Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 3 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
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12 UnO während ec sich setzte, ließ man da- Kind und den Hund die Platze wechseln. „Wohlan," sagte Sic Oavp, jetzt werden Sie sich wotzt nicht irren; bezeichnen Sie da- Kind und deze»<»«a Sie v-n^Hunb!" „Das ist nicht schwer," sagte Davidson; „der J>unb sitzt links und das Kind sitzt rechts." Er hätte aber grade da- Gegearheil sagen sollen. Raa lernt sehen, wie man gehen und lesen lernt; das Kia» Bedarf deS Gängelbandes, denn eS versiebt die Enlfrrai agen ebenso wenig zu berechnen wie die Gefahren, und I a«dson war wieder ein Kind geworben. Man jeigte ihr» die Flamme einer Kerze, und er verbrannte sich den F nger, als er darauf zeigen wollte. Auf der Straße ging e im» mer mit vor sich hingetzreckren Armen, weil er fortwä >renb gegen etwas anzustoßen.fürchtet«, was noch weil vor ihm entfernt war, und eines Abends, als er zum ersten Mal« den Mono am Himmel stehen sah, siel er rücklings lieber und sagte zu dem Arzt: Gott wolle ihm eine feurige lkugel auf den Kopf werfen. Jnressen machte er doch stete Fort» schritte m der für ihn so neuen Fähigkeit. Die glülltche Familie Davidsons belächelte die Bewertungen des Ne» lings, und obne Furcht vor der Zukunft versuchte man, ih n die Wirkungen der Perspective begreiflich zu machen, von denen er sich keine Rechenschaft zu geben vermochte. Sechs Monate lang sah Davidson die Sonne auf zehen, die Wglder grünrn, den Strom fließen, die Blumen dl rhen; er bewunderte die regelmäßige Aufeinanderfolge deS Lage- und der Rächt, er begriff die Uedereinstimmung deS § ilickes mit dem Worte, uns alle Morgen und Abende drüflte er einen Kuß auf die Stirn seiner Mutter. Eine- Morgens erwachte er. „John, warum öffnest du die Fensterladen nichts?" „Herr, sie sind längst geöffnet." „Ist bas wahr? O ewiger Gott, dann bin ich fvieder blind geworden V1 Ein Jahr später oegrub man in dem Garten vor Bedlam einen Wahnsinnigen, namens Daniel. Da idson, der sich mit einer Gitterstange seiner Zelle die Halladern aufgeciffen batte. Curiosum. Ein bischöfliches Zcugniß. Die „Berliner Gerichts-Zeitung" schreibt:- De> Feldpropst der preußischen Armee, Herr Pellvram, ist zr m Bischöfe von Trier gewählt worden. Die hiesige kat vflsche * Gemeinde sieht ihren Sülenhirten nur ungern scheid n, der ihr durch eminente geistige Begabung eia tüchtiger Lehrer und durch Humanität und Milde ein leuchtendes Porbild gewesen ist. Von der Toleranz des Herrn Pelldr zählt man in der Stadt «ine sehr charakteristische A Bor fünf Jahren starb ein Künstler eines plötzlichen Da er ein frommer Katholik gewesen und seine in der bittersten Armuth hinterließ, kam ein Hau des Verstorbenen auf die Idee, bei der katholischen G Berarmvortti der Redacrear: G. Fritzscde. Ml Stii|irit(r'i Bit« fc m erqekdote: Todes, samili« i genoffe meinde für di« Hinterbliebenen zu cvllectirea, und wandte sich des. halb an Herrn Pelldram mit der Bitte, ihm die begütert» stell Gemeinde-Mitglieder zu nennen und das Gesuch um Unterstützung zu befürworten. Herr Pelldram empfing den Bittenden, einen getauften Juden, sehr freundlich, bemerkte ihm aber, daß er sich von der Collecte keinen Erfolg verspreche: „Sehen Sie — so begann er seine Deduktion — ich habe vor kurzem einen armen frommen Professioaisten unserer Gemeinde, der Krankheithalber sein Hand» werkszeug versetzt hatte und blos so viel begehrte, um es wieder auslösen zu können, das beste Zeugniß ausgestellt und ihn zu den reichen Mitgliedern geschickt. Und was ist der Erfolg gewesen? Der Mann ist vierzehn Tage lang mit seiner Liste herumgegaagen und hat nicht mehr als etwa 16 Thlr. eingenommen. Es ist traurig, aber wahr und nicht zu verwundern, da selbst hohe Personen neben ihren fürstlichen Namen einen Betrag von nur 10 Sgr. gezeichnet haben. — Sie sind — fuhr Herr Pelldram mit sichtlicher Verlegenheit fort — nach Ihrem Namen za uctheilen — Sie verzeihen die Frage — rin Israelit? — „Ich bin ein Jude, erwiderte der Bittsteller, und zwar ein getaufter." Nun dann, bemerkte der Propst, baden Sie vielleicht noch-Verbindungen mir andern Israeliten. Sehen Sie, ich habe da soeben von einem jüdischen Manne die freüdige Nachricht erhallen, daß er zum Dante für Erlösung auß schwerer Krankheit unsrem katholischen Kranken- Hause eine Summe Gelbes und eine Kuh geschenkt hak. Der Mann har, seinem Gelübde lr.ü, das gleiche Geschenk auch den andern Krankenanstalten der Stadl übermittelt. Die Israeliten sind wohllhätig und — bemerkte er mit feinem Lächeln — ich habe schon manchmal daran gedacht — sie würden mich gewiß nicht zurückweisen, wenn ich mich an sie wendete, um endlich den Bau unserer Michaelskirche fertig zu bekommen. Wie wäre es also, wenn Sie sich mit ihrer Bitte an die Herren Israeliten richteten? Sie werden sicherlich «in bessere- Resultat als bei unserer Gemeinde erzielen!" — Der Herr Propst hatte mit seinem humanen Ralhe vollkommen Recht: die erste Hilfe wurde der Familie von Juden geleistet. Anekdote. AuS dem Kladderadatsch-Kalender für 1&6.V) Ephraim (ruft üoer die Straße weg): Jtzig! — Jtzig! Oec Angecufene lkommt zu ihm heran): Wieso kennen Sie mich? Ich heiß doch gar niä, so! — Allgemeine Zerrung de« JudenthumS. Xc. 2. 1865. 3nbalt: Leitende Artikel: Rom. IX. Die päpstliche Encyklica. — lieber die jüngste» Bewegungen im ^uveukhume. — ¥itaaujd)er Wochenbericht. — Zeilllligsüachrichren: Deutschland: Hamburg. Preuße»: Aachen, schwersenz. Lesterreichifcher Laiierstaar: Prag. Aus dem Oetzerreitbi'chen. Bien, Füsttircheo, Lien. Jralien: Rom. Schweiz: Aargäu, 6k. Gallen. Großbriraonien: Manchester. KS Zu beziehen durch jedes Postamt uuv jede Buchhaudluna. Jährlich 3 Lhaler. vierteljährlich Thalcr. tJÄliin* ia ««Mi#- - Draü eca tf. »reciia» ia