Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 7 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
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die Kenntniß bd Arabischen nöthig habe, strebte er ohne Beihilfe irgend eines Lehrers, sondern vermittelst beS DiclionairS Freytag's sie sich anzueignen. Da aber dieser zWörterduch arabischlateinisch ist, mußt« er. fo viel er zu seiner Arbeit brauchte, laleinsch lernen. So gelangte er nach und nach zu der Kennrniß des Arabischen. Dieser Sprache hat er die besten Erfolge feiner gründlichen geschichtlichen und literarischen Forschungen zu verdanken. Außerdem verstand ec gründlich die deutsche und französische Sprache und an« dere Wissenschaften. 1840 entriß ihm der Tod seine Lebensgefährtin, welche ihm zwei Kinder, gut geartete wohlerzogene Söhne, hinierließ. Der ältere wurde Arzt und der jüngere ergriff zum LedenSderufe di« Pharmarie. Nach zwei Zähren Mittäterschaft heirarhere ec eine Tochter de» MarkuS Brasch, mit der er den Rest seiner Tage beschloß. Auch sie gebar ihm einen Sohn, der gegenwärtig in Moskau Medizin studier. Auch dinun war er vermittelst seiner ordentlichen HauSfüdrung vor Noth und Mangel geschützt; seit aber der ältere Sohn von der Universitär zurückgekekrt war und in seiner medizinischen Praxis reussirte, wurde er. aller Lebenssorgen enthoben, da" der letztere in beS VarerS Hause «ine gemeinschaftliche Wirlhfchafr führte. Auch an dem zweiten Sohne erlebte er große Freude, da dieser in den Besitz einer «inträglichen Apotheke kam. Dennoch wollte er feine Lehrstelle nicht aufgeden, sondern fuhr fort, der Zugend von seinem reichen WsssenSschatze mitzutdeilen, wie bre beiden schriftlichen Danksagungen und die goldene Medaille, die ihm von den Schulbehörden und vom Kaiser zu Theil wurde genügendes Zeugniß adlegen. — Endlich wurde ihm die Würde eines Ehrenbürgers verliehen, auch di» Gemeinde wußte seine segensreiche Wirksamkeit zu würdigen, indem sie einstimmig ihm eine jährliche Gehaltzulage von 300 Silberrudeln auSsetzte. . Sein Ruf alS gelehrter Grammatiker und Forscher auf dem Gebiete der Literaturgeschichte verbreitete sich zwar schon früher als er in Oriente' seine wissenschaftlichen Aufsätze veröffentlicht, aber weder er selbst noch leine ihm näher stehenden Bekannten und Freunde hatten ein, Ahnung von dem großen WssenSfchatze an Grammatik und Massora, oer in ihm verborgen lag, bis er sich entschloß seine Lehrstelle aufzugeben und nach Deutschland zu üdersiedeln, um von seiner langen mühevollen geifitödteNven Arbeit auszuruhen und die Herausgabe seiner Werke zu befördern. — Im Jahre 1858 reiste er von Odessa nach Wien und gab 1860 sein Likute-Kadmonioth heraus. Qn diesem Buche that sich sein kritischer Geist/ seine immense Kenntniß der alten Handschriften und sein Forscherdlick am glänzendsten kund. Der größte Theil seiner in diesem Buche barg,» legren Forschungen werden der Geschichte der Juden und Karaiten zu Grundlage dienen. Wie nie früher verbreitete dies Buch seinen Ruf unter dengrößten Gelehrten Deutschlands. Die Herausgabe dieses BucheS, baS seiner Weitsichtigkeit halber großen Geistesaufwand forderte, erschöpfte feine Kräfte und P. verfiel bald in Krankheit. Ader der innere Trieb, und bas Bewußtsein, daß er.noch auf dem Gebiete der chebräischen Sprachforschung große Enrdsckungen ^.machen habe, 'hielt ihn aufrecht