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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 53 (1864) · p. Seite 210

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
53 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 210 (sequence 2)
Language
German
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210 Fremden, die und auunserm Bitze verdrängten, die »ns die Tunst unserer Herren entziehen, wawollen sie u »ter und? Seht, sie nehmen ununser Brot und unsre E)re. Sie haben sich eingeschlichen und drängen sich vor. . Bit wollen und unterdrücken und dest^ohn unserer Arbeiten an sich reißen. Und es sind doch nur» erbärmliche Dir ger, langweilige und ungestaltene Formen, ohne Schwung, t hne Steigung und Senkung, Knechte, von denen allen nur rin einziger über die Linie sich erhebt. Wie heißen sie tmn eigentlich, die zudringlichen Wichte?" — „Hebräer r>, nnt man sie," riefen andere, „schmutzige Kinder de- Morienlandemit echt orientalischen Physiognomien, