Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 2 (1865) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
2 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 7 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4908862-5999392-6026713--2874-4911150
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Hilfe von ihr und wenn er etwazum Leben auf der Erde findet, so verdankt er die» einer fortwährenden Arbeit und keineswegs jden Einrichtungen der Natur. Kann man nun noch nach solchen Betrachtungen der Meinung fein, daß diese Kugel selbst für den Menschen die möglichst beste der Welten sei? Muß man nicht zu der Urberzeugung gelangen, daß viele andere Himmelskörper unendlich höher stehen, als sie, und besser, als sie, die zur Entwickelung und langen Dauer des menschlichen Daseins günstigen Zustände vereinigen können? Weit davon, sie über andere Gestirne zu stellen, wird man sich wundern, daß das Leben auf jhr sich niedergelassen hat, und wird man gestehen, daß sie nur deshalb bevölkert ist, weil Gott die Natur ungeheuer fruchtbar gemacht, daß sie selbst da Wesen erzeugt, wo der Mensch niemals dergleichen vermuthet hätte. Man wird begreifen, daß Gott die Erbe nur bevölkert bat, weil es in dem Wesen seiner Schöpfung liegt, das Leben überall hervorzurufen, wo es Materie gibt, dasselbe aus? zunehmen, und fern davon, zu denken, daß ihre unerschöpfliche Quelle durch eine derartige Bermedrung der Wesen auf ihrer Oberfläche versiegt ist, wird man in der Verschiedenheit und Unendlichkeit ihrer Producte ein beredter Zeugniß dafür finden, daß sie sich nicht durch Ausstattung der anderen Wellen mir einer zahllosen Menge von Erearuren erschöpft här, weil sie noch hier unten dergleichen hat erzeugen können. So beweist uns demnach nicht allein die astronomische Stellung der Erde zu der Dahn, welche sie durchläuft, sondern es zeigen auch die normalen Einrichtungen ihrer Natur und ihrer eigenthümlichen geologischen Constitution, daß sie nimmermehy die Welt ist, welche für den Unterhalt der Existenz am günstigsten geschaffen worden. Die Verschiedenheiten dir Aller, der Stellungen, der Massen, der Dichtigkeiten, d?r Großen, der Elemente, der biologischen Bedingungen u s. w. stellen eine große Anzahl von an-, deren Welten auf eine höhere Stufe von Bewohnbarkeit, als die unserer Erde auf dem ungeheueren Amphitheater des Himmels ist. So erweisteS sich, daß die Bewohnbarkeit der normale Zustand der Welten ist. Ueberall hier um die Erde herurst, jenseits des Raumes, wo sich die erstaunten Blicke der Sterblichen verloren haben, über die Himmel der Himmst hinaus fängt derselbe Raum von neuem an, die Schöpferkraft GotlcS entwickelt dort wie hier den unbegreiflichen Strudel des Lebens und unaufhörlich folgen sich durch die Regionen ohne Grenzen, ohne Höhe und ohne Tiefe des Universums die Sonnen und die Welten.... Wir können auf diese Art in'S Unendliche gehen. . . . Ueber die fernsten Grenzen, welche unsere Einbildungskraft dieser unfaßlich productiven Natur fetzen könnte, findet sich immer wieder l ieselbe Ausdehnung und dieselbe Natur ohne irgend ein mögliches Ende und wir müßten eine Ewigkeit lang leben, wollten wir unsere Forschungen übersetzen denkbaren Ausdruck hinaus treiben! Halten rciij hier an, lieber Leser, und geben wir hier freimüthig derlJdee, die wir uns von der Erke machen, Ausdruck. . . i Ach, wenn unsere Sehkraft stark genug wäre, üm dort!, wo wir nur leuchtende Punkte auf dem schwarzen Grunde des Himmels unterscheiden, die blendenden Sonnen z>t entdecken, welche im Raume gravitiren, und die bewohnten Welten, welche ihnen in ihren Läufen sogen, wenn es uns vergönnt näre, jene Myriaden von wechselseitigen Systemen mit einem Blick« zu umfdffen, und wenn'wir, mit bejrGeschwindi zkeir deßLichtes vorwärtseistnd, inJahrhpndertien von Jahrhunderten jene unbegrenzt« Anzahl von Sonnen und Sphären durchbrängen, ohne jemals auf eine Grenze für diese wunderbare Unermeßlich?,it, in der Gott die Welten und die Wesen entstehen ließ, zu stoßen nstr würden, unsere Blicke rückwärts wendend, es nicht mehr wissen, an welchem Punkte der Unendlichkeit wir dieses SraübkoLn, welches man die Erde nennt, wiederfinden sollten; .wir würden durch solch ein Schauspiel bezaubert und verwirrt stehen bleiben und, unsere Stimme in Dein Wettstreit W allgemeinen Äarur mischend, aus dem Grunde unserer Seele auScufen: j ,| „Allmächtiger Gott! Was sind wir -für Thoren, daß w^c glauben. getst nichts übjt die Erde, unb^vnser«^ atmselige Behausung besitze ausschließlich das Vorrecht, jeine Größe und Deine Allmacht abzuspiegeln! Wir aber rstfen mit dem PsalMisten aus: schaue, Deiner Finger Werk, Mind und Sterne, die Du Eisest — Ewiger, unser Herr, w e herrlich ist Dein Name' i ch das ganze Weltall!" Chanukkah und Weihnachten. „Sy ich Deinen Himmel JahreSfeste sind jüdischen der Entstehunqsweise der ' Die christlichen Wochen» und Ursprungs. Die« laßt sich nach christlichen Religion auch im norauS vermurhen. Das einzige christliche Fest mit selbständigem Charakter scheint „Weihnachten* zu stin. Wie sollte auch daS Fest, welches dem Andenken an die Geburt des Stifters der christlichen Religion gewidmet ift, Mische Berührungspunkte darbieten? Uno dennoch meint eS un« anders zu sein. So auffallend es im ersten Augenblicke sich darstellen mag, — auch das christliche WeihnachtSfest, Boja Fest der Geburt Christi, scheint «NS jüdischen Ursprungs zu sein. V Die christliche Religion hat erst in den späteren Jahrhunderten ihrer Entstehung angefangen, Bedeutung zu erlangen. Sie 'war am wenigsten von Anfang an eine fertige Kirche mit eingerichtetem Cullus und wohlgeordneten Festzeiten. Man lernte sich vielmehr den bestehenden jüdischen Festen, welche die ursprünglichen jüdisch-christlichen Gemeinden noch mit den Juden forrfeierren, an, und nachträglich erst, ln späteren Jahrhunderten, har man diesen Festen christliche Ideen untergelegt und zur bessern Verdunkelung ihres jüdischen Ursprungs ibre Feier auch auf andre unterschfedlich«^Zeiten verlegt. Es läßt sich darum r>egen der anfänglichen Bedeutungslosigkeit der christlichen Religion gar nicht denken, baß man den Zeitpunkt der Geburt i ires Stifters von Anfang an festgehalren und darauf irgend welche Bedeutung gelegt habe. Vielmehr ist man über lag und Jahr der Geburt Jesu in vollständigster Ungewißheit. Clemens (Strom. 1, 340.) redet tadelnd von solchen, welche sich Mit der Berechnung der Gedurtszeit Jesu ehufs Einrichtung einer religiösen Feier adgeben. Dir inrichtung einer solchen Feier fällt daher erst: an das Ende es 4ten Jahtbundorts und-wohl noch später. Und selbst, amals noch war es mehr das Epiphanienfest (Fest der rscheinung), welches weniger mi't^esu Geburt alS mit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.