Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 8 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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2. Da» seltsam« Brautpaar. Der Lehrer N. ging einmal bei einer Reise durch A. mit einem College» spazieren. Auf der Straße begegnete ihm ein dritter College, brr ebenfals in B. eia Gast war. R. hört« wie die beiden befreundeten Lehrer herzlich lächend auf folgend« Weis« einandrr begrüßten: Schalum Ateichem «eine geliebte Braut! Aleichem Schalum! mein zärtlicher Bräutigam. — Als N nach der Bedeutung dieser seltsamen Begrüßung fragte, echielt er folgende Erklärung; j Beideu befreundeten Lehrer wohnten in einer Entfer« > nung von 13 Meilen von einander. Da fügte es sich, | daß der Eine im Hanfe eines reichen Kaufmanns dem; Sohne desselben Unterricht ertheilte, wahrend der Andere einer Tochter eines reichen Glaudengenossen die Anfänge der Bildung deibracht« und die beiden waren mit einander verlobt. Da aber nach Brauch bas Brautpaar sich Liebesbriefe schreiben müssen es aber nicht vermochten, so mußten die beiden Lehrer es auf sich nehmen im Namen des Beautpaaces sich die zärtlichsten Liebeserklärungen zu machen. Eraer wußte aber recht gut von den Andern und als sie nun zufammentrafen begrüßten sie einander als Braut und Bräurjgam- Leon Meadelsdurg. ihr euren Sitz zwischen den hoch 'über uns thronenden Himmelskörper» einnedme«; denn (11) Narren und Unwissende sitzen in den höchsten Höhen. — Verbleibet meine Theuren in eurer Unwissenheit, auf daß ihr die unzestör« teste Freud« genießen könnet; denn (12) de- Thoren Herz verweilt gern im Haufe der Freude (13) und die Thor« heit selbst ist ein Wohlthun ffc dir Unverständigen. — Einfältige, ja Finsterlinge sollet ihr bleiben, meine Söhne, damit ihr Brob zur Genüge habet; (14) denn zur Rah« rung hilft nicht geschickt sein und zum Rei'chthum frommt nicht klug fein. — Bleibt Thor»n, so werdet ihr gefchelbt sein; denn (13) der Thor besitzt Weisheit. —- Daß man noch heutzutage hie und da würdige Abkömmlinge und ebenbildliche Nachfolger dieses seltenen Königes. echte Finsterlinge, welche den Fortschritt hemmen und dessen Beförderer verspotten und verpönrn in Menge an» trifft, ist wohl Jedermann hinreichend bekannt; wir aber rufen mit dem verdienstvollen und allg. verehrten Herausgeber d. Bl. aus: Und Licht wirb doch nie Finstern iß!! Ignatz Spatz in Papa. 11) Pred. 10 B. 6; 12) Pred. St. 7 B. 4; 13) Spr. St 15 B. 21; 14 Pred- St. 9 B. 11; 15) Spr. *. 24. B. 7. Des Einsaitigen letzte Worte und der Albernheit Bortheilt.*) In einem Lande der Unwissenheit lebte einst «in alter und einfältiger Regent, RamenS Cbamor (Esel) Ben-Beor. Als er sich dem Tod« nah« fühlte, berief er seine Kinder und sprach zu ihnen; „Bersammelr euch, meine Nachkommen, und höret euren Baker Chamor an! (1) „Ich bin der Allernärrischste und Menschenverstan ist nicht bei mir, ich habe Weisheit nicht gelernt (und trotzdem) weiß ich, wa« heilig und weise ist, (2) lasser ab, mein« Söhne, zu hören die weise Zucht, (3) die Thoren sind der vernünftigen Zurechtweisung abhold; (4) denn, wo viel Weisheit ist, da ist viel Gräm,ns und wer viel lernen muß, , der muß viel leiden. — Meine Kinder! Versorget euch nur mit einem Bischen ' Einfältigkeit, sehet euch vor mit etwas Narrheit und mit einer kleinen Dosis Thorheit; denn (3) es ist zuweilen besser Thorheit denn Weisheit und Ehre. — Meine Nachkommen, bleibet stets unwissend, auf baß es euch gut gehe; . (6) denn Trauer ist besser denn Lachen und (7) Trauer ruber im Schoße eines Narren und Unwissenden. — Seid > meine Lieben, immer albern, damit ihr glücklich lebet;! denn (8) ein Aldener glaubt Alles (8), und der ist ge, j recht, welcher in seinem Glauben glücklich lebt. — Be» ' harret, meine Sprößlinge, bei eurer Einfalt, so werdet ihr i den unmittelbaren Schuh des Allerhöchsten genieße«; denn j (10) der Ewrge bewacht und beschützt die Einfältigen. — j Bleibet, meine Kinder, närrisch und unwissend, sh werbet > *) La« dem -ittDTi No. 3. d. I. übersetzt. j 1) Spr. L. 30 B. 2. 3; 2) Spr. St. 19 «. 27; 13) Spr. «. 1 v- 22; 4) Pred. St 1 v. 18; 5) Pred. St. 10 ». 1; 6) Pred. St. 7 ». 3; 7) Pred. St. 7 C. 9; 8) eL. St. 14. V. 15; 9) Lhab. St. 2 V. 4; 10) Psalm St. lll «. 6; Ländlich — sittlich. Der jüngste Beschreibet von Constan rino pel, Herr G. Nogues sagt unter Anderem. Die ganze Bevölkerung am Bosporus ist im höchsten Grade abergläubisch. Türken, Armenier, Griechen und Juden sind darin gleich, und di« Levantiner folgen der allgemeinen Strömung. Der Grieche glaubt an einen Hausgeist (Stikio), der im Grund« des Brunnens wohnt und Nachts heraussteigt, um den Hausbewohnern Dortheil oder Schaden zu bringen, je nachdem sie ihm gefallen oder mißfallen. Der Stikio nimmt alle möglichen Formen an und erscheint als Elegant, als junges Mädchen, als Neger u. s. w. Seinen Günstlingen erweist er kleine Dienste, wer ihn mißfällt, der hat auf schlimme Streiche, selbst auf Ohrfeigen und Stockschläge, zu rechnen. Wie die Griechen, haben die Armenier den CultuS der Heiligenbilder angenommen. Der Heilige verlangt, daß vor seinem Bilde Tag und Nacht eine Lamp« brenne, unk erlischt sie einmal, so rächt er sich durch schauerliche Träume und Alpdrücken. Wahrsagen aus der Hand oder aus dem Wasserspiegel eines Brunnens ist allgemein im Schwange. Augenblicklich mache» ein« mohammedanische Negerin und eine alte Jüdin die besten Geschäfte und werden bei Krankheiten und Diebstählen immer zu Rache gezogen. rgei Inhalt: Leitende Artikel: Ueber die jüagsteo Bewegungen im Judenlhume. (Schluß.) — Sine rabbiuische Suchklica au« dem 4.9. Jahrhundert- — Da« Institut zur Forderung der ist. Literatur. — Literarischer Wochenbericht. — Zeit vag «nachrichtenrDeutschland: RegenSburg.Preußen: Berlin, Breslau. Oesterreichischer staiserstaat: Sie«. Prag. Preßburg. Holland: Haag. Frankreich: Pari«. Italien: Rom. — Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich & Thaler. Berautworrli her «edactenr: vr. M. Nager. Verlag von va»»,ärt»er'« Buch ««Mm l» seivtziA. — Dr»ck ve» B. Kreysl »g t» iei»tto