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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 8 (1865) · p. Seite 31

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
8 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 31 (sequence 3)
Language
German
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31 in Amsterdam irgendwo, fritlichtere, wo sie „Die Juden Reichthum, st es seit ältester Zeit besser ergangen, als >en Tagen der gepriesenen spanischen Herr- Minister und Granden deS Reiches warm. Sagt doch schon mein curiöser AntiquarmS von avoo 17l2r find in Amsterdam in großem Ansehen und wie denn einer daselbst ein Haus bauen lassen, an welä em Gold, Silber und Marmor an allen Ecken hervorblicht,, und ist kn diesem Judenpalast ein S a a l, u ca tonen gepflastert ist." — Von don diesem Jubenpalast habe ich freilich nichtmehr ge, sehen; dagegen zeigte mir zum Abschied mein Führer (welcher Schuwichse und Bürste fortwährend unter dem Arm« trug) eine ganze Reihe großer, fünf Stock hoher Gebäude, welche „ganz voll von Brillanten" seien, wie er sich aus» drückte, und alle den Juden gehörten. Es waren dieaber die berühmten Diamantmühlen von Amsterdam, die sich allerdings noch immer in den Händen der kunstvir» ständigen Juden befinden." Unterhaltungspillen. 1. Der Dubner Maggid und die Chassidim. Der Dubner Maggid war bei seiner großen Verstandesschärfe ein Antagonist des absurden Chassidismus, der schon damals, in Wtsthinier Wurzel gefaßt, und er machte kei» nen Hehl von seiner Opposition, ergriff vielmehr jede Gelegenheit um die Geißel seiner schneidenden Satyre über die Extravaganzen der fantastischen Schwärmer -zu.schwingen. Diese aber ließen ihn dafür ihre unverschämte Frechheit, überall fühlen, und er felmoon ihnen bitter« Verfolgungen auszustehen. ES ereignete sich einmal, daß er durch eins der vielen Nester, von denen Walhinien wimmelt, und die der Hauptsitz deS^ Aaddikismus sind, reiste, und er sollte nach altem Brauche am Sabbath eine Aastpredigk halten. Nach Mittag eilte Alles in das Beth- Hamidrasch, und der gefeierte Redner, der geistreiche Fabelerzähler betrat in Talith gehüllt mit feierlichen ehrfurchtsvollem Schritte die Stufen -die zum Aron-Hakodesch rührten, küßte baS r>5"ic, kehrte sich dann mit dem Gesi hte zu der andächtigen Versammlung und ließ seine klugen Blicke über dieselbe gleiten, denn er verstand es recht gut seine Drqschoth dem jeweiligen Zuhörerkreise anzupassm. Lautlose Stille herrschte, alle Augen waren auf das kluge Antlitz des Volkslehrers gerichtet, der so meisterhaft durch anziehende Fabeln die Aufmerksamkeit zu fesseln und durch passende Gleichnisse die Worte der GotteSlehre einem jeden verständlich zu machen wußte. Mit einem Male lr lt ein junger Mann auS der Versammlung, und das Streimel auf die Seite de- Kopfes geschoben und mir beiden Händen sich stemmend ruft er laut: Hört nur, Dubner Maggid, es Ist gar kein« große Kunst, daß ihr mit Mefchokim so gute Draschoth sagt, denn der N'r. Zadik hat gesagt, daß euer vom svvn Obv herstammt, ihr sollt heute aber «i»e Drescha ohne v'bwv sagen." „Ja, ja rief eS aus der Masse, deren größter Theik Chassidim waren, eine Droscha ohne o'bwvl wir wollen einmal sehen wie ihr eine Droscha ohne sagt." Der Maggid stutzte ein Weilchen und ließ seine Blicke zur Erde gleiten. Bald aber leuchtete es aus denselben und Blitze des Zornes und Unwillenüber die Entweihung der Andacht fuhren wie aus finstern Wetterwolken über di«^Frechen her. Dann aber sprach er mit lauter klangreicher Stimme, indem ein spöttische- Lächeln um seinen Mund spielte. „Ihr sollt heute eine Droscha ohne D'btDO haben." „Schlomo Hamelech sagt," hvd er nach einem Weilchen Nachdenkens an. m?j> nan ■viori «n “D*r ü'diznns flehentlich spricht der Arme und der Reich« antwortet Frechheit, das Wörtchen „äntwortel" scheint hier anzudoutea, daß zwischen den Armen und dem Reichen im Wechfelgespräch «in Streit stattfindet. Welcher ist aber der Streitpunkt darüber der Arme mit dem Reichen hadert- Daist, meine andächtigen Zuhörer,, leicht zu finden. PZenn der Arme über die Schwelle des Reichen tritt, woran gemahnet diesen der schüchtern traurige Blick desselben- Er ge,, mahnet ihn an unseren GoluS, der so lange dauert, an den Meschiach, der so lange zu kommen zaudert! Dieser" düstere, traurige Blick will sagen: Wie lange, bu^Rei» cher, willst du noch Reichthümer auf Reichthümer häufend je reicher ihr Reichen werdet, desto länger wird ha- Golus dauern, desto länger der Meschiach zu erscheinen zaudern, denn eS heißt; nviiv nbvnv u itniD'i to N'iv« B'Dn ja, der Meschiach kommt nicht eher in Israel bis kein Geld mehr in der Tasche ist. — Diese« Blick bes Dürftigen mahnet also den Reichen fein Geld unter di« ^Armen zu vertheilen, damit die Erlösung Israelendlich erscheine. — Was. spricht aber dieser stolze verächtliche Blick des Reichen, mit vem er dem fiebentlichen Blick de- Armen begegnet? Ec will sagen: ihr Armen seid schuld — vaß der GoluS so lange währet, daß der piss atoa nicht erscheint; denn ihr seid furchtsam, schüchtern, mutbloS! Seht aber wie frech wir überall auftreten /owohl in der Gemeinde-Versammlung als kn B^lhhause, und die Frechheit ist ja baS Zeichen der- Annährung des msa ja es soll dessen Ankunft befördern; denn es heißt top?3 MMO' ncssirt in öen Spuren des Meschiach wird die Frechheit wachsen! Diesen ewigen Streit der Armuth mit dem Reichthum wollen« uns die Worte des Schlomo Hamelech andeuten: flehentlich spricht der Arme — daß der Reiche die Reichthümer unter die Armen zertheile, damit durch dieselbe die Erlösung nicht verzögert werbe und her Reiche antwortet: «„Frechheit" d. daß seine Frechheit erst recht die Ankunft des Meschiach befördern werde, währrnd der Arme durch seine Muthlofigkeit dessen Ankunft verzögern! Nun aber, wie ich Ahe, seit ihr nicht reich, vielmehr arme Leutchen, und von eurer Frechheit habt ihr mir so eben auch einen starken Beweis gegeben, die beiden Bedingungen der Erlösung-find also in euch vereint, btna jrssi toi so wird also der Erlöser bald nach Zion kommen! Und mit diesen Schlußworten aller Draschoth wurde auch die heutige Drascha beschlossen und der Maggid verließ lächelnd, zur großen Beschämung der verdutzt dastehenden Versammlung die heilige. Stätte. — %

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