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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 4 (1865) · p. Seite 16

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
4 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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16 (C vornehmen. L. ver oecühmle Poggio Bra der die bitterste Saryre über dieses Treiben loSli anderen Gegenden aber, z. B. in Apulien fand er Feld, so daß sein Ruf ihm über die Alpen vora Neustadt, Wien, RegenSburg. Nürnberg, Leipzibürg, Halle, Erfurt, Breslau, in der Lausitz und kleinen Orten predigte und wirkte C. und die aller dieser Orte wissen von ihm zu erzählen. auSgeschickten Brüder sorgten für d>n Empfang rüstung und die Wunder. Magistrat und dem Mönche in Procession mit heiligen Reliquie! unter dem Wogen einer gewaltigen Volksmenge Wunvermann sehen, berühren, fein Gewand küs Er predigte mir „Händen und Füßen.'" Die Berichterstatter sprechen nur schüchtern von den die geschehen sein sollten, mit dest^ marklschr Tone die italienischen Begleiter E.'s, die trockene rechte Register über die Wundzc sühirlen, gleick richten moderner Kcankenhäuset. Ä>e nannten schon heilig. An manchem Tage'Hat! er über d der. An manchem Tage that er k^ine, auf den folgenden desto mehr. Aucy die umged mußt« seinem Willen gehorchen. Er verbot „ir des heiligen Geistes" den Cicaden unif Schwalbe, um ihn in der Predigt nicht zu stören! So er Dabei muß es wohl > rwogen rl ißig Biographen. C. kein Schwärmer. sondern Zurist w Gelehrte fruchtbarer Schriftsteller w«, obwoll die Sch gedruckt worben sind. C. war 65 Jrhre, als rfc land betrat, ein kleineau-getrocknetes Männc» köpfig, mit grauem Barl und rvthlichem Gesicht, b:S zum Knie reichenden Armen und lebhaften D Wenn seine Anhänger seine außerord'mtliche En rühmen, so sagt der sächsische Chronist Matths daS Gegenrheil aus: er habe überall Pomp. Speisen und gute Weine verlangt. Am bester ihm die Ausdceilung seines Ordens'und die der Juden, aber in seinen Slifmngsn ging di Observanz ganz verloren. Gegen hie Hussiter in Böhmen und Mähren anfangs gute Erfolge, die Zahlen -der zurückgeführlen Ketzer,^welche seirse und Biographen angeben, sehr übertrieben sind Hauptsache aber erreichte ec nichts und machte sich Leuten bald so lästig, daß Adel und Geistlichkeit Entfernung forderten und ec Böhmen und D lassen mußte. Er suchte sich ein anderes Terror garn, als dieses von dem Eroberer Konstantinop war. Ec predigte den Kreuzzug gegen die Tu aber bei den Fürsten und Edlen keinen Anklanh *) Poggio, rem matt doch— er war auch Thrünehmer de« kostnitzer Concil« — kie Xakholicität nicht absprechen wird, sagt, dag diesen Predigern durchaus nicht das religiöse Bidürsniß der Hörer am Herzen liege, ionreru nur der Beifall ur t die Opfer de« Bolle«. Er iieunl die Observanten ein ardeirssch ues, aefgeblasene« Bock, nur auf Ostenraricr. bedacht; sic glaube,, daß grobe und schnlutzige Kleider. Holzsantaieu, ein gesenkte« Ha ipt, ein verdrehter Hals und ein bleiches Gesicht die wahren Zeichen der Heiligkeit seien; ihr Leben sei ganz ander« als d eser Schein, sie seien ehrgeizig, verführerisch, jchmahsüchrig gegen alle Welt. Berankw Perlag ven t o li ni, I*). 