Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 7 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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-Meie fi Jüdisches Bollsblatt. Zur | rung unö Unterfjaftung aus jüdischem $^6iete. HerauSgegebcn von Rabbiner Dr. Ludwig PhiliPPsou in Bonn. *! *r i ö/»e ~| Boo dieser AeiNLrit» ers«bei»t wöchklltlich eine Nummer. Preis de« Iabrr. ft , -A - . , _ ZHÖ. i IC 00. «a»S« i Wt. «ierieljöbrig 7^ Rgr. «lle Puchbaudlunge». Poftämrer I /. ASNr0.!l. OugNtU. > t- J anb aeitnnafernebiHntmt n.hmrit fWft.DMnara an. L ■* v ' * *■ J nnb Aeitungsekveditione» uehme» veftelluugeu au. Simcha Pinsler. Wir tbeilen! den Lesern dejüdischen Volk-blatte- «inen kurzen Leben-absiß dies,- in der jüdischen neuen Litecalur und Geschichtsforschung höchst berühmten Mannemit, wie ihn die hebräische Zeitung „Hamrlitz" in ihrer 42 Nummer gibt: Einen unersetzlichen Verlust hat da-Jüdenthum durch den am 2V. Ottober erfolgen Heimgang des großen jüdischen Gelehrten, Kritiker- und Grammatiker-S. Pinsker erlitten. Derselbe erblickte da- Licht der Welt am 17. März 1801 im Stäbchen Ti-menitz in Galizien. Sein Vater R. Schewoch Halewi war zu seiner Zeit weit berühmt durch seifte theologische Gelehrsamkeit, wovon die nach seinem Tode zurückgebliebenen handschriftlichen literarischen Aufsätze genügende- Zeugniß ablegen. — Er fungirte als Prediger (Magojldl m Tarnopol. Tt-menltz und Tornau. Im Knabenalter genoß P. den Untericht in Talmud, Bibel, Grammatik und profanen Wissenschaften von tüchtigen Talmuoiflen und gebildeten Männern, vorzüglich war es der mit reichen Wissen auSgestattete Vater, der sich die Erziehung Kefähigen Knaben angelegen sein ließ. Allein schon in seinem löten Lebensjahre verlor er seinen väterlichen Leite! und Lehrer, und blieb ganz auf sich allein und die Stütze seiner verwiltweten Mutter, einer klugen würdiger Frau, angewiesen. Er nahm dennoch an Kenntnissen immer zu, und der Ruf seiner glänzenden Fähigkeiten verbreitete sich bald in der Umgegend immer mehr. Don diesem Rufe bewogen, nahm ihn der reiche dajüdische 8-issen hvchschätzenbe Chaim Wähler aus Tomaschow in Polen zum Eidam. — P. wurde im sieben« zehnten Leden-j^hr« mit dessen Tochter „Meithe" einem wohlgesitteten klugen Mädchen vermählt, und wie die damalige Sitte et! erheischte, vom Schwiegervater mit allem nöthigen Leben-Bedarf versorgt, damit er sich im Verein mit andern jungen Leuten dem Studium ungestört widmen könne. Auch da- Lernen anderer Diffen-fächer ließ er nicht aüßer Acht, zu dem ihm die in der Nähe liegenden Städse Brodi, Lemberg und Zo!kowe Materialien an Bücherü verschafften. Aldie ersten Jahre vorüber waren, Üng er an sich in Handel-Unternehmungen "»erin Jassy büßte er fein ganze- Derer merkte bald, daß ec für den Handel war. Er kam also im Jahre 1824 nach vom dasigen Rabbiner R. Rüben freundlich ausgenommen wurde. — Dieser erkannte bald P's. hohe Fähigkeiten, und bedient« sich seiner schönen Handeinzulassen. A mögen ein und nicht geschaffen Odessa, wo e fchrift beim Abschreiben seiner kasuistischen Gutachten und anderer theologischen Aufsätze. P. vergaß nie^ die—edlea Gunstbezeigungen diese- Rabbiners. Jmi Jahre 1825 begab er sich nach Nikolajew, wo er in den Häusern der reichen Glaubensgenossen Lehrer der hebräischen Sprache wurde. 1827 nac» Odessa zurückgekehrt, nahm er ander Gründung der da igen Knaben-'Schule regen Antheil in der er den Untericht des Hebräischen uud in der italienischen Buchhaltung übernahnj. Gewissenhaft seine BeKuf-pflichten erfüllend, erwarb ei sich bald da- Zutrauen der Eltern, die ihm ihre Kinder «ur Erziehung anvertrauten; und sie fanden sich in ihreö' Erwartung nicht getäuscht; denn P. -l pflanzte in ihren ^emürherrf die Liede zum Judeorhume, zu ) dessen Wissenschaft. so daß die große Welt sie nie in ihnen erschüttern konnte: — Wohl wissend, baß ein Hauptfactor in der Verbreitung der Bildung grdletzen« Bücher sind, fing er an bei Privatpersonen Spenden an Büchem und Geld zu deren Ankauf zu sammeln, und legte so dm Grund zur reichet Büchersammlung der dortigen Schule. 1834 gründete er gemeinschaftlich mir andern Houptlehrern die dortige Mädchenschule. — Außer der treuen Erfüllung feiner Beruf-pflichten widmete sich P. unermüdlich der Erforschung der jüdischen Alterthümer, wie er in andern Wissensbranchen große Fortschritte machte. Von seinem spärlichen Gehalte kargt« er ad, um sich die nöthigen wissenschaBftlichen ücher anzuschaffen. P. war da- Muster einetreuen Gatten, zart» lichen Vater» und liebenden Sohneseinen greisen Mutter, die nebst andern Anverwandten^ in seinem Haufe Schutz und Schirm fand. Sein Hauwar nicht allein ein Sammelplatz aller Gebildeten und Gelehrten, sondern jeder Bedrängte und Nvrhleidenbe fand da Hilfe und Trost. Bei aller feiner eminenten Gelehrsamkeit besaß er ein bescheidenes und anspruchloser Gemürd, er verstand die Kunst im Gespräche mit dem gemeinen Manne seine Gelehrsamkeit vergessen zu machen, sich in die Berruf-weife eine» jeden versetzmd. Wo seine eignen Mittel nicht au-reichten Nothleidenben Hilfe zu dringen, suchte , er durch Vermittelung und Verwendung bei den Reichen den von Feme Her-' kommenden aufzuhelfen. AlS der gelehrte Karaite Firkowitfch von feinen Reifm in der Krim nach Odessa kam und verschiedene Handschriften mitbrachte, gelang eS P. die dunkelsten und schwierigsten derselben an sich zu dringen. Vermittelst seinebeharrlichen Fleißes und großer Gelehrsamkeit gelang es ihm den Schlüssel zu diesem seit jeher verschlossenen Schatze zu finden. Aler sah, daß er zu viefea stinem Smdwm