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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 5 (1865) · p. Seite 19

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
5 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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Unter Dm Chozarm findet man gleichfalls den auf» fallenden Umstand, wie in Malabar, nämlich eine Treu» nung in weiße und schwarze Stämme. Auch in Affgha» nistan machen die häßlich schwarzen „NausserS,, Ansprüche j auf die Abstammung von den Kindern Israels, so gut wie Die mehr hell gefärbten Stämme. Oer Gründer aller : dieser verschiedenen jüdischen Colonien scheint in der That ' Nebucadnezar gewesen zu fein, einer Der größten Könige! und Gesetzgeber deS AlterkhumS. AlS dieser TyruS unter» ' warfen halte, sandte er Expeditionen zu Land-, und See aus, welche die phönizischen Colonien vor sich her trieben. Diese schon von Strabo gemachten Angaben finden ihre vollste Bestätigung durch jenes cochinische Manuscript, welches erzählt, daß eine große Anzahl von Emigranten nach Spa» nien getrieben worden sei; diese, landeten in Andalusien, gründeten dort Lusina am Tagus, Toledo, Maqueda und EScalona, welche Namen unstreitig hebräischen Ursprungsind. Toledo ist die älteste Stadt in Spanien und das älteste Gebäude dort ist eine Synagoge. Als AlpbonS VI. die Sarazenen aus Toledo vertrieben harre, wendeten sich die borkigen Juden um Schutz an denselben, indem sie sich darauf periefen, daß sie keine Ab» kömmlinge der Mörder Christi seien, sondern jener zehn Stämme, welche Nebucadnezar als Colonisten hierhergeschickt hätte. Ihre Bitte wurde huldvoll ausgenommen und die bezüglichen Verhandlungen und Nachweise in dem Archiv von Toledo auf Befehl deS Königs niedergelegt. Ebenso ist es möglich, daß die Juden schon in sehr früher Zeit nach England gelangten; Littleton berichtet in seiner Geschichte Heinrichs H., sie seien lange vor dem Einfalle der Nor» mannen, wenn auch wohl nickt in großer Anzahl nach En^ land gekommen und existirt ein von Egbrihr, Ersbischof von' York, im Jahr 740 erlaffene-Verbot bezüglich des Besuchs jüdischer Festlichkeiten seitens der Christen. Wir legten hier in leichten Umrissen die Grundzüge der Traditionen jüdischer Stämme dar; gleich nebelhaften Gebilden, ungewiß und grotesk in ihrer Erscheinung, aber! trotzdem erkennbar, sehen wir die Phantome der Väter j mächtiger Nationen mir demselben Interesse an unserem! geistigen Auge Vorüberschweden, wie dies die alten Erden- , bürger der Bibel in uns rege machen. Müßten wir jedoch! beantworten, ob die Abkömmlinge derselben in der That i identisch mit den jetzigen Bewohnern der von jenen ältesten > Wanderern gewählten Wohnstätten seien, so würden wir | vielleicht uns dahin entscheiden, daß dies mit Ausnahme > weniger jüdischer Tribus nickt der Fall sei. Hier und dort : mag noch ein schwacher Rest, gleich den Zigeunern, geblier den sein, aber als Raren sind sie verschwunden vor den! Fußtritten ihrer Sieger*). ' *) Was unsre Meinung über die obigen Mittheilungen betrifft, lo wäre ed anmaßend, sie geradezu leugnen zu wollen oder lächerlich zu machen. Wir gestehen aber offen, daß die englischen Forschungen über die zehn Stämme bei un« auf keinen guten Glauben treffen, da di« Engländer für Auffindung jener zu sehr eingenommen sind. Verdächtig scheint uns die Berufung auf die Sagen der schwarzen Juden, denn