Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 4 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
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15 (München, 1863-.finden wir(S. 19—96 eine.ausführliche Biographie de- Johannes von Capistrano von G. Doigr, welche uns Viesen „Heiligen des fünfzehn»» Jahr» Hunderts" mit kritischer Schärfe zeichnet. -Der Verfasser spricht kein selbständige-, abschließendes UrtheKduS, sondern läßt den Mönch durch sein Wesen, Thun und Sprechen ftl> selbst zeichnen, ohne daß er freilich nicht umhin kann, brr siL von selbst aufdrängenden Saryre einige Farben in dem Gemälde zu leihen. Oie Mönchsorden, wenn ihre Bestimmung' auch war, ihre Jünger Ler Welt und den weltlichen Leidenschaften zu entziehen, ^»aren von Anfang an dennoch drn Leidenschaften des Ehrgeizes und de- Neideunter einander im höchsten Grade unterworfen. Jeder Orden wollte edem andern an Macht und Ansehen, an Glanz und Einfluß zuvorkhun; und innerhalb jedes O'denS wühlten dieselben Leidenschaften und brachten häufige Spaltungen hervor. Den Vorwand zu diesen, welchen selbst der Jesunenorden von Zeit zu Zeit ausgesetzt war, bot häufig di, Ausübung der Regeln bar. Jeder Mönchsorden halte seine besondern Regeln für seine Lebensweise, Kleidung, Fasten und Gebete, Regeln, die von den Stiftern immer äußerst streng eingesetzt waren, deren Beobachtung aber bald schlaff und immer schlaffer wurde. Dann traten Regeneratoren auf, welche die ursprüngliche Strenge wieder auffrischen oder noch verschärfen wollten. Ihre Anhänger bilderen dann eine Partei für sich und der Orden war so gespalten. So erging el auch frühzeitig dem Franziscanerorden. Seine Mönche sollte« eigentlich fort und fort barfuß durch die Welt wandern, niemals ein Thier besteigen, sich der äußersten Frugalität beeifern u. s. w. Alledies war mir der Zeit ander« geworden; man hatte Kloster errichret, Reichthum erworben und sich einer bequemeren Lebensweise hingegeben. rig traten daher Reformatoren auf, und der - sich in Eonventuale und Observanten, welche letztere auch Minoriten hießen, ohne daß hiermit nicht auch die Obf^rvanlin mir der Zeit wieder in die laxe Be- Regel verfallen wären. Unter den Jüngern trat um 1402 Bernardino von Siena als Prediger auf, der allerdings gegen das Sireiferte, dann aber auch den Mariencultuvorzugsweise herbreitete und sich hierzu mancherlei Künste bediente. Bqld schrieb man ihm auch Wunder zu. Er habe Taube und Lahme geheilt, Gichtige und Epileptische gesund gemalt, Besessenen'den dösen Geist au-gekrieden, dem Regen ufid den Wetterwolken geboten, wenn sie ihn an der Predigt zu hindern drohten. In Lucca sah eia frommer Mann armlange Sonnenstrahlen seinem Munde entströmen und in Arezzo schien einer entzückten Ordensschwester der Hauch seines Mundes in schneeweißen, blutigrotden oder auch grünen Ballen gen Himmel zu steigen. Der Jünger diese- Mannewar nun Johanne- Capistrano. Er war 1386 fh. dem kleinen Flecken de- Abruzzo geboren, dessen Name ihm beigelegt wurde. Er studirte in Peruggka die Rechte, gerieth in schlimme Händel, befand sich als mißliebiger BerwaltungSbeamter im Kerker, alihm, dreißig Jahre (alt, der h. FranciSeuS erschien. Bon da ad war Bernardino die fromme Figur alS Orden-general, während Capistrano hinter ihm die Fäden der OrbenSpo» litik leite«. Besonderunter dem Papste Eugen IV. spielte Capistrano in allen mönchischen Händeln eine große Rolle Schon