Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 6 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 2)
- Language
- German
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Zeines Pcopdclenamtes (Jer.m. 1, I. 29, 27.). Wie :ch im Dörflein angekommen war, bestieg ich das Dam des Kochst liegenden Haui'es. Ein überaus anziehend«, an historischen Erinnerungen reiches Rundbild erfreute hier Äuge und Herz. Da schaute ich die cherübmren lHöhen. Benjamins,Gibea Sauls, Rama, Geda, in schönemjKran; weil über Anara -rkaben. Wie lebendig wurden ntir auf dieser Stelle die Worte, mir denen der begeisterte! Seher in höchstem Schwünge den Zug deassyrischen Heeres über diese Höben hin schildert! „Nach Geba verleben sie da« Nachtquartier. Es erzitterte Rama, Gidea jSauls flieht. Kreische laut auf, Bewohner Gallims! Mejck auf, Laisa, Ania, Anathorh! Madmena flieht, die Bewohner von Gedim flüchten. Diesen Tag noch verweilt^ er in Nod, schwingt leine Hand ^gegen den Berg des Molkes Zion, den Hügel von Jerusalem (Jesaias 10,j 29.). "Nach Osten zu iah ich zur Jordansebene hinunter über welche die Berge. Gileads hoch emporragen. Südöstlich glanzte der blaue See des Sorh') am Fuße des ntoabitischen Gebirges, prächtig das ganze Landschaftsbild belebend. Endlich, in der Nahe von Anala, zwischen dem^ Dorfe und dem hoben Nordrande des.Wadi Sulem, sah ich ein grünes Tbal vor mir, das aus seiner etwas dürren Umgebung ungemein freundlich sich heraus hob. Als Spuren des Alterthums bemerkte ich aneinem Hau'e fugenranderige Steine von drei Fuß Lange und anderthalb Fuß Breite. Die Dorfleute bewiesen msr eine recht herzliche Freundlichkeit. Einige Männer kamen zu mir aufs Dach und waren voll Eifer, mir die uruliegenden Ortschaften und Thaler zu nennen. Sie luder-mich ein. in ibre Hütten zu kymmen, reichten mir frischgei ackenes Brot, und ein Mädchen bot mir eine Schüssel vol Milch an. Ich vernahm in einem Hause „die Stimrre der Müble." In dasselbe eintrerend, sah ich zwei Weil er mit Mahlen beschäftigt. Die ganze Mahle besteht aul zwei über einander gelegten Steinen. In dem obern ist eine anfrechtstehende Handhabe eingefügt, um ihn auf d M festliegenden unteren herumzudreben. Daß man die Mühle zum Pfände nehme, war einst von dem humanem Gesetze der Israeliten verbdren (5 Mo>". 24, fv). So bar sich mir denn ein recht anmuthigeS Bild von der .'deimath des P ro p h e k e n emgeprägt. Es erregte das Ge« s-ihl auf ganz eigenrkümliche Weile, hier Sitten »nd Gebräuche wieoerzusinden, die derselbe durch seine goltbegeistecr.'n Reden gewissermaßen für uns geheiligt hat. . Wieder nach«^J e rusa l e m zurückkehrend, langten wir nach etwas mehr als einer halben Stunde in Jsawijeh an. Das kleine Dorf ist in einem fruchtbaren Tbale geborgen. Ueppig grün wuchs Weizen und Gerste an den A.'bä'ngen. Hecken-von Feigencacrus umzogen schöne Blumenkoblbcete. Zwischen den silbergrünen Oel- und saatgrünen I oha n n esd co tda ume n des Thalgrund« prangte da und dort ein Ma n d e lda um in weißrokhem Blülbenkleide. Ist das Dorf won Nord, West und Süd durch nähe Berge umschlossen, so öffnet sich dafür die Thali'chluckt nach Ost und gestartet die Aussicht auf? rodle Meer. Ein Fußweg rührte von Jsawijeb nach dem Jordan