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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 11 (1865) · p. Seite 43

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
11 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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— ^43 — verboten war, feine Mutter zu sehnji, stand wie angewurzelt, als er stieren Blicks daS Treiben seiner Mutter sah, seine Glieder bebten nur, seine Lippen zuckten und Thräne auf Thräne entrollte seinem Auge. Dann stürzte er auf seine Mutter zu, ergriff ihre welke^ schmutzige Hand und rief mit einem herzzerreißenden Toste: „Mutter, Mutter kennst Du mich nicht: ich bin ja Pein Sohn Gustav?!" Dieser Ton, dieser Schrei, diese Worte mußten die irre Seele des unglücklichen Weibes getroffen und zu ihrem Bewußtsein zurückgerufen haben. £)ie wandte sich zu dem Knaben und starrte ihn an, ihre Ai me sanken nieder, daß die Puppe aus Lumpen zu Boden fiel, und nach einigen Augenblicken sprach sie flüsternd: „Jc, Du bist mein Gustav, wie groß und schön, wie kommst Du hierher?" Sie wandte sich dabei nach rechts und linkun, und bei dem Anblick des Schauplatzes und ihrer Unglüci sgefahrten verschwand da- Licht ihres Geistes sofort wiede> . Sie stieß den Knaben heftig von sich, und rief:^„Ur geheuer, Du trittst ja auf mein Kind!" Schnell bückte ie sich zur Erde, und nahm die Puppe wieder auf. . . Vetter weiß ich nichtmehr, denn in demselben Augenblü ie sah ich den Knaben wanken und niedersinken, ich stürzt herbei, um ihn mit meinen Armen aufzufangen, wir tri gen den Ohnmächtigen aus dem Hofe, der erzürnte Schliefer jagte uns aus dem Thore, und hinter uns hörten wir gar gewaltigen Lärm. Auf der Straße kstm der Ohnmacht! je bald wieder zu sich, und wir führten den bebenden, weiuenden, trostlosen Knaben nach dem Hause, wo er in Pension war. Seine Mutter war. im Kindbett eines jünzern Bruders irrsinnig gworden, und halte da- Armenhaut nicht, wieder verlassen können, wo sie auch einige Jahre f>£ter verstarb. Welch ein Bewußtsein für den unglücklichen Knaben, feine Mutter in solchem Zustande gesehen zu hab>n! ' Am nächsten Sabbalh deutele mir der Taubstumme an, daß er selbst viele Unanehmlich! eiten von unsrem Besuche gehabt habe. Der Sultan vcn Konstantinopel hätte einen Wulhanfall bekommen, weil ei glaubte, der Kronprinz sei nur so eiligst hinweg gegangen, weiter so unpassend ausgenommen worden. Die Mutter me nes Begleiters sei den ganzen Tag höchst unruhig und widerwillig gewesen, habe keine Nahrung ju' sich genommen linb gezwungen werden müssen, sich nieder zu legen. Sol!che Unruhe aber theile sich dann immer allen Irren mit, und es war ein Tag voll Sturmes unter ihnen gewesen, ^aß die Gefangenwärter viele Mühe gehabt, sie in der Zul^t.zu erhalten. Man kann sich denken, daß auch der Schließer nicht gut weggekommen; der Zutritt zu dem Hofe! war seitdem streng verboten, aber auch ohne dies hätte ich wohl schwerlich Lust empfunden, ihn noch einmal zu betreten. Wenige Monate darauf schied ^ch aus meiner Vaterstadt. Bei einem spätem Besuche erkundigte ich mich nach meinem taubstummen Freunde. Erl war nicht mehr unter den Lebenden. Aber schon längere Aett vor seinem Tode blieb die Stelle in der Synagoge, aff welcher er zu stehen pflegte, leer, und Niemand brauchte mehr ihn gegen die böswilligen Knaben zu vertheidigen Sei es die völlige Beschränkung auf