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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 2 (1865) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
2 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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0 Bei dem Eintritt in das neue Jahr, Ader solcher Wesen eitles Hoffen Macht die Zukunft nimnfer, nimmer wahr. Nur der Mensch, der im descheidnen Herzen schlichte Hoffnungen und Wünsche hegt, Der sein Joch von Unglück. Harm und Schmerzes Wie ein Israelit geduldig tragt: Der lebt ewig mit sich selbst in Frieden, Weil sein Glück er in sich selber sucht; Doch vergebens sucht es der hiniedcn, Der bcsiandig feinem Schicksal flucht — Weilburg, Ende Deceuider 18->4. l>r. L. L L'orm>'er, Rabbiner Die Bewohnbarkeit der Gestirne. ui. - Wir wollen zuerst an eine biologische Tdarsache von höchster Wichtigkeit errinnern; daran nämlich, daß die allzu häufige Wiederkehr der. Lebensac» die wirksamste Ursache; einer schnellen Erschöpfung der Lebenskräfte ist, so baß sich die Bedingungen für die lebenden Organismen zur Derl längerung ihrer Eristen; um fo günstiger gestalten, je länger und gleichförmiger^ die Jahreszeiten und die Jahre | sind. DaS Umgekehrte ist offenbar bei den Gestirnen der Fall, deren Perioden sich nur mit kurzen Intervallen anejinanderreihen. Nun aber sagen wir. daß die Erde unter ljiesem neuen Gesichtspunkte nicht dieselben VorrKeile genießt wie - gewisse Planeten, und daß sie weit davon entfernt rs, am günstigsten für die organische Eristen; gemacht zu seit. Man weiß, daß die Neigung der UmdrehungSare i Der HimmelSfpbären gegen die Fläche ihrer respectiven B hnrn die astronomische Ursache der Differenz der Jahres! eiten, . Tage und Klima» ist. Wenn die RotationSaxe zu jener. Flache senkrecht wäre, so würde sich die heiße Zone nicht über den Aequator hinaus erstrecken und die kalte Zone; auf die Pole beschränkt sein, dadurch aber würden si b die Wirkungen der Wärme und des Lichtes vom Aequaro kreise bi'S zu den Polarkreisen unmerklich abschwächen und dies müßte ein gemäßigtes und bewohnbares Klima für alle. Gegenden der Erde ergeben. Eine und dieselbe Iah! eszeir müßte fortwährend auf der ganzen Oberfläche der Kugel herrschen und jede Breite nokkwendiger Weist eine st ecielle : und permanent, Temperatur haben. Man kann sii) die Fruchtbarkeit eines der Art bevorzugten Planeten d'nkea, die Leichtigkeit, mit der sich' die reichsten Products der Kugel auf ihrer Oberfläche entwickeln würden, und den gür stigen Einfluß eines solchen Wohnsitzes auf das materiell und in gewisser Beziehung inlellecruelle Leben der Mei schen.! Auch eine unparteiische Tkeilung der Tag- und Nacht! angen schließlich würbe eine solche Welt mir den kostbarsten Bortheilen für das Wohlergehen, das Glück und die lange Lebensdauer ihrer Bewohner beschenken. Nun weiß man. daß die UmdrehungSare der Erd« mehr als 23" geneigt ist und daß wir drei, durch fpecielle K imate charakrerisir» Zonen haben. Diese verschiedenen Re ionen sind weil davon entfernt, gleichmäßig bewohnbarzu seir; auf der einen Sei» zeigt sich die Gluth am Aequator f ir die Erhaltung und die lange Dauer der Eristen;, deren Triebfedem. durch die drückende Hitze fortwährend abgespannt, sich in ziemlich kurzer Zeit i abnutzen, wenig günstig; auf der anderen Sei» ist die Strenge der Polarklima» unvereinbar mit den Functionen des menschlichen Lebens und mir den Bedürfnissen der thierifchen, wie der Pflanzenorganisation. Mit Sicherheit können wir sagen, daß der Mond und B. auch die Ringe des Saturns bei weitem besser gestellt sind. Aber der unter allen Umständen bevorzugteste ist der herrliche Jupiter, dessen kaum verschiedene Jahreszeiten noch den Boriheil haben, zwölfmal fo lang als die unsrigen zu dauern, und uns daher das Bild eines langen und angenehmen Daseins ahnen lassen. Was uns anbelangt, die wir an die Erdkugel durch Bande gefesselt sind, die zu zerreißen wir nicht die Macht besitzen, so sehen wir unsre Tage allmählich mit der schnellen Zeit, welche sie aufze'brt, mit den launischen Perioden, in welche sie eingelheilt sind, und mir jenen ungleichförmigen Jahreszeiten abnekmen. deren Antagonismus sich dis zur conrinultlicben Ungleichheit des Tages und der Nacht nns bis zur Unbeständigkeit der Temperatur auSdehnt. In allem und überall kämpft die Natur gegen den Menschen, anstatt ihn in seinen Absichten zu unterstützen. Unsere Erbe," sagt ein Philosoph unsere Zeit'), „kann durch jene einzige Tbatsache bezeichnet werden, daß wir genölhigr worden sind, die volle Landluft aufzugeden, um uns in woblkbäligere Orte zu flüchten. Die irdische Natur gewährt unS nur eine sehr schlechte Gastfreiheit: nicht allein trägt sie nur wenige ihrer Schönheiten zu Schau, die nicht rheilweise durch Häßlichkeiten verdorben sind, sondern sie versteigt sich auch, ohne auf unsere Bedürfnisse zu achten, nachdem es ihr in ihrer Launenhaftigkeit gefallen hat, uns auf einen Augenblick zu liebkosen, zu klimatischen Ercessen, welche wir nicht ohne Schmerz ertragen können.... Wir müssen uns in gut gebauten Häusern verwahren. Unsere gesamm» Industrie jedoch würde es nicht verhindern können, baß wir unS, wenn wir die ganze Ausdehnung des Erdreiches, das uns zuertheilt worden ist, benutzen wollen, entschließen müßten, dem Willen der Natur gemäß, Kälte und Hitze zu ertragen. Das ist eines der unvermeidlichen Schicksale unseres gegenwärtigen Wohnsitzes und die fundamentale Einrichtung der Erbe läßt uns keine anvere Alternative, als die, zwischen zwei Sklavereien zu wählen: entweder die Sklaverei der Jahreszeiten oder die Sklaverei der Wohnung." Fassen wir, wenn es möglich ist, die menschliche Bevölkerung, welch, die Erde bedeckt, unter einen und denselben Ändlik zusammen und constariren wir, daß diese Kugel weil davon entfernt ist, zur Zufriedenheit des Menschen zu sein, .daß die Acmutk seines Planeten ihn zwingt, den größeren Tkeil seiner Zeit zur Erwerbung von Unterhalts- Mitteln anzuwenden. Die Pflanzen, mit denen er sich ernährt, müssen gesäet, gepflegt und zubereitel werden; die Tdiere, deren er sich bedient, müssen durch ilsi^ gegen die Unregelmäßigkeit der Jahreszeiten geschützt werden, er muß ihnen Wohnungen bauen, ihre Nahrung zudereiten und sich selbst zu ihrem Sklaven machen. Allein mitten in der Natur empfängt der Mensch nicht die geringste Bei- *( M. Je an Iteynaud. Terre et Ciel. pliUoßaphie religleu#t*. p. 55 et 5!».

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