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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 4 (1865) · p. Seite 14

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
4 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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14 LeibsVerleumdungen auf dem Jahrmarkt« zu Rheine ver» Kaklet worden sei. Durch'diese Nachricht erreichten 3 um da-chs Leiden ihmt Gipfelpunkt. Er sah wokl ein daß kein anderer das giftige Lügengewebe, das ihn, seine F uni- .lie und seine Glaubensgenossen umsponnen, zerreißen kl nne, als der Bischof selber, von dessen Gerechtigkeitsliebe ec Vas Beste hoffte, und entschloß sich, um jeden-Pceis eine U >ter» redung mit demselben herbeizuführen. Es gelang ihm, unbemerkt auS seinem Gefängnisse zu entfliehen, ungedi idert auf einem von Freunden für ibn bereit gehaltenen P'erde die Reise nach Münster zurückzulegen und bei dem Bi chof vorgelassen zu werden. ES gelang ihm ferner, durch i;b?r* zeugende Beredrsamk.it die Äerdächtigungen gegen die israelitischen Gebete rc. vollkommen zu widerlegen und auch die übrigen Anschuldigungen dermaßen zu entkräften, daß B. v. Galen, der ebenso gerecht als tapfer war, ihm und seinem Sohne die Freiheit schenkte. Da wirklich Htm« schlagungen herrschaftlicher Gelder stangefunden, nelche allem Anschein nach entweder von Auerbach selbst oder von einev^mil seiner Häuslichkeit vertrauten Person v rüdt flin konnten, so wurde vom Bischöfe die Beschlagn. hme des Auecbach'schen Vermögens bis zur AuSfindigmac,ung des Thäters aufrecht erhalten. Auf Befehl des Bis Hofs wurde die betreffende Untersuchung auf's eifrigste betri den, wodurch Auerbachs Unschuld, somit auch Leibs Niedert:ach« tigkeit immer mehr zu Tage kam. Dieser wurde nur der früher dem Auerbach zur Last gelegten Unterschlagun j sowie auch der Verleumdung angeklagr und ins Gefäi gniß abgeführt, woselbst er ein volles Jahr zubringen wußte. Am 24. Schebat, dem Jahrestage von Auerbachs Verhaftung,, sollte vom Gerichte zu Coesfeld ein Urtheil über Leib gefällt werden. In steigender Angst sah Aue-buch diesem Tage entgegen, denn er befürchtete die Freisprechung Leibs, weil mehre mächtige Judenfeinde diese mit allen Kräften zu ermöglichen strebten und weil ihm zu i chren . gekommen, daß der judenfeinbliche Vertheidiger des Angeklagten öffentlich ausgesprochen, er sei der festen Hoffnung, daß Leid von den Richtern freigesprochen werde. Auerbachs Furcht vor dieser Freisprechung war sehr begründet, weil et hierdurch sein Vermögen und vielleicht au b in den Augen der Welt feine Ehre eingebüßt «haben nürde. Am 23. Schebat fastete er den ganzen Tag und derer inbrünstig zum himmlischen Richter, bei dem kein Utrecht ist, daß er am kommenden Tag« die ^bischen Nicht >r enleuchlc. um die Bosheit zu entlarven und die Unschuld z» schützen. Gott erbarmte sich des frommen Dulders, denn Leib wurde vom Gerichte im ganzen Umfang der A »klage als schuldig befunden. . Nach dem ergangenen U tbeilr sollte ihm vom Henker das rechte Ohr abgeschnitten und er bann des Landes verwiesen werden. Diese Epe utioo fand noch am selben Nachmittag durch den Henker at f dem Marktplatz« zu.Coesfeld statt, wobei der Delinquent mit wor Schmerz und Wurh fast erstickter Stimme rief 3^ werbe mich an den Juden rächen und sollte ich aujh i» noch den» einem seine Italien wohnen! Der Hüter Israels, der weder schlaf schlummert, vereitelte