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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 1 (1865) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
1 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 zerschnitt der Tod diesen schönen Bund, und seitdem ist da- Hauunser- Freundeeinsam geblieben. Selten sprach der Historiker den Namen der Seligen au-, denn ewar nicht seine Sache, den Cultude- Herzenmit Worten zu üben; allein wann er von ihr sprach, bann war emit einem Tone, wie man von einer Heiligen redet: sie schien ihm der Typus höchster Vortrefflichkeit und besonderedelster Weiblichkeit. Einige Tage vor meiner Abreise von Frankfurt nahm ich Anlaß, ihn zu fragen, ob er kein Bild feiner Gattin besitze. Schweigend öffnete er ein Fach kn seinem Schreibtische und nahm ein Aquarellbild in Miniatur herau-. Es waren sanfte, weiche Züge, audenen Herzen-güt« und Offenheit sprachen, und die reiche Schönheit dieser Frau hatte sich noch in mittleren Zähren ziemlich gut erhalten. Ich gab da- Bild schweigend zurück und indem er es ebenfalls betrachtete, ließ er eine Thräne darauf fallen; dann verschloß er ewieder wie ein kostbares Kleinod. Seit jenem großen Verluste schloß sich sein liebebedürft tigeS Herz noch inniger an die Menschheit an und jene Werke des Segenwurden vollführt, tzie wir hier in flüchtigen Zügen umriffen haben. Vor allem blieb er seinen Verwandten in liebender Treue zugethan. Mit seinem einzigen überlebenden Bruder, der in Paris ansaßig und als Sprachlehrer und Gelehrter eineschönen Rufegenießt, stand iet im trautesten Verkehr. Die väterlichen Gesinnungen, die er seinem wackern Schwesterfohne zuwandtewurden von diesem mit kindlicher Lnhänglichkeit vergolten. Die Schwester der verstorbenen Gattin, Fräulein Wolf, stand während hieser langen Witwerfchaft dem Hauswesen ihre- Schwager» vor. Sie widmete sich diesem Berufe mit einer Hingebung, mir einer Opferfähigkeit, deren nur ein weibliche- Äemüth fähig ist. Diejenigen alle, die sich an den geistigen Schöpfungen degroßen Mannelaben, sollen es erfahren, wie viel sie dieser anspruchslos Guten verdanken. D^nn aler sein Theuerstes in die Gruft bettete, da war! es die Treue der Schwägerin > allein, die seine Häuslichkeit aufrecht erhielt und ihm frischen Muth zur Arbeit Und einen Schimmer de- Behagens am verwitweten Herde verlieh. Fräulein Wolf verbirgt unter einem wenig scheinenden Aeußern ein empfängliche- Gemüth und ein reiches Seelenleben. Ihr Urtheil ist so richtig und treffend, ihr Geschmack so gebildet, daß Zost sie in den wichtigsten Dingen um Rath fragte. Der berühmte Schriftsteller lie!ß, nach seinem eigenen Geständniß, nichtdrucken, ohne e^ ihr zuerst vorgelesen und ihr Urtheil vernommen zu ha«n. Sie besitzt einen ttoknen, gürmüthigen Humor, von be^n folgende Probe einen Begriff geben mag. Eine« Tagelehnte sie mit einer Freundin am Fenster und schaute auf die >mit Spaziergängern erfüllte Straße hinab. Es entspann s^ch folgende- Gespräch. Frl. W: Ist enicht wahrhaft Mitleid erregend ,so viele Kranke da unten zu sehen? Die Freundin: Kranke? Wie meinen Sie das, Fräulein? Frl. W: Ja nun, vor längerer Zeit sagten mir^mehre meiner Freundinnen, daß sie sich der Gesundheit halber Bewegung machen müßten. Da ich nun diese Armen noch stetvon Zeit zu Zeit hier vorüderwandeln sehe, so muß ich leider annehmen, daß