fein eigenes gei kiges Ich, sei es der beständige Aufenthalt unter Geisteskranken, er wurde selbst irre, wenn auch ruhig und geräuschlos. Er glaubte sich wieder in seine Gesellenjahre zurück versetzt, schlug sich auf dem Hofe eine Art Werkstätte acjf, und trieb allerlei Lappen und Papftrschnjtzel zusammen, aus beu und Stiefel zu verfertigen suchte. Dann e^ eines Morgentydt auf seinem Lager. (Fortsetzung en er Schuhe d man ihn folgt.) Noch einmal die Zahl Dreizehn. Das jüdische! Volksblatt No. 5 enthält einen lehrreichen Artikel über die Zahl IS, womit der hochwürdige Verfasser diese auS Aberglauben gefürchtete Zahl sehr geschickt zur Ehre, ju bringen sucht, indem er c^uf die wichtigen religiösen Momente hinweist, welche mit dieser Zahl in Beziehung ste!,en; und auch der geistreiche, Herr Redakteur d. Bl. verwehrt diese Hinweisungen mit einem Beispiele, welche sich übrigens noch sehr vermehren lassen. — So z. B. begimen die Brandopfer für ba^ Surcothfest mit der Zahl 13 (4. B. M. 29, 13); toiijb ferner die { in der Bibel am eordnete Geißelstrafe von 40 (-. B. M. 25, 3) auf 39 reducirt, und in 3 mal l|3 eingetheilt (Mischoa Maccolli III, 10 u. 13); und so n|irb. die Zahl ^der Schaufäden mit ihren Verknüpfungen auf 13 und auch die letzte Umlvickung derselben auf 13 bestimmt. Wenn nun c der Herr äs la Torre mittelst der Hinweisungen auf die schönen zum Theil erhabenen Beziebunge und Anwendungen der Zahl 13 die abergläubische Furcht vor derselben beschwichtigen zu können glaubt, so darf man nicht vergessen, drß Aberglauben sehr nahe ah Dummheit grenzt und — < egen die Dummheit kämpfes die Götter selbst vergeben-. Namentliche wenn der Aberglaube in einer Nachäffung seinen Ursprung bat, da werden ihn seine Anhänger selbst und gerade durch die schönsten Beziehungen der Zahl 13 zu begründen suchen, wie ja ^s einer und derselben Blume. Ao.nig und Gift gesogen wirb^ je nachdem die Natur des Taugenden beschaffen ist. Wie? sagen die schwächlichen Leu e, wie? dje Zahl 13 hat so höhe Beziehungen zur Religion, ihren Lehren ünb Geboten! nun, da haben wir unsere Furcht vor dieser Zahl tief begründet; denn eben weil sie furchtbar ist, chieftt man alles auf, sie durch Ge »ete und Zeremonien unschädlich zu machen, allein man weiß d >ch nicht, ob dieses hilft und darum fürchten wir uns vor biefrr Zahl. So sprechen Leute,; welche nicht selten allen wahen religiösen Glauben von!sich weisen, aber an fremban gem Aberglauben fest geklamchert hängen. Für diese giett es nun schwerlich ein Heilmittel, desto wichtiger dürfte «s sein, über den etwaigen (Jkunb nachzuforschen, auS n elchem nun wirklich die Zahl! 13 zu solcher Würde, mm. möchte sagen, zu solcher Verehrung im Israel. Cultus c klangt ist; und da denke t|t) an jenes erhabene Wort, velcheS das höchste ausdrückt^ wozu der Israeli» sich beken U; an das Wort, welches alle seine Gefühle heiligt, alle seine K> äste in Anspruch nimmt und von dem er nicht läßt von der Wie e bis ^um Grabe, für dessen Äekennrniß er lebt und stirbt u rd mir Freude alle-, selbst feiji Leb.n hingibt; ich denke a^i das alle Fasern durchzitternde, alle Pulsschläge durchbebende Wort iNtt Einzig einil ist Gott! in» aber hat den Buchstaben zahlenwerth voä 13; Und nun ist es erklärlich, warum die h. Sch. (2. |P. M. 34, 6 u. 7) uns 13 heilige Eigenschaften Götter offenbart,

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