und mit Aufbietung seiner letz, ren Kräfte gab er sein Werk wieset "npan Vn «1272 '^2271 *1» nach handschriftlichen Quellen heraus begleitet vom ^VV7: T!3' TO des Idn Efra, durchgksehen und erklärt von ihm (1863). In. diesem Buche bahnte er der hebräischen Grammatik einen neuen Weg. Diese Arbeit erschöpfte vollends seine schon so schwachen Kräfte, und die Aerzt, rietden ihm sich alles Nachdenkens und ArbeitenS zu enthalten. Im verwich,nen Winter kam er nach Odessa, fein» Söhne und seine greise Mutter zu besuchen, welche letzter« im Hause seines jüngern Bruders wohnte. Hier nahm er kalte Bäder. Seine Nerven wurden immer stärker, und als er wieder hergestellt war, verreiste ec frohen! MulhS. AlS er nach Wien zurückkam, machte er sich an ' die Herausgabe neuer Werke. Zur selben Zeit wurde von j Prediger vr. Jelliack daS Belh-Hamidrasch gegründet und; P. wurde ersucht Vorträge dort zu hallen, welches er zur . Zufriedenheit Aller auSfübtte. Leider aber zog er sich durch I eine Erkältung nach einer Vorlesung eine Geisteskrankheit > zu und auf Anrakhen der bewährtesten Aerzle Wiens 1 wurde er in ein berühmtes Krankenhaus gerhan. Die Söhne P'S spanen keine Mittel, feine Genesung herdeizuführen. — Der jüngere Sohn verließ seine Apotheke und begab sich nach Wien um selbst die Wiederherstellung des VarerS zu befördern. Zum größten Erstaunen der Aerzte fing er auch an nach und nach zu genesen, io daß er daS ' Bett verlassen konnte. Seit drei Monaten beschlossen seine! Söhne ihn nach Odessa zu dringen. Der Donor ging zu! diesem Behufe nach Wien, aber zu seinem größten Schmerz« bemerkte ec, baß man im Spirale nicht gemerkt, daß sich! eine Brusikrankheir gebildet habe. Zn Odessa angelangr, j boten seine Sohne Alles auf ihm das Leben zu versüßen j und seine Genesung zu-- erwirken. Alle seine Freunde kamen ihn zu besuchen und ,S gelang ihnen, feinen aufge-! regtin Geist zu beschwichtigen und sich mit ihm wie früher in freier Unterhaltung emzulassen. Ec urtheilte j über jeden Gegenstand klar und fand wieder Wohlgefallen I an geistigen Arbeiten. Ader zu Anfang des Winters griff; die Brustkrankheit wieder um sich, und daS Athmen wurde ihm immer schwerer. So verstrichen ihm einige Wochen in großen Schmerzen bis er am Sabbalh den 29. Oclober um die Mittagsstunde die ewige Ruhr fand. Ec verschied zur Trauer feiner Söhne und aller derjenigen, die seinen hohen Werth zu würdigen verstanden. Sonntag den ersten Rosch- Ehovesch Eheschwan, wurde seine sterbliche Hülle zu! Grabe gebracht. Auf dem Ariedhofe sprachen der Prediger! Dr. Schwadach,r und nach ihm der Karaite S. Beim, | fein ehemaliger Schüler. Seine Söhne gedenken di« hin- , ttrlassemn Handschriften zu sammeln und sie dem Pu- ■ blicum zugänglich zu machen. Friede feiner Asche!! Leon Mendelsdurg. Es schickt sich — cs schickt sich nicht. Vor einigen Tagen hatte ich einen frühen Morgengang zu machen.'-ES hatte noch nicht sechs Uhr auf dem Münster geschlagen, Dämmerung zvar noch vecbreitet, und °der scharfe graue Morgennedel schauerte einem durch Mark und Glieder. Da begegnete ich meinem alten Freunde N., der mit raschen schritten durch die Straßen eilte. Er bemerkte mich nicht, denn sein Kopf war ihm fast auf die Brust gesenkt, und sein blasses Gesicht sah sorgenschwer auS. Ich redete ihn an. und gab ihm mein Erstaunen zu erkennen, ihn so frühzeitig unterwegs zu sehen. „Nicht»