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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 2 (1865) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
2 (1865)
Date
1865-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches BolkSblatl. Zur Belehrung und Anterhaljung aufljüüjschech Gebiete Herau-gegeben Rabbiner Dr. Ludwig Phi eon ippsou in Bonn. ■ rai n < O/* C n *on dicker Zeillchrill trfdxtnt wöakllMch eint 9 iflO. 6. loOO* e u«« 1 rdlr. «imetjLdrig 7* R-r. UK v L | J nsb geivm-<erp«di«io»e» u«h«ea B, Ummer. Pret« d«» Cfabt« ran HtbantlBBAffi. yrftäatn I \J ‘HtQuBfien an. L * lahrg. 1. Quartal] Sprüche der Enkel. (Fortsetzung.) 6. In jede Liede mischt sich Eigennutz, in jeden Eigennutz Liede; in jede Tugend Fehler, in jeden Kehler Tugend; in jeden Besitz Entbehrung, in jede Entbehrung Besitz; in jede- Wissen Nichtwissen, in jede- Nichtwissen Wissen; in jede- Glauben Zweifel, in jeden Zweifel Glauben. Etwahast du, so viel dir auch mangelt; und etwamangelt dir, so viel du auch hast. 7. Etwamußt du haben, wadein Denken in Tbätigkeit setzt, etwa-, wadein Herz bewegt, etwa-, wadeine Phantasie beschäftigt. Bieter esich dir nicht, so suchst du es. Findest du enicht in dir, so suchst du e-draußen; daist vom Uebel. Wenige suchen ein großen, die meisten in kleinen Dingen; daist von n«ch größerem Uebel. 8. Die Menschen machen ein gleich großes Lärmen von dem kleinsten Unrecht, das ihnen gerhan wird, wie von dem kleinsten Recht, dafl« thun. 8. Da du so viel forderst für dich von Gott, wamm forderst du so wenig von dir für Gott? 10. Da du so viel forderst für dich von den Menschen, wamm forderst d« so wenig von dir für die Menschen? 11. Du glaubst volle-Recht zu haben, dich über einen andem zu beklagen, und siehe da — er entgegnet dir mit schweren Klagen über dich; und wundersam — rhr habet beide Recht dazu. (Fortsetzung folgt.) Die Sylvester-Nacht für All und Jung zum Jahreswechsel 186S. Wieder hat der Zeiger seinen trägen, Ewig,gleichen Zirkellauf vollbracht; Horch, da tönjsS in abgemessnen Schlägen Zwölfmal durch die laute Jubelnacht; Und im Saale stockt der muntre Reigen Und die Tänzer steb'n wie festgebannt; Allelauscht M ernstem, tiefem Schweigen, Alle Seelen fühlen sich verwandt. Sieh, da naht leim letzten Schall der Glocken, Wie au- Licht gewebt, ein hehrer GreiS; Bart und Haupthaar wallt in reichen Locken jhm um Brust und ^Nacken silberweiß. Int ein fremder, nie geahnter Schauer »eimlich durch die bangen Herren zieht, '!ie der Greisden Blick voll Kiefer Trauer, stuf die Rethen forschend nieder^eht. Seine blicke suchen huldvoll jehen. Der die seinisen zu ihm erhebt. -— j,ÄUt" — foi beginnt der Greiß zu reden, Und die Stimjne matt und traurig bebt: „Alle, die hierlauschend mich Umstehen, Haben schon in anderer Gestalt Mich, algolden noch die- Hqar, gesehen — Damals junj, heur' nennt mich jeder alt. Damaltrat ein Knabe ich in'- Leben, Hatte jedem Liebezuardacht; Aber, ach l wareichläh ich ge;eben. Hatte unzufrieden Euch gemacht: Euer Trachten stand nach andetn Reichen, Unbeachtet blieb meijt golbner Schatz, D>rmm muß/ch Euren Wünschrn weichen, Und ein andrer tritt an meinen Platz. Doch nicht zürnend will ich Euch verlassen,' Weil Ihr th^richt, weil Ihr — Menschen seid. Nicht vermögt Ihr selber Euch zu fassen. Euer Fluch ist — Unzufriedenheit". Sprach'- und eine Silbenvolkei schwebet Abwärtzu hem Greis, den si!e umschließt, Und eist, akob sich leis verwebet Molk' und Grei-, bibeideßmft zerfließt. Doch, o Wunder! wo der Griiverschwunden, Steht «in Knabe jetzt mit dloudem Haar, Und die Lösung — habt Ihr sie gefunden? Jener Greiwar das gereifte Jahr' Und der Knaibe? Nun daal Wie Ihr fahr, dem neuen Zabre Platz. Und de- Greises ferner keiner »achte, — Nicht an ihn und den verkam ten Schatz. I i >Run, dem Knaben haben sich die Herzen Aller wie magnetisch zugewand; Und bfi Wein und Spiel unt tollen Scherzen Wird auf kurz« Zeit der Harr > verbannt, i Jedem steht ein neuer Himn el offen e machte,

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