sie noch immer nicht hergestellt sind. Die treffliche Dam« gehört noch ein wenig der älteren Zeit an; sie selbst ging fast n>e au-, ihr Hauumschloß ihre Welt. Mit welcher schützen! >Mt Sorgfalt sie über die Ge sundheit und da- Wodldefinder ihre- Schwager- und einzigen Freundewachte, davon ießen sich viele schöne Züge anführen. Ich war oft Zeug« ihrer Strasirredigten, wenn er sich's einfallen ließ, an emm selbst milden Frühlingsabend ohne Oberrock auSzugefen. Ihr bleibt der Trost, alles gelhan zu haben, um düs theure Lebest so lang almöglich auf dieser Seite des großen Abgrundes zurück zuhalten. Möge dies Bewußts in ihr ein heiterer Gefährte sein in der großen Vereinsamt» lg. So war der Familienkreit Jost's gestaltet, um den die Freundschaft vsin außen en en schön ergänzenden Zirkel schloß.' Seine Freundschaft, sein Vertrauen war ein Scha^/ um den man werben mußte, der ebenso schwer zu gewinnen als zu verlieren war. Zugänglich war der Mann gegen alle, wohlwollend gegen viel-, seiner Freundschaft aber, würdigte er nur eine erleseqe Schar, die freilich im Verlaufe seines reichen Lebens! bedeutend anwuchs. Sein Vertrauen war ein sanfte- Polster, auf dem man sich in Sicherheit wiegen!, auf dem man sanft .ruhen konnte. Diejenigen, die sich seiner innigeren Zuneigung erfreuten, werden diese- Glückehie vergessen. Seine Zu- Neigung war ein Kleinod, däden Begabten hoch über kleinliche Zustände!uad über die Schläge de- Schicksalerheben konnte. Äicht in Whrren, nicht in sentimentalen Versicherungen wußte er sein^ Freundschaft an dm Tag zu legen; er hattet ed»e unvergleichliche Art, seinen Glauben, seine Achtung, seine Anerkennung dem Freunde durch zahllose leiredende Beweise und Zeichen zu bekunden. Don den vielen unvergeßlichen Beweisen seine- Antheil-, deren Gegenstand ich selbst warl, möge nur einer hier Platz finden. Alich im Winter 1 859/60 einen Cyclust. von Vorlesungen über die deutsch« iikeratur der Gegenwart er» öffnete, gab sich der seltene M mn die Mühe, den Fortgang der Subscriplion in den meh rfach öffentlich aufliegenden Listen zu verfolgen z und mir f ehrlicher Befriedigung pflegre er mir dann die Zahl der neu hinzu gekommenen Abonnenten zu melden. Und aldiese Vorträge wider alle- Erwarten, dameine mit inbegriffen, zu den erfolgreichsten der Saison sich gestalteten unl der Besuch von Abend zu Abend wuch-, da war er unen lüdet, die günstigen Urtheil«, sowohl gedruckte almündliche, zu sammeln und mir zu hinterdriogea. Sein Freunde-krriergänzt sich mehr auden Reihen der Jugend alde- Alter-. Zs. mehr seine eigene Bahn c bwärtging, desto mächtiger zog eihn zu jüngern I Geistern hin, um so den Adsta ib zwischen der Jugendfrische sine- Herzen- und Geisteun> dem winterlichen Gange stine-Lebenzu Überdrücken. Von feinm Cvllegen an der Schule waren eeinige der jü lgeren, mit denen er vorzugsweise verkehrte, alder wackere Blum und vor allem Dr. Ludwig Oel-ner. Diel er treffliche junge Gelehrte, dessen Freundschaft auch ich unter den Gewinn meinefrankfurter Aufenthaltrechne, hatte in der historischen Literatur mit vielem Glücke Vebutirt. Verwandte Bestrebungen und «ine feine clafsische Bildung r lachten ihn dem berühmten Historiker al-bald werth, u«! ich begegnete ihm oft im Jost'schen Zirkel. — Die Jugend ist nun einmal der noch

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