Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 53 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 3)
- Language
- German
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setzen, einige von. uns find gefall«, Rache, Rache, sie alle müssen sterben!" Aber Vie Anführer geboten Schweigen, um zu hören, tp<M man ihnen entbiete. Hören auch i^ir, was die Abgesandten sprachen. Das Gimmel erhob seine gellende Stimm» und rief der etwas bnntfcheckigen Schar der Griechen, vor der es hielt, zu: „£>, auch ihr, Hellenen, auch ihr seid uns feindlich gesinnt? Von euch, ihr großherzigen Söhne des Alterthums, haben wir dies am wenigsten erwartet! Seiihr und wir doch die wahren Abkömmlinge der heroischen Zeit. des Menschen» geschlechtes, und nur mir Heide haben uns nicht erniedrigt, den geschwätzigen und verworrenen Sprachen der neueren Völker zu dienen^ wie es die Römlinge, Araber und Perser gethanr Und sind wir nicht stammvetwandr? Oder viel» mehr, seid ihr nicht unsre Söhne? Habet ihr nicht unsre Ordnung beidehaLten, und zeichnen wir beide uns nicht durch Buchstaben aus, welche die andern, darum unvollkommenen, nicht! besitzen l Erinnert euch nur eures 3«ta (£), ßta'(*?', Theta(i-), die unser Sain(r)^Cheth(n) und Terh io) sind. Schquet auf mich, bin ich nicht euer Gamma (/) und nehme wie dieses die dritte Stelle ein, während die andern uns cius' unserer Stell, verdrängten und sie mit dem dummen c Ibesetzten, von dem niemand weiß, ob es z oder k ist. Gedenket der Schmach und Knechtschaft, welch« die Völker eurer einst freien und glänzenden Nation aaqethan, wie sie tuch und uns mit dem Schutt der Vergangenheit begruben, aus dem wie erst mitsammen vor wenigen Jahrhunderten wieder erstanden. Haben wlr doch nur Ein Interesse, Eine Sache, die Freiheit der Unterdrückten. So sprach!das Gimmel zu dem leicht beweglichen Völkchen der ^Griechen, das mit Staunen dem Red» ner zuhörte und sich wieder einmal nach der Pnyx (Markt) von Athen zurück versetzt glaubte. Anderdas Waw. Steif ciufg,richtet, nur mit vorgebeugtem Kopfe schritt es langsam an die Lateiner heran und sprach mir einer tiefen Stimme, dir man der hager» Gestalt gar nicht zugetraut hätte: „Ihr mächtigen Söhne von Rom, die ihr wie eure Väter die Herrschaft der Welt euch errungen, daß, so weit die! Sonne auf- und nkebergeht, ihr euch alle Sprachen und damit alle Völker unrerthan gemacht; nur die Barbaren da drüben, die Deutschen, widerstehen euch noch, und obschon ihre Gelehrten selbst ihre deutschen Schriften mit euren Lettern gesetzt zu sehen lieben, weil sie dadurch eine^ gelehrteren Anstrich zu haben glauben, oder meinen, andere Völker werden dann leichter ihre unverdaulichen Wirke lesen, versagen euch dennoch hartnäckig die Anerkennung und den Sieg! Warum verbindet ihr euch mir diesen in so unnatürlichem Bunde, daß sie glauben müssen, ihr könnet nichts ohne sie ausrichken und die Adler eurer Legionen müßten sich schmachvoll verbergen, wenn sie sie nicht vrrtheidigten. Und zu welchem Zweck? Um dakleine Häuflein, dadrüben im Mondschein schimmert, zu verderben? Ist dies ein Werk des Römers würdig? Glaubt ihr, wir würben euch Widerstand geleistet, euch nicht willig gehuldigt haben, wäret ihr allein gekommen und hätten wir!nicht die rohe Gewalt der plumpen,Barbaren fürchten müssen.? Nein, das ist eurer nicht würdig, und euer großes Herz wird nicht so Kleinliches wollen I War doch Rom di« [ Freistadt aller Völker und ihrer Götter, und auch unfern