da? Nebucadnezar solche au« Israel nach Indien versetzt haben solke, ist eine Fabel, wodurch die Sagen der andern Völkerschaften an Gewicht nur verlieren. Die Berufung auf die Schwagerehe will gar nicht« bedeuten, denn diese war eine vormosaiscke (1 Mos. 38.) bei den J asiatischen Völkern verbreitete Sitte und da« mosaische Gesetz er- Die Zahl Dreizehn. (AuS hem Corriere Israelitieo). Wenn man gewissen Tagen und Zahlen, gewissen Worten, Formeln und Zufällen die Kraft zufchreibt, auf unsre Geschicke Einfluß zu üben, unsere Unternehmungen glücken oder mißglücken,zu lassen, uns Freude oder Trauer zu bringen, und wenn man sie deshalb flieht oder sucht mit ängstlicher Sorgfalt, je nachdem man sie für gücklich oder für unglücklich hält, so ist das eben so, als wenn man Die Vorsehung leugnet« und ihr die Zügel der Welt auS der Hand risse, um sie dem unsichern Zufall, der blinden Laune' zu übergeben. NfchtS widerspricht Der Vernunft mehr,. nichts ist Den Grundsätzen DeS JuDenthumS feindlicher 7 baS mosaisch« Gesetz verbietet jede Weissagung /auf das strengste. , Ader was soll man von demjenigen sagen, der trotz degesunden Menschenverstandes, trotz der einfachsten Be» griffe über die Allmacht. die Güte und Gerechtigkeit Gottes, trotz deS. strengen Verbotes der Religipn solche abergläubische Meinungen zur Richtschnur und Regel nimmt und auf sie seine Besorgnisse und seine Hoffnungen grün» der, wenn auch solche Meinungen auS wahren ober geglaubten Tharsachen entstehen, welche ihn gar nichtan» gehen, da sie in andrer Gegend sich ereignet haben, seinen Verhältnissen und seinen Meinungen frendp sind? , Ich führe alS Beispiel den Schrecken an,' welchen, wie man mir versichert, die Zahl Dreizehn-'sogar einigen unserer Glaubensgenossen einflößt, die für alle Schatze der Welt jene nicht auf ihr« Thür geschrieben haben, sich nicht in einer Versammlung oder an einem Tische aufhalten, wo dreizehn Personen versammelt sind, keinen wichtigen Schritt ihre- Lebenam 13. MonatSrage unternehmen wollten, und so weiter. Es ist wirklich merkwürdig, daß diesen furchtsamen Ge» mülkern, diesen schwachen Herzen gerade die Zahl einen solchen Schrecken einflößt, welche-man erhaben nennen könnte, weil sie unS Israeliten eine lange Reihe von Ge» danken und Ereignissen in daS Gedächtniß ruft, welche ste zwar nicht günstig und glückverheißend; machen — was, wie ich sagt«, ein. irrige Behauptung wäre: — aber doch in hohem Grade freudig und ehrwürdig. Dank der Adoption Menasse'S und Ephraim'- durch Jacob auf seinem Todtendette, derauSdrücklich'erklärte, sie dem Rüden und dem Simeon gleicksiellen zu wollen (Genesis 43, 5), stieg die Zahl der Stamme, in welche sich später die Nachkommenschaft deS Patriarchen, väs israelitische Volk theilte, auf Dreizehn sind die Eigenschaften.GotgeS (rvnTM'S, unter Denen Di| erste Die Barmherzigkeit.! und zu diesen Dreizehn nehmest wir unsre Zuflucht, sie rufen wir heiß ast — in unfern heiligsten Gebeten. „O Gdtt", rufeh wir. „hast'Du unS doch deine Dreizehn Eigenschaften enthüllt! Ach, gedenk ihrer heut zu unserem Heiles . leichterte gerade durch die OlinIirLch die Nichterfüllung dieser Sitte. Ob nun endlich hinsichtlich der Namen! der offghanifchen Stamme die Engländer nicht heraudgebörl haben, wa« sie zu hören wünschten, müssen zukünftige, gründlich« Forschungen lehren. Die Redacnon d. Jüd. BolkSbl.

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