hinunter, den man nach Aussage beb OMleute in mnf Stunden erreichen 3c fit Bcrrnneir aaitc fae :er:c Meer. |oU. Biele zum Theil tiefe Eistecnen sind in b«n Kelsen gehauen nahe beim Dorfe. Auch da fehlte es nicht an fugenranderigen Steinen, diesen Zeugen hohen Alterthums.' Am Eingänge eines Hofes standen zwei kleine einfache Säulen. Wie das Dörfchen im Alterthum geheißen, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Möglich isis, daß hier Nob war, wohin David von Saul weg zum Hohenpriester Achimelech geflohen, wo er Schaubcote mit den Seinen gegessen gleich den Priestern (1 Sam. 2t, 1. 6). Zu Saul's Zeit stand in Nob die Stiftshürre, aber der erzürnte König schlug die Stabt mit der Scharfe des Schwertes, Männer und Weiber und Kinder und Säuglinge, auch Ochsen und Esel und Schafe (1 Sam. 22, 19). Westlich ob dem Thale lagerte sich das assyrische Heer in drohender Stellung angesichts von Jerusalem. Jsawijeh heißt Jesusdorf. Vielleicht ist in diesem Namen eine alte Ueberlieferung verborgen, daß Jesus von, Nazareth hier oftmals sich aufgehalten.. Anstatt mich südwestlich hinauf zu wenden, von woher wir gekommen, stiegen wir in den Thalgrund hinunter Steil ging es an der andern Seite wieder hinauf. Wir sahen hier viele Feigen- und Aprikosenbaume. Ein kochliegenbes Thalchen trennt den Südrücken des Jsawijehthales von dem Oelberge, der hieran seiner Nordseite^größtentheils von dürrem Dorngestrüpp überwuchert war. Aufwärtssteigenv bekamen wir einen schönen Ueberblick über-die Jordansebene und das nördliche Ende des i tobten Meeres, aber nach Süd und West hatte ich keine Aussicht, dis ich nach einem Marsche von 20 Minuten auf der Höhe arflangte. Doch nun, welche entzückende Ueberraschung bW Anblick Jerusalem s! Ich bin nicht der einzige, der behauptet, von hier aus genieße man das schönste Bild der heiligen Sradt. Mit ihren hohen zackigen Mauern und 34 festen Thürmen, ihren Moscheen und Minaretkw bot sie sich dar wie eine stolze saracenische Feste aus dem Mittelalter. Auf pfadlosem Wege stieg ich in die äußerste liebliche; Bucht des Thales Josaphat Akabeh es- Sutan > hinunter. Eine Fülle stattlicher Oelbaume überschattete ' die qrün, und schwarz gewürfelten Felder, wo neben frisch gepflügten Äckern kräftige Saaten sproßten. Mittags 12! Uhr zog ich durchs Damascuslhor in die Stabt ein.; Die Sonne war schon ordentlich heiß in dieser Tageszeit, i wenn nicht leichte Wolken den Himmel verhüllten; Ein hunüertundfmifzigjiihriges Jubelfest. Am löten Januar fand in Berlin das 150jährige! Jubelfest des Bestandes der CH eb r a rh M ohelim, die besonders die Unterstützung armer Wöchnerinnen;u ihrem Zwecke har, in würdigster Weise statt. Der erste Theil bestand in dem Festgottesdienste. Die Haupksynagoge, welche der Vorstand der Gemeinde i mit dankenswertber Bereitwilligkeit dem Fesicomilö zizr Verfügung gestellt hakte, war glanzend erleuchtet uno dicht; gefüllt Der Gottesdienst begann mit dem von dem Syna-! gogencho'r unter Musikbegleitung vorgetrugenen Gesänge des lOO. Psalms, ibm folgte ein von dem Rabbinatsassessor Rosen st ei n gesprochenes hebräisches Geberund ein eben sol-! ches Gebet gesprochen von dem Obervorsänger Lickten stein. Dies letztere Gebet, sowie das darauf von dem Synagogenchor