2» ein reiches rtzing. Zn . Magdean vielen Zhrorlisten Dievordie! Zur en zogen entgegen die den en wollte. deutschen Wundern, ierischereyt und legelden! Beihnl setzt Wunrdere;ader nbe Palur der Kraft zu. singen, zählen seine irden, daß und ein listen nicht Deutschen, kahlmit langen, wegungen. thaltsamkeit s Döring ausgesuchte gelangen Verfolgung wirkliche halt? er wenn auch Begleiter In der Land und selbst seine ähren vera in Unls bedroht km, fand oft nur Sport, brachte aber vom Volke einige Scharen zusammen, worunter merkwürdiger Weise Ketzer und sogar auch Juden geduldet waren. Besonders geschah dies bei der Belagerung von Belgrad 1456. Bekanntlich hat der ungarische Held Hunyadi hier am 24. Juli einen großen Siegerfochten. Capistrano war auch dabei; seine Kreuzfahrer nämlich setzten wider das Gedor des Feldherrn über die Save und verfolgten die Türken, welche sie in einen Hinterhalt locken wollten. Cbemerkte dievon einem Thurme, eilte zu seiner Schar und führte sie zurück. Hunyadi überfiel indes die Türken und schlug sie gänzlich. C. schrieb .sich allein den Siegesruhm zu und erwähnte in seinem Berichte an den Papsi des Hunyadi mit keiner Sttde, was selbst päpstliche Schrifflstrllec ihm alS eitle Ruhmsucht anschlagen. Einige Monate darauf starb ec in einem Städtchen an oer bosnischen Grenze, 71 Zahre alt. Die Bewohner des Städtchens bemächtigten sich seiner Leiche, um mit dem Heiligen für ihre Stadt gute Geschäft? zu machen. Aber der päpstliche Legat befahl, ihn zu begraben. Nochmals ist der Leid Capistrano'- verschleppt und verloren gegangen. Nach dem Tode verlangte der Orden die Heiligsprechung. Allein sie fanden vielen Widerstand, denn der päpstliche Legat urlheilte ganz anders über das Treiben des Mönches *). König Matthias sandte eine Warnung an den Papst, ec möge den „unreifen Aberglauben" nicht dulden. Alle Mittel wurden in Bewegung gesetzt; fünf Wunbersammlungen wurden zu Tage gebracht; aber immer stieß man wieder auf Hindernisse. Ein Jahrhundert verfloß; 1625 und 1650,vurde die Sache wieder angeregt und bei Seite gelegt, dis endlich von Benedict XIII durch eine Bulle vom 4. Juni 1724 die Kanonisirung Capistrano's vollzogen ward. Dies war also ver Mann, welcher den Juden in Deutschland, Pölen und Ungarn so viel Schrecklicheangethan, so viele zu Folter und Tob gebracht, Tausende aus der Heimarh trieb und dem Elende Preis gab. Wir brauchen kein Urtheil hinzuzufügen.' wo die Geschichte so klar spricht, wo das Leben selbst den Charakter so anschaulich und durchsichtig, die Zwecke so unzweideutig zeichnet, bedarf es keiner Comdinacion, keines Scharfsinnes — das Urtheil ist gesprochen. *) Der L-'gal Carvajal, eine sehr bedeutende Persönlichkeit, berichtete an den Papst: Nur die Genosieu Capistranohätten diesettk^Triumpflieder gesungen, er habe durch den blinden und uvüberfeglen Lusfall die Sache der Christenheit vielmehr auf« Spiel gesetzt, nach eitlem Ruhm begierig, nur da« Glück habe da« unbesonnene Unternehmen noch zum Guten gewendet und C. sich dann den Ruhm allein zugeschrieben, auch sei er ein zorniger Mensch gewesen, der mit rauhem Wort die Leute in seinen Reden gereizt und keinen Widerspruch geduldet. Allgemeine Zeitung de« Judenthum«. No.. 3. 1865. Inhalt: Leitende Artikel: Die consessionellen Schroffye'ten. — Der deutsche Rechrsschutzvrrein in London und der jüdische Helfershelfer. — Lpenden-Liste für die Rießer-Slisluag. — Zerstreute Bemerkungen. - Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten- Deutsch! and: Hannover. Leipzig. Preußen: «ozmin. Oesterreichischer KarserstaanWim. Frankreich: Pari«. Italien: Rom. Correipondenz: Briefe eine« Chinesen. I HÖT* Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Dhaler, vierteljährlich & Thaler. rtlicher Redacteur: G. Fritzschr. £n<bbon»,unfl in «einic- — Druck »en <fl. «ttminfl in «einig.

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