Vätern verliehen die euren das römische Bürgerrecht, dft höchste Ehre des AlterthumS!" Endlich das Sai». Man hgtte es gewählt, weil es mit seine« schnörkeligen Stamm am ehesten der Gothis der deutschen Typen glich und man hierdurch einig« Einwirkung auf die deutschen Lettern zu machen hoffte. In tänzelndem Schritt trat es auf dt» kräftigen Haufen der Deutschen hin, machte «ine demüthig« Verbeugung und sprach dann in seiner zischelnden Äelse: Ei, meine Herren Deutschen, wo finde ich euch hier? Ja, immer und überall erkennt »an eure grade und biederst Gesinnung, euer offenmüthiges Handeln, das darum her Schlauheit und. List so oft z»m Opfer fällt. Von such ist jehe Ränkesucht ' und Jntrlgue so fern, daß ihr dergleichen gar nicht vorausfetzl und darum nicht durchschaut.. Kennt ihr jene falschen Italiener da brüdien nicht, die ejich, das Reich und den Kaiser so oft hinter das Licht geführt und ihnen so unsäglichen Schaden gebracht? Wem gebühret die Herrschaft der Welt, wena nicht euch und euren tapfer» Schwertern? Und wer besitzt sie? Haben jene stkomanen euch nicht verdrängt und geschwächt, Provinzen >,uch entrissen, selbst eure nächsten Verwandten, bi« Holländer und die im Norden euch abtrünnig gemacht, baß die Schwede» und Dänen sich jetzt ihrer Lettern bedienen, ihr aber nur noch auf das Herj von Deutschand beschränkt seid. Wo müßtet ihr also zu finden sein? Nicht auf der Seite aller schwachen und bedrängten Nationalitäten? Müßtet ihr nicht diese zu euren Bündesgenoffen machen, um so den ehrgeizigen Plänen der Römling«, eine neue Univers^lherrschaft zu gründen, einen unüberwindlichen Damm «ntg^en zu stellen? Wollet ihr eure ewigen Feinde noch mit eurem Herzblut« nähren und stärken? Und wie? Habt ihr nicht erst gestern ein großes Werk' eines eurer größttn Gelehrten „die Geschichte der Toleranz" gesetzt, in welchem er vie schwierige Frag« beantwortet: ob Adam im Paradkefe gegen die schwächer» Geschöpfe schon Toleranz geübt, obgleich die Eva über die Stich« und Bisse derselben geklagt habe? Wollet ihr mm dieser selbigen Toleranz, die ihr gestern den Völkern gepredigt, heute so offenbar ins Gesicht schlagen? Das könnt ihr^ nickt, ihr biedern, redlichen, Wahrheit und Treue liebenden Deutschen!" — Nun, was für eine.Wirkung brachten' dies« trefflichen Reden der hebräischen Abgesandten hervor? Die vorderen Reihen der Griechen lauschten entzückt den wohltönmden Phrasen de- Timmels und hätten sich wohl von ihm überreden lassen. Aber hinter ihnen wimmelte «S von dem lumpigen Pöbel der Neuheiten««, bi« von Plünderung und Raub getrökimt und schrieen: Hinweg mir dem Juda-! Nieder mit den Feinden des Kreuzes^' und sie drängten sich um die Phalanp ihrer Altvordern herum, um gegen das Lager der Hebräer zu rücken. Auch die Lateiner stutzten nur eine kurze Zeit, dann hörte man aus ihrer Mitte den Ruf: „Die Römer verhandeln mit dem Feinde nur im Herzen ihrer Hauptstadt! Nieder mit den Puniern!" Und schon setzten sich ihrd ersten Reihen wieder in Bewegung. Rur bei den Deutschst» hatte das kluge Wort des Saln Gehör gefunden. Ihre Führer traten zu einer Berathung zusammen. Gefüllt« i Krüge wurden ihnen gereicht und rasch auf das Wohl!des einigen Deutschlands geleert. Dann begann man sich zu räuspern und lange Reden zu halten, wie man es auf Reichstagen und Na» (jonaiversammlungen gewohnt ist. Dakluge Jad hatte die Augen überall und schnell seinen Entschluß gefaßt. Es deckt« den Rücken seine- HeiereS gegen da» hellenische