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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 3 (1865) · p. Seite 10

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
3 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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10 Ordnung. die ewigen ^.Gesetze und Zwecke kennen lebe m, mußle diese aber in die dem damaligen Menschen verstc ndlichen und gewohnten Ausdrücke kleiden. Wer diese tun durrbauS wörtlich und buchstäblich nehmen will, wird sie bisweilen mit den zweifellosen Ergebnissen der Wissensc,aft — von dsn Hypothesen derselben spreche ich gar nicht,— nicht in Einklang finden. Er wird aber dadurch voppe len Nachrheil baden. Ec wird die h. Schrift und die Wis enschaft in Widerspruch sehen und zugleich den eigentli »en Gedankeninbalr in den Aussprüchen der k>-Schrift eicht erkennen. Soviel im allgemeinen, um so viele Mißrerständnisse, mit welchen sich schwache Geister plagen ind di« im. Grunde gar keinen wirklichen Boten baden,;u beseitigen. Aber unsre Frage wird hiervon nicht einmal de» rührt. Die Schöpfungsgeschichte har offenbar beson ers die Erbe im Auge, wie vom 9ten Verse des ersten C >pikels an die Trennung deS Trocknen - und Flüssigen, die Schöpfung der Pflanzen u. f. w. bezeugt. Da wei den denn im I4ren V. das Verhällniß der Sonne, de« Don» des und der Sterne zur Erde beschrieben. Sie sollen für die Erve zwischen Tag und Nacht und den JahreSze ten unterscheiden, die Sonne am Tage, der Mond und die Sterne während der Nacht die Erde beleuchten. Nun so ist es auch, und die Wissenschaft wejß kein Wort anders und mehr hierüber zu sagen. So weit bas Licht der Sl nne auf die Erde fällt, ist es Tag auf ihr; ,wo nicht, if es Nacht, und das Dunkel derselben wird durch daS Leuc ten des Mondes und der Sterne verringert. Wie aber lese Welrkörper beschaffen seien, von welcher Größe und Ei ett* tbümlichkrir, ob Geschöpf« und von welcher Art oder r icht auf ihnen vorhanden feien, hat uns die h. Schrift nirge nds gesagt und nicht sagen wollen, dies überließ sie dem sioe» schen und Nachdenken des Menschen selbst, und wenn die frühere Wissenschaft diese Fragen so und die heurige 9 3isfenschaft so beantwortet, widersprechen beide der h. Sä rift durchaus nicht. Wer sie richtiger beantworte, die frühere ober jetzige, ist wiederum der zukünftigen Wissenschaft zur Entscheidung überlassen. Wer hierüder noch in Zw ifel wäre, lese nur das 38te und 39te Cap. des Buches H iob. Da wird eine Menge der großartigsten Fragen auS >em Bereiche der Natur ausgestellt, aber keine beantwortet, 'cm* dern gleichsam gesagt: glaubst du ihre Beantwortung finden zu könnnen, so versuche es nur, von oben her oird es dir nicht verkündet. Da heißt es auch (V. 31—3!.): „Hast du geknüpft die Bande der Plejaden, vbetbesOrons Bande, du lösest-sie? Führst du zur Zeit die Srernb lder heraus, den Bär mir seinen Zungen leitest du? Kiirnst du deS Himmels Satzungen, und seine Herrschaft auf di« Erde setzest du ein?" Man sieht, daß uns hier fehrcroße Gedanken enthüllt werden: baß die großen Weltkörper in unverrückbarem Zusammenhalt ihre unveränderlichen Ba men wandeln und zue bestimmten Zeit ln ewiger Orbnum an unsrem Horizonte erscheinen und verschwindm, daß düs - ganze Universum („der Himmel") nachewigen Ge ehen besteht, denen auch die Erde unterworfen ist, daßlalso die ganze Schöpftrng eine unendliche Einheit bildet. Dielst Offenbarung genug. Aber aus wie vielen