Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 9 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
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36 «rrut)c, rief, von seinen Gefühlen üdermannt: „Ich weiß woher der Wind, wehr, aber es soll Euch nichrs nutzen, so wahr ich Ephraim heiß, und wenn ich müßt gehen dis. zum Kaiser!" Hierüber gerietk die Maikäfer-Familie außer sich. Ephraim, bedroht, trat den Rückzug an. und alS er auf der Straße sich befand, schleuderte man demselben.die bittersten Schelkworte nach. Alles hatte Ephraim ruhig über! sich ergeben lassen, doch ein Wort verletzte ihn zu Tode ,! und daeine Wort heißt: — „Schweinefleischesser", ^iese Beschimpfung wurde von mehreren Personen gehört, welche insgesammt bereit sind, dieselbe eidlich zu erhärten. Ephraim begründet seine Anklage in folgender Weise: Hätte mich der Mosche Lob genannt einen Dieb, hätte ich . mich getröstet; hätte er mich genannt einen Räuber, halte ich gesagt: Gott verzeih ibm«! aber'ein „Chaseresser" ich. Ephraim, ein Cbaseressec, 'das geht vor Gott, daS muß ^gestraft werden, das kann ich auf mir Nicht sitzen lassen, denn wenn ich es thäte, dürft' ich den Schofer nicht mehr blaken, und meine eigenen Kinder müßten sich sktämen ihres Vaters. Oer Berrheidigec des Herrn Mosche Löd interpellirt Ephraim in folgender. Weise: Halten sie den Menschen. welche Schweinefleisch essen, für unsittlich l Ephraim: Unsittliche! ich halte sie für trefe. Bertdeidiger: WaS vecstehen Sie unter trefe? Ephraim: Wenn Sie das nit wissen, red' ich mit Ihnen nicht. Trefe heißt, was nicht koscher äst; nicht koscher ist, was Gott verboten bat. hat so wenig Schweinefleisch gegessen in seinem Leben, wie ich, und ich erkläre ihn für würdig, den Schofer zu blasen. Versöhnt verließen hierauf die beiden den Gerichtssaal; die Ehre Ephraims war gerettet. Curiosum. (Eine VergnügSlvur ins gelobte Land.» Der Unternehmer vieler Tour ist Herr L. Stangen in BreSlau. Die" Gesellschaft trifft sich in Wien, am andern Tag führt das Dampfroß dieselbe über die noch schneeigen Gesilde des Semmering, durch das liebliche Steiermark- bis an die Adria; umspülr. von den smaragdgrünen Wellen derselben erblickt man Triest. — Der Lloyddampfer „Tredisonda", der schon die erste Fahrt mitge- ) macht har. nimmt in seinen fast luxuriös ausgestalleten . Räumen die Gesellschaft auf und führt sie an der dalmatinischen Küste entlang, an Korfu vorüber und durch das mittelländische Meer an die Küste von Afrika; in fünf Tagen ist die Fahrt beendigt und die sonnigen Strahlen des ägyptischen Himmels begrüßen die gelandeten Europäer. — Alcxandrien, Kairo, Suez, Roda, die Pyramiden werden besucht, Kameele und Esel beugen ihren Rücken . zum Dienste der Fremden, und Araber und Beduinen suchen sich ihnen nützlich zu machen. — Weiler geht die ' Reise ins gelobte Land, Jerusalem, Bethlehem, der Jordan , und all' die geheiligten Plätze der Religions-Geschichte wer- Richrer: Har Sie der Ausdruck Schweinefleischesser , wirtlich so schwer beleidigt, ist ihrer Ehre dadurch rbat- , sächlich Eintrag geschehen i Der wshrhaft fromme Mann dient seinem Gotte aus innerer Ueberzeugung. und kümmert sich nicht darum, wie andere Menschen von seiner Religio- ' fitdt denken. Ich glaube. Sie waren gut daran, die Beleidigung'des Maikäfer nicht so ernst zu nehmen, denn wgs ballen Sie davon, wenn er gestraft würde i Begnügen. Sie sich mit einer Abbitte. Ephraim: Der fromme Jude darf niemand anderen außer Gott. Was harr' ich davon,' wenn mich Mosche Löd und sein Weib anderen i Richter: Sie haben mich nicht verstanden, ich meinte, Maikäfer wird widerrufen. Ephraim: Widerrufend er soll widerrufen, dann bin ich zufrieden. Aber er soll eS mit folgenden Worten, thun: So wahr ein Gott im Himmel ist, Ephraim Laib Diesen- * zweig ist ein gerechter Mann, der nie Schweinefleisch gegessen hat! I den besucht. — Rach sechs Tagen tragt der Lloyddampfer die Reisenden von Jaffa aus wieder weiter nach der Insel Eypern, und von da nach drr Insel RhoduS und Smyrna; weiter gehls nach kurzer Rast nach Konstanlinopel. — Nach wiederum 6—8 Tagen führt ein Eilfchiff die Reisenden an der griechischen Küste entlang zurück nach Triest. — Die ganze Tour ist bequem in sechs bis acht Wochen zu machen, und der Unternehmer, schon hinlänglich als Arrangeur von dergleichen Gesellschaftsreisen bekannt, bürgt für die solideste Ausführung. D r u ck fe h l e r.' In No. 7. '3. 28. Lp. 2. Z. 15 v. v-statt „Beamten" lie- Bekannte"; Zi. 1. v. u. statt „für die Gesetze", lies „wie die Gesetze". — I» No. 8. L. 29 Lp. 2. Z. 19. v. u. lies „Bezeichnung" statt „Beziehung": Z. 6. v. u. muß e« beißen: „des Iudeuthums zu bewirken gedachten, nur den 'Namen Jude". — Tie Redaktion. Richter: Oec Angeklagte kann lediglich verhallen werden, die Ihnen angewane Beleidigung zu widerrufe^, nicht aber für Ihr ganzes vergangenes Leben einzustehen^ Ephraim: Eure Gnaden, zweifeln sie auch aa'meiner Unschuld k ich wäre würdig, verbrannt zu werden! hätte ich je Schweinefleisch gegessen. j R i ch re r(zum Angeklagten): Wollen Sie Abditteleisten i Mosche Lö d: Mil Vergnügen, es gibt keinen gerechttrn Mann in Israel wie Ephraim Laib Rosenzweig; er Ällg..emeine Zeitung des Iudenthums. No. 8. 18-x>. Inhalt: Leitende Artikel: Die Emanciparion derIu- > den in Rußland. - Zerstreute Bemerkungen- - Literarischer ' Wochenbericht. — '; Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hannover. Preu- , ßen: Berlin, Berlin. Oe sterreichis ch er Laiferstaai: Gr,. Beeskerek, Proßniy, Tokai. Frankreich: Paris. Paris. Belgien- Brüsiel. Amerika: Baltimore. Ostindien Bombay. Lorrespondenz: Briefe auS Rußland. (Lchluß von I.) — KP Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. 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