, wo es nölhig wäre. an. „Der junge Mortara befindet sich in dem ältesten Kloster unter allen Orden, Ldm des h. Johann vom Lateran. Unser Freund begleitete uns dorthin und blieb in denlHofe des Klosters zurück, währenv tpfr in den Sprechfaul geführt wurden, wo wir für einige Augenblicke mit unfern Gedanken allein zurückblieben. . . . Endlich trat der Superior in den Saal. Sein Gesichtsausdruck ist. edel, heiter und einsichtsvoll. Nach einigen' Worten der Unterhaltung in Lateinischer Sprache (her Superior spricht diese Spracht mir so vieler Anmulh und Leichtigkeit wie . em Zeitgenosse des Cicero^ schilderte Herr Petavel in der-! selben Sprache den Zweck unseres Besuches. Ter Name : Mortara schien mir einige Wirkung auf die Haltung unsres Wirthes hervorzubringen. Sein Blick schien uns ' zu befragen; aber die Unterhaltung ging fort. „Ich kenne Alles," sagte er, ,.waS über uns in Betreff Edgar Mor- ’ tara'S gesagt worden ist. Alles dies ist uns schmerzlich gewesen. Aber dieses Kind, wurde unserer Sorge durch ' hoher« Befehle übergeben; unser Antheil ist also passiv ge- \ welen." „Außerdem," fuhr er fort, „zeigt das Kind eine wahre und entschiedene Liebe für die Grundsätze, welche man ihn gelehrt har. Er ist! fleißig in seinen Studien, die Fortschritte, die er macht, sind bemerkenSwerth. sein Geist ist scharf, seine Einsicht!isi lehr entwickelt. Ejus in-; gc-muin <*sl acutiNsimum, indole pia et oflicii amaris." Er - verließ däs Zimmer und brack le uns sogleich das Kind. Wir fanden vor uns ein gutet, fröhliches Gesicht. Edgar Morlara-versteht Lateinisch. -Zerr Petavel sagte ihm, daß .r ''ein, Eltern in Turin gesehen habe, daß sie von guter Gesundheit wären, und daß si^ ihren theuern Sohn herzlich grüßten? daß er Edgar) Joseph zu feinem Beispiel nehmen und zu Gott aufsehen^ sollte, dem Joseph diente, und auf Seinen Wegen wanbstln. „Das Kind har nicht dasiAussehen, als ob'es unter- I drückt wäre, oder als ob es feiner Umgebung mißtraute;! nichts war natürlicher, als feine Haltung und fein GesichtSausdcuck. „Wir wollen deine Eltern von dir grüßen, sagte Herr Petavel zu ihm, und wir wollen ihnen sagen, daß ihr Sohn Edgar sich fekr wohl zu befinden schiene." Edgar antwortete durch eine freundliche Miene der Genugthuung und Zufriedenheit auf feinem Gesichte; dann ging er fort, nachdem er uns die Hand geschüttelt hatte. Augenscheinlich hat man sein Her; zu gewinnen verstanden'). Während der Unterhaltung, welche nun folgte, bemerkte uns der .Superior, daß der Papst eine besondere Zuneigung für diesen Jüngling besäße, daß er (der Superior) selbst beim Beginne des Winters gesehen habe, wie der heilige Vater zu Edgar Mortara ging und ihn freundlich unter seinen Mantel nahm, als od ec ihn vor der Kälte schützen wollte. „Ipse vidi hieme appropinquanle Pontificem Maximum extendentem circa; puerum pailium suum quasi arcens frigus ah illo.“ ' UebrigenS sagte ein angesehener römisch-katholischer Freund, ein warmer Anhänger Pius' IX., dem Herrn Petavel: „Ich sage Ihnen offen meine Meinung, mögen Sie einen Gebrauch davon machen, welchen sie wollen: ich bin fest überzeugt, daß kein Dorn tiefer in das Fleisch des Papstrkums eingedrungen ist, al» derjenige der Fälle Mortara und Eoen. Gott befreie uns von dem lästigen und gefährlichen Eifer der Fanatikers müßte der Papst ausrufen." „Diejenigen, welche die Kinder und Monard tauften, haben dem Papstthum einen üblen Dienst geleistet." (Schluß folgt.) * Jedermann weiß, wie schnell bei einem fünfjährigen Knaben die Eindrücke der Bergangenheil sich verwischen, und daß die Ullramontanen ebenso freundlich und gefällig gegen diejenigen kein können, welche sie gewinnen wollen, wie grausam und unerbitterlich gegen Alle, welche sie zu vernichleu beabsichtiget.. Red. d. Jüd. Bolksbl. Allgemeine Zeitung de« JndenthumS. No. 11. 1865. Inhalt: Leitende Artikel: Orient nnd Ocidenl. — Das Borworl Napoleon's HI. — Zerstreute Bemerkungen. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Homburg von der Höbe, Bühl. Oesterreichischer Kaisersiaat: Wien, Wien, Prag, Prag. Frankreich: Paris. Italien: AuS Oberitalien, Bonn. Mexiko: Mexico. Palästina: Bonn. Amerika: Rew-Aork. Asien: Smyrna. SS“ Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thajer, vierteljährlich & Thaler. v.’.: Verantwortlicher Redactenr: Dr. A. 9t|oger. t*jUBiA;ivtnc; « SnSdanrinnz in -cirzig. — Druck »tu <*. rfreofina in S?cij>su

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.