Stern« die Plejaden, der Orion und der Bär bestehen, welche -ihre Umlaufszeit, wie sie beschaffen, welche die Gesetze der Anziehung und Abstoßung u. s. w., das wollte die S hrkft uns nicht lehren, sondern überließ es der vieltausendjäh ngen Arbeit des Menschen, sich hierin einiges Licht zu verschaffen. Mit jenen großen Gedanken stimmt die Wissenschaft überein und den einzelnen Ergebnissen derselben widerspricht die h. Schrift nicht. So ruft auch der Prophet uns zu: (Zesajas 40, 26.). „Hebel zur Höbe eure Augen und schaut, wer hat diese geschaffen? Der herausfühct nach der Zahl ihr Heer, alle ruft beim Namen: vor der Allmachtsfülle und dem Kraftgewaltigen bleibet keiner auS." Der Prophet lehret uns also, baß all' dieser Wellkörper für unS unendliche Zahl von Gott geschaffen, in ihrer Menge und Befchasstznheit bestimmt worden und nach seinem Willen, wie ec idn in den Gesetzen der Natur auSgeprägt> besteht und ihre Bahnen zieht. Die Zahl und Beschaffenheit derselben aber verkündet er uns nicht und überläßt es der menschlichen Wissenschaft, davon zu erforschen wie viel sie vermag. Wir hoffen, daß unser geschätzter Leser und Fragesteller hiermit einverstanden und zufrieden ist. Und doch noch eines. . ES ist keine müßige Frage, die den Menschen seit uralter Zeit beschäftigte, ob die Gestirne bewohnbar, folglich bewohnt seien? Wie es für unS erhebend ist und unS auf einen ganz anderen, höheren Standpunkt versetzt, wenn wir uns nicht bloS als ifolirte Individuen sondern als Glieder einer Familie, eines DolkeS, eines Staates, ja der ganzen Menschheit fühlen und bewußt sind : so erweitert es unsren Blick und unsre Gedankenwelt, wenn wid uns nicht blos als Glieder der Erdenwesen erscheinen, sondern wiederum nur als hineingehörend in unendliche Wesenreihen so vieler Weltkvrper, verwandte Wesen und Geister auf all' den leuchtenden Sternen wissen und unS so heimisch fühlen in dem unbegrenzten Raume, der dann zu unser aller Heimarh wirddarüber der unendliche Welrengott -waltet und in seiner unbegrenzten Machtfülle, Weisheit und Liede jedes einzelnen Wesens Werden, Entwickeln, Bestand und Geschick wie dss ganzen Universums Dasein hütet und leitet. chas Sehen und der Blinde. Es iss eine falsche Vorstellung, so gewöhnlich sie auch ist, daß die Thätigkeit unsrer Sinnesorgane eine rein körperliche und in ihrem ganzen Umfange denselben angeboren sei. Eine genauere Beobachtung hat vielmehr gelehrt, daß der Mensch erst durch Erfahrung und Uebung seine Sinnesorgane fähig macht, vieles wahrzunehmen, was ihnen von der Natur selbst aufzufassen nicht gegeben ist. Unsre Sinnesorgane müssen in vielfacher Beziehung wahrnehmen kernen, woraus eben erfließt, daß, um auS einer Reizung der Sinne eine Vorstellung zu bilden, unsre Seele thatig fein muß. So z. B. können Kinder und glücklich operirte Blinde nur die Länge und Breite, nicht aber die Tiefe eines.Gegenstandes und die Entfernung der Gegenstände rvahrnehmen, sondern müssen dieerst nach und nach durch Beobachtung und Erfahrung erlernen. In der Natur de- Augeselbst liegt dz, Perspective nickt, sondern diese muß, erst durch Erfahrung und Uebung dem Auge beigebrächt «erden. Darum ist auch die Beurtheilung der Entfernungen so vielen Zrrthümern unterworfen und kommt es hierbei gänzlich auf die Uebung an.*) *) S. Ruete, Ueber die Existenz der Seele vom naturwiflen. schastlichen Standpunkte (Leipzig, 1863.) S. 63.

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