Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 1 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 freie Boden für alles Hohe und Schöne, und daru a auch für die Freundschaft. Im höherenAlter lernt der Keusch meist )u willig leider sein Haupt und seinen Geis unter das Joch der Nothwendigkeit deugen. Selbstsucht »nd Unfreiheit »heilen sich in jenen Tdeil feines Wesens un v feiner Kraft, welchen er dem Guten, dem Jbeal,her Gottheit Ichulvet. . Außer den Odengenannten stand er noch m!t dem Oberlehrer vr. S tern und dem ReligioaSlehrer vr. Jakob Auerbach in einem innigen FreundschaftSverkehr. Die Beziehung zu dem als Pädagogen und Schriftsteller rühm, lichst bekannten Dr. S. Stern hatte sich schon in Berlin, Jost» früherem Aufenthaltsorte, gebildet. AlS der Geschichtschreiber im I. 1835 den Ruf nach Frankfurt erhielt, übernahm Stern die bedeutende von I. gegründete Erziehung»- anstatt, die er an erweiterter Gestalt forrführee. Mit dem wa. ckern Auerbach verband unseren Jost schon di« gründliche Kenntnis b«S jüdischen AlrerrhumS, die jenem Gelehrten eigen war. — Dem Rabbiner Stein war und blieb er ein treuer Freund und hatte für das treffliche Wirten dieses vielseitigen Geistes sowie für de» ManneS schwierige Steßung daS rechte Berstanbalß und die rechte Anerkennung. Den gelehrten Schriftsteller Kirchheim und den gründlichen Archao ogen Nr. E. Carmoly kannte und schätzte er. AuS dem nabe» Offendach zählte der wackere vr. Formstecher zu feine, nähern . Freunden. ES würde uns zu weit führen, wogten wir feinen zahlreichen Kreis einer genaueren Musterung unterziehen; nur ein mäßiger Tdeil desselben ist uns überdies persönlich bekannt. Der weite Gesichtspunkt, >vn dem au» der Edle alle Verhältnisse betrachtete, und > rin toleranter Sinn verbanden ihn mit Geistern de» versi »iedensten Inhalt» und Gepräge». Jeder Stand, jede» isteschlecht, jede» Bekentniß und jede Richtung waren in sei! lem Zirkel vertreten. So vereinigte ihn z. B. gegenseitige \ Zeredrung mit dem ehrwürdigen schriflgelehrren Greife, bew al» Hebräisten und Halachisten vortbeil.hafr bekannten Salomon Geiger, dem Bruder de» Rabbiner? Dr. Adraban Geiger, odschon ihn von de» erster» streng gläubiger Ril ttung. eine Welt trennte.— Man kann wohl sagen, in der l terarischen und wissenschaftlichen Sphäre Frankfurt», wo man seine harmlose Natur kannte, hatte er kaum eine » Gegner; und da» will viel sagen bei dem reizbaren Völichen, öa» die Feder führt — dem geous irritabile ratuni. E» läßt sich bei all dem nicht leugnen, drß in.den letzten Jahren seiner Laufbahn sein gesellige» Leben nur rin spärliche» war, mir seinem großen geselligen Talente verglichen. Daran war die döse Harthörigkeit schuld, die. ihn mehr gtt billig von den Menschen entfernte und — wie e» diesem Gebrechen eigen ist—eine leicht« Woike von Mißmulh über sein sonnig klar,» Wesen breitete. Gleich allen Harthörigen setzt er eine Eitelkeit darein, ^en Mangel nlchr zuzugestehen; — dieser allgemeine menschliche Zug soll auch bei andern Kehlern aagelroffen weben. Die Versammlungen gelehrter Gesellschaften, Borke ungen und dgl. besuchte er in der letzten Zeit nur spärlich. Al« ich ihn einmal fragte, ob er ben'Sitzungen de» beutschen Hord- Itifr» deizuwodnen pflege, antwortete er mir: „J ch hin zu alt für dergleichen; wo soll ich die Zeit hernehmen s Und dann. zum Kuckuk, wa» hilft'», wenn man hingeht; die Leute sprechen so undeutlich, daß man kein Wörtchen versteht; sie sind zu träg, den Mund aufzurhun!" Römischer Kalender, ' frei nach Goethe. (Au» dem Kladderadatsch-Kalender für 1865.) Wa» reitet so spät durch Nacht und Wind? Ein jüdischer Schuster mir seinem Kind; Ec hält den Knaben wohl an der Hand, Sie reiten auf Schuster» Rappen seldand. Mein Sohn, wa» birgst du so dang dein Gesicht? Siehst, Vater, den dunkeln Mann du nicht? Den dunkeln Mann dort in schwarzer Kutt? — Mein Sodn, eine Eule sitzt auf dem Schutt. — Du liebe» Kind, komm, geh' mit mir! Ein feine» Spielchen spiel ich mit dir!. Ich will dich kaufen, schnell, ohne Schmerz, Ich will dir kaufen Bonbon», mein Herz." — Ach Vaterleden, und hörst du nicht, Wa» mir da» dunkle Männlein verspricht? — Sei ruhig; es weiß ein jüdisch Kind: Wa» jene versprechen, ist eitel Wind. — „Willst, Michel Cohnchen, du mit mir gehn? Du sollst, mein Söhnchen, e» haben schön. Du sollst an Bonbon» dich essen krank, Mit PeterSpfennigen leg' ich dir Bank." — Ach Vaterleben, und siehst du nicht dort, Wie'» blinker und winket an heiligem Ort? — Laß dich nicht täuschen, mein lieber Sohn; Da» sind die Franzosen im Vaticohn. — Michelchen Cohnchen, und kommst du nicht bald Freiwillig, dann lauf' ich dich mir Gewalt!" — Ach Later, der Dunk'le kriegt mich beim Schopf! Jetzt gießt er mir Wasser auf den Kopf' — Der jüdifche Vater reitet geschwind, Von der Hand verliert er sein christliche» Kind. Am Morgen schon war Guiseppe Cohn Eine europäisch berühmte Person. Berann > ***tla^ von f i u t Allgemei ue Zeitung de« Judentbumo. Sto. 53. U-64. Inhalt: Leitende Artikel: Tag und Dauer. — Zer« streute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Preußen: Berlin, Bon der Elbe. Oesterreichischer Kaiserstaat: Lemberg,Treviso.Wien.Prag. Frankreich- Pari«. Amerika: Philadelphia. Mchmond. __ Zu beziehen durch jedesPostamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vienetjadrlich 5. Tbaler. örtlicher Redacteur: K. Fritzscbe. m Leivn« - tratf trn u» * x tt lins in tmu*