die Ausführung dieser Drohung, noch selbigen Abend hauchte Leib, plötzlich von Echkagflusse getroffen, in einem Dyrf, bei Coesfeld schwarze Seele aus und wurde daselbst begkaben. Auerbach war nun vollends gerechtfertigt; dir Be 'nähme über sein Vermögen wurde alsbald aufgehob«n und er tonnre sich des Glückes in feiner Familie und nach auken wieder erfreuen wie ehedem. Das Andenken an seine Leiden und an seine glückliche Errettung wollte er gern erhalten wissen; deswegen gab er seinem in der Verbannung geborenen Söhnchen den Namen orras (Tröster) und bestimmte, daß seine Nachkommen alljährlich den 23. Sctiedar, ngit Benutzung der angeführten Selichah, alS Fast- und Bußtag, hingegen den folgenden Tag als einen Feier» und Freudentag begehen sollten. chlag- Ein Judenversolger, wer und wie er war. Aus dem fünfzehnten Jahrhundert klingt unS aus den Annalen der jüdischen Geschichte kein Name schreckensvoller entgegen als der deS Fraoziscanermönchs Johannes b* Capistrano. Er bewog den Papst Nikolaus eine Bulle (23^ Juni 1447) zu erlassen, in welcher er! die drückendsten Beschränkungen für die Juden einscharfte > und den Capistrano, der seitdem den Beinamen der Juden- , und Ketzerhenker erhielt, zum Vollstrecker derselben ernannte. Seitdem überließ sich der Mönch in allen seinen Predigten,! die er auf seinen unaufhörlichen Wanberzügen Hielt, den i fürchterlichsten WutHausdrüchen gegen die Juden. Er ging alS Legat des Papstes nach Deutschland. In Baiern, Oesterreich, Mähren und Schlesien regte er die Fürsten wie die Bevölkerung gegen sie auf, daß sie sie verjagten, plünderten, erschlugen und verbrannten. Wo man bereits geneigter und versöhnlicher gegen sie gesinnt geworven, rief er den Haß und den Verfolgungsgeist von neuem wach. Namentlich aber in Schlesien wurde er ihnen ein Herold blutiger Verfolgung. In Breslau tischte er bas alte Märchen von der zerstochenen, blutenden Hostie wieder auf, ließ die Juden auf die Folter spannen, wobei er den Henkersknechten ihr! Verfahren zeigte, und ließ vor feiner Wohnung im Mai! 14)4, 41 Juden verbrennen, den übrigen entriß man alle ' Kinder unter sieden Jahren und raufte sie, alles vies „Gott zum Lobe und dem christlichen Glauben zu Ehren." Aehnr . lich-s geschah in Schweidnitz. Liegnitz und anderen Orten. Don da trug er seine Blutgier nach Polen zwang den Kö-t'g Kasimir, alle den Juden ertheilte Privilegien zurückzurufen, und bereitete ihnen auch dorr Demütigungen, Druck und Verfolgungen,aller Art. Ja, auch; nach seinem Tobe hinlecließ er ihnen einen Jünger, Ber-! nardinus von Felrre, der in Italien bas Werk seines > Meisters fortsitzt,, hier aber schon bei den erleuchteteren c Reglerungen auf kräftigeren Widerstand stieß. > Unter solchen Umständen ist eS nicht blos eine müßige I Neugier, sondern ein bringendes Bedürfniß, sich genauer ■ nach der Persönlichkeit eines solchen systematischen FeindeS umzusehen und sich die Frage zu beantworten, was war dies für ein Mann ssnsthin und in seiner ergmen Weise? , Wir glauben, baß unsre Geschichtschreiber wohl daran thaten,! diese Frage bei allen ähnlichen Persönlichkeiten aufzuwerj fen und sie gründlich und ausführlich, so weit eS nur angeht, \ zu beantworten, weil dann der Charakter jener Verfolgungen selbst noch um vieles deutlicher Hervorrreren würde. Im 10. Bande der „historischen Zeitschrift" von H. v. Sybel

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