Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 9 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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35 schaftlichen Gefahrenwar er abhold. Schon fein Erscheinen drachtt die Mäßigung hervor. Einstmaitrat «in unverhofft«!- Glück in diese Familie ein. Für ein« mühevolle erarbeitete und ersorgte Befriedigung der Bedürfniffe stellte sich unerwartet Reichthum und Ueberfluß ein. Der jugendliche Thett der Familie und, offen gesagt, auch die H-ußfrau geriethen in einen außerordentlichen Tumult. Mein Freund war nämlich immer der Ansicht gefolgt, daß eeine falsche Liebe sei, die Jugend in ihrer sogenannten Sorglosigkeit erwachsen zu lassen. Er gönnt« ihr sehr wohl die Harmlosigkeit, aber er fürchtete die Ansprüche an da- Leben, die barauhervorgehen und die Lässigkeit de» Streben-, die daraus erfolgt. Die Jugend muß wissen, daß ihr ein schwerer Kampf dnrorsteht; sie muß darauf gejrüstet sein und sich vorbereiten; sie muß sich ein Ziel vorsticken und nach dessen Erreichung ringen. Daher wußten seine Söhne ugG seine Töchter, daß er ihnen kein Vermögen, zu bieten habe und daß si, der Kraft u.nd der Entbehrung bedürfen würden, um sich eine Leden-dahn zu eröffnen. Hiernach hatte er stsitt'Erprhüngsowohl der Söhne alder Töchter eingerichtet. Man tann^jch daher denken. wie aufgeregt die guten Leule^ucch^dielen plötz« lichrn Wechsel aller ihrer Aussichten «rucken? Egab rin« stürmische Srene von Umarmungen, Aufschreien« und Jubittren«. Ein Jeder brach mit seinen geheimen Liebling-» plänen und Neigungen hervor; «in Jeder drängt« sich, sie au-zusprechen und die nächsten Schritte zu ihrer Verwirklichung zu verlangen. Aber mein Freund trat schnell dazwischen. Er sprach: „Danken wir dem gnädigen Lenker der Geschicke, b|rm Vater droben für daunerwartete Gut, daseine Hand unbarbietet und dawir kaum verdient haben. Aber — und hier klang seine Stimm« wie die einestrengen Warner- —nur ruhig meine Kinderl Auch da- Glück ist eine Prüfung de- Menschen gleich dem Mißgeschick. Ekommt Nichtdarauf an, etwas zu ha, den, sondern Alle-, es benutzen zu wissen. Bleibt ihr bei eurer Leidenschaft, so werden wir da- Gewonnene schnell wieder verlieren und noch mehr dazu. Wenn ihr ruhig überleget, waihr Allein dieser einen Viertelstunde schon aleure Absichten und Entwürfe ausgesprochen, so würde kaum da- Vierfache unsre- Gewinnehinreichen. Da- Leben und die Zukunft müssen ernster genommen werden, aber seid versichert, daß gerade au-solchem ersten Momente sich da- Wesentlichste entwickelt, und Gedanken und Wünsche, die da entstanden sind, albleibende Triebfedern her» auswachsen. Freuen wir uns der bargebotenen Mittel, bedenken wir aber, daß sie unauch wieder genommen werden können und^daß wir auch ohne sie unfern Weg machen müßten. Durch diese Anrede trat denn auch eine Beschwichtigung der Gemülher ein, in stiller Freude genoß man degewordenen Glückes und entwarf mit Besonnenheit die Plane für die Zukunft. So hielt es mein verklärter Freund in allen Lagen de- Leden«. Auch wo die drängensten Sorgen, die schwersten Kümmernisse sich um feine edle Seele drängten, fand er eine ruhige Zuversicht. Am abgesagtesten war ec aber den Sorgen für eine ferne Zukunft, die, wie er meinte, doch nur da- Erzmgniß einer trübsinnigen Einbildungskraft seien. Für den heutigen und morgenden Tag müssen wir denken und arbeiten. Da- Weitere ist nur Sache der I Vorsehung, und wird erst zum Werke de- Menschen, wenn eihm näher gerückt, ist. , Mögen meine Leser da- Wort meinealten Freunbe-! auch in ihr Herz schließen und die Welt ihren Gedanken I und Gefühle davon burchdringen und beherrschen lassen. Ans dkm Gerichtssaale. Wien, 14. Februar. sPr.j (Ein Schweine, j fleischesser.) Ephraim Laib Rosenzweig ist ein from» mer und gottesfürchtiger Mann, welcher strenge nach den Satzungen de- Talmudlebt. Er ist, nach den Aussagen der Zeugen, eia Mann der nicht nur die gesetzlich vorgn schriebenen Fasttag« strenge beobachtet, sondern, um Gott wohlgefällig zu sein, auch an jeden Montag uyd Donnerstage der Woche feinen, alten Leib kasteit. Dieser ausgezeichneten Frömmigkeit hatte e« Ephraim zu danken, daß er seit einem Halden Menschenalter am jüdischen Neujahr-, tage daheim in seiner polnischen Gemeinde in der Synagoge den Schofer (die Pbsaune) blasen durfte, eine Aus» .zeichnung, deren immer nur sehr fromme Leute würdig befunden werden. Ephraim ist auf diese- Ehrenamt auch sehr stolz, und sein Ruf. ist nicht nur in den polnischen Landen verbreitet, sondern auch am Wiener Salzgrirsteht er bei seinen detalarten Brüdern in hohen Ehren. Aber selbst dieser ehcenreiche Mann sollt« der Verleumdung nicht entgehen. Hören wir, wlk Ephraim dem Richter seine Leidensgeschichte schildert: „Ew. Gnaden gestrenger Herr unterlhänigster Richter, waist an Gotte- Statt über ungesetzt, um zu entscheid«», waist koscher (zu essen erlaubt) und waist trefe (zu esse« nicht erlaubt), Gott der Gerechte weiß, daß ich bin ein Mann, der hat in seinem Leben nichtgegessen, wakommt vom Christen. So bin ich gekommen nach Wien, weil ich habe wollen reden mit dem Minister Exrellenz wegen der Propination. Ephraim! hat Se. Exrellenz gesagt, ewird schon AlleS gut werden, und wenn Deine Sache ist eine gerechte, wird Dir recht geschehen, und dabei hat die Exrellenz mit mir gesprochen, wie wenn ich wäre ein Fürst, per wo doch spricht der Bezirk-vorsteher zu Hause mit mir per „Er", und ist er doch ka Exrellenz! ^Doll Freud über diesen Bescheid, bin ich gegangen zu Mosche Lob Maikäfer, meinem Landsmann, und Hab ihm erzählt, was mir har gesagt die Exrellenz. Mosche Lob Maikäfer sitzt beim Essen! mit Weib und Kind, und hört mir zu. Ich glaub Got- ' tes Wunder, »dl er hört und was er für Freud hat.! Auf einmal wirft er die Gabel weg und schreit: Red Eph- ' raim, macht mich nscht „meschugge" (toll!) mit «arer Ex- ' cellenz. Und sein Weib Esther fallt ihm mS Wort und j ruft, ärgere Dich nicht, Mofcheleben, es ist Allenik I wahr, was der Mensch redt, eine Exrellenz redet mit so e ' Menschen nit." Hierüber war Ephraim, wie .ms seiner weiteren Erzählung hervorgeht, nicht wenig erstaunt; da-Räthsil löste sich jedoch bald, aler erfuhr, daß der junge Maikäfer sein Conrurrent war, daß er sich um einen Branntweinschank bewarb. Ephraim, krnzm daß er-die- Geheimniß