frühze Orden spaltet odachcung der der Observanz ein glänzende, tenverderdniß und erwarb große Vorrechte für die Odsirva«ten. Der kluz e Bruver von Capistrano nutzte die persönliche Gunst de- Papstegehörig aus. Der nun selbständige Orden her Ob 'ttvanttn wollte auch einen besondern Heiligen haben, und daza sollte Bernardino nach seinem Tob, (1444) dienen. D» Leiche that Wunder, roch nach Blumen, heilte Kranke. Dif Wunder wurden actenmäßig verzeichnet nnd beglaubigt, in ,52 Tagen hatte man ihrer schon 39 beisammen, 9 von brr Todten Auferweckte, 5 dem Tode entrissene Sterbend^ Ä geheilte Blind« u. s. w. Von da ab war es Capi» str.nonächster Lebenszweck, die Heiligsprechung de- Berna dino zu erlangen, und dies kostete außerordendlich viele Ar strengungen. C. erbot sich sogar, sich zum Beweise ins Fe «r werfen zu lassen, waaber nicht angenommen wurde. Zun Unglück fing auch die Leiche eineanderen Odser» va tten, der soeden zu Rieri gestorben war, an, Wunder zu thun, und sogar noch größere. In Rom fmg man an, da über zu spötteln. C. eilte nach Rirti und befahl dem Trvten. bei dem Gehorsam, den er ihm alseinem Gene^alvicar schuldig sei, sich des Wundrrthunzu enthalten, und das großartige Wunder geschah — der fiel Thomas gehorchte. Endlich nach zehnjährigen Anstrengungen ge» lang es, und der Papst vollzog die Heiligsprechung 15-0 feierlichst. Von hier ab hatte da- Leben C'S einen zweiten Zvpeck, nemlich den, nach seinem dereinstigen Tobe selbst heilig gesprochen zu werden und zu diesem Zwecke gegen' vie^ Ketzer zu würden, die Herrschaft deS PapstlhumS durch de» Glauben an die Unfehlbarkeit zu verbreiten, den Orden zu größerem WachSthum zu dringen und — unzählige Wunder zu thun. So verfvlgte er bis zum Scheiterhaufen dir Sec« der Fraricellen, schiSmatifche FranziScaner. deren Besitzungen den Observanten zugesvrochen wurde«. Auch gegen andere Ketzer und die Juden begann (r schon in Italien seine Wanderpredigten und Verfolgungen. Bald aber wurde ex vom Papste aufgeforbert, nach Oesterreich und Deutschland zu ziehen, um gegen die Hussire« und die Türken daS Kreuz zu predigen. Er wählte zwölf Brüder zu seinem Gefolge auS, sehr vertrau« und geschickte Man» ner, von denen auch drei-, fein Leben beschrieben haben. Langsam rückte er durch Italien über die Alpest. Wo er hintam, predigt« er auf den Plätzen vor dem! Volke und — that Wunder, vorläufig mit der Kapuze des Bernardino, die er-in Ser Hano hielt. Kranke wurden geheilt und böse Geister ausgetriehen. Bisweilen erschienen dies« in den groteskesten Gestalten wunderlich auSgestattet und warfen sich brüllend vor der Tafel nieder, die mit Namen de- Stifterder christlichen Religion neben der Kanzel aufgestellt war. Bevor er irgendwo anlangre, ward seine Ankunft vorher kunb gemacht, bas Volk auder Umgegend versammelt, bas Gerücht seiner Wunderthätig» keil mit taufend Zungen verbreitet und die Kranken in einen Kreigeschart. Sobald die Wunder geschehe» waren, wurden si, sofort ausgezeichnet und stehenden Fußebeglaubigt. Man hatte die Schwierigkeiten bei Bernardino'- Heiligsprechung zu sehr erfahren. um nicht bessere Vorbereitungen für die Kononisirung C 'S zu treffen. In Italien kam «-!nun darauf an, wie die Stimmung der Plätze war. wohin er kam. Wo Bildung und Wissenschaft schon tiefere Wurzel geschlagen. wollte man wenig von ihm wissen, und eließen sich viele Stimmen auch von Geistlichen (anderer Orden) gegen ihn und seine Wunder