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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 3 (1865) · p. Seite 11

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
3 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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11 < Wir führen diehier an, um die folgende merkwürdige Erzählung dem Leser verständlicher;u machen. Sie wird von Jacqueg Arago, dem blinden Reisenden, eiyem Bruder des berühmten Naturforscher-, in seinem Werke „Oie -beiden Olceane" erzählt. Daniel Davidson, der Sohn einereichen Kaufmannin London, bal!te das Augenlicht in einem Leben-alter verloren, wo ma!n diese unermeßliche Wohllhat noch nicht würdigt. Er hatte kaum angefangen zu sehen, alsich die Sonne für! ihn verschleierte, und die Wissenschaft bot später vergebenalle ihre Bemühungen auf, um ihm dawiederzugeben, ^vaihm der Himmel geraubt. Auf den Arm Sir Davo'-, seine- Hau-arzte-, gestützt, ging er eines Tagedurch Regentstreet, in der Rahe de- CircuS, als er, durch die wiederholte Warnung eine- Kut» scherS erschreckt, sich von dem Arme seine« Führerlo-riß und nach dem Trottoir - hineille. Der Wagen eilt heran und stößt Davidson über den Haufen. Er zerschlägt sich die Stirn an einem hervorragenden Stein, springt wieder auf und stößt ein wahnsinniges Geschrei au-. Sir Davy eilt herbei. .,Wafehlt Ihnen, mein Freund?" fragte er im Tone der Beforgniß. „Ich werde wahnsinnig! Ich bin wahnsinnig!" antwortete ihm Davtdfon, indem er die blutigen Hände vor die Augen hält. „Beruhige» sie sich, Daniel, diese Wunde ist durchaus nicht gefährlich!!" „Daist eauch nicht, was mich beunruhigt und schreckt; ich fürchte zu träumen, ich wage nicht die Augen auf;»- schlagen!". „Warum dicht?" „Gott ist iGott — ich sehe, ich sehe! Hier ist etwas, ganz nabe bei mir — ich berühre, waich berühren will; meine Sinne »erwirren sich; ich fürchte mich!" „Beruhigei» Sie sich und preisen Sie den Ewigen!" sagt der Docti r, indem er ihm mit feinem Taschentuche die Augen ver ündet; rühren Sie diesen Schleier nicht an, er wird Ihr «weiter Retter sein. Kommen Sie, mein Freund, kehren wir nach Haufe zurück, die Menge, welche unumgibt, retet für Sie; hier ist ein Wagen, steigen Sie ein." Einige Algenblick« spater betete Davidson'- Familie auch, nur der Doctor allein fürchtete, daß nur ein rascher Blitz an den Äugen seine- Freundevorübergezuckt sei, und auf alle Fälle 1 rief er die Wissenschaft zu Hilfe, deren der Himmel dock nicht bedurfte. ' Sobald Sir Davy sich überzeugt hatte, daß Davidson in der Thal da« Augenlicht wiedererhalten hatte, verzchn, fachte er die Angelegten Binden, sperrte seinen Freund in ein dem Lichtverschlossene- Gemach und gewöhnte ihn allmählich an! die Strahlen de- Tage-. Endlich wür der Tag der großen Prüfung angebrochen. Davy versammelte in einem Salon die gleichzeitig zitternde und glückliche Familie Davidson- und einige seiner gelehrten Collegen, die^hm im Rothfalle beistehen und die von ihm vorau-geseheneN Erscheinungen studiren sollten. Tiefe- Schweigen herrschte in dem von einem gedämpften Licht erheßten Gemach. „Nehmen! Sie meinen Arm," sagte der Doctor zu Daniel, „und Hetzen Sie sich neben mich in einen Sessel; Sie zittern, mein Freund! Sie sind aufgeregt! Wenn Sie nicht den Mulh besitzen, die unerwartete Wohlthat zu empfangen, womit der Allmächtige Sie beschenkt, so will ich lieber noch walten; versprechen Sie mir ruhig zu sein?" .„Ja, mein Freund; aber dieser Augenblick ist so feiersich! baß ich erst Gott um Kraft dazu bitten muß." „Beten Sie und beruhigen Eie sich!" l„Mein Gott, steh mir bei," betete Davidfon, „und Dein Wille geschehe* Wer ist denn bei mit?" ' j„Ihre Mutter, welche aus den Knien liegt und betet," antivortere der Doctor, „Ihre Schwestern, Ihr Later und einige ihrer besten Freunde."!„Gut, gut, Gott möge sprechen, ich unterwerfe mich." „Wohlan! Ader gehorchen Sie: thuen Sie genau, waick!Jhnrn befehlen werde; wenden Sie den Klopf weder rechtnoch link-, sehen Sie gerade vor sich hin, wo ich Jhyen sagen werde hinzusehen." , j „Ihr Schüler wird ihnen gehorchen," antwortete Daniel mir einem wehmüthigen Lächeln: „reden Sie!'* „Sie wissen, mein Freund, wa< ein Tisch ist, ein Hu Kind V ad, »in „Ja." a Zwei Schritte von unhabe ich auf einen Tisch einen- Hu^d und ein Kind gesetzt; sie sind die Gegenstä»de, welche Sie betrachten, welche Sie sehen sollen. Äder nur nicht zu vief Gemüth-bewegung, sonst verzögere ich noch di« Prüfung; Math, Daniel, hier ist da- Licht!" Davidson wurde kreideweiß und augenblicklkh ward ihm die! Binde wieder angelegt. .! „Ich bitte um Verzeihung, mein Freund, ich bitte um Beszeihung; wenn ich dedinke, daß ich morgen, ja vielleicht he«e noch meiner Mutter entgegengehen kann, daß eg mir verwartet sein wird, meine Brüder aufzufuchen, rin Lächeln dunh' ein Lächeln zu erwidern,' dann schwindet mir der Beistand und ich fürchte mich vor dem Licht fast ebenso seh^ wi, vor der Finsterniß."!„Entferne.n Sie'sich, entfernen Sie fick," sagte Sir Da!oy in strengem Tone; „entfernen Sie sich, meine Freunde! Daniel hat keinen Muth, er leide demnach die Folgen seia^er Feigheit!" .„Nein, Doctor, jetzt bin ich ganz ruhig; meine Thränea, haben wir wohlgechan, jetzt gehorch ich, befehlen Sie nur!" i„Jch glaube Ihnen. Eden fragte ich Sie, ob Sie wüßten, waein Kind und was ein Hund ist, und Sie haben mir geantwortet, Sie wüßten eS. Hier 'auf diesen Tissch habe ich da- Kind und den Hund gesetzt. Betrachten Slk nun diese, ich bitte Sie darum!" .! Die Binde ward ihm zum zweiten Mal ab^enommen. „Mein Gort, wie seltsam!" rief Daniel; wtist da-, wasich da bewegt?" „Eist ein Kind und «S ist ein Hund, alle beide auf km Tisch." „Welcheist aber da-Kind! Welcheder Hund? Ich katin nicht wissen, denn ich sehe sie nicht »siit meinen Fbpgern, ich kann sie auch nicht unterscheiden." „Gut, so wollen wir Sie Ihnen auf Ihre Art zeigen." Die Bind, ward wieder um Davidfon- Augen geschlungen, that zwei Schritte und unterschied durch Bttafien mit -r Mühe die beiden ihm vorgelegten Gegenstände. Nun kehren Sie auf Ihren Platz zurück," fog|t, der Arzt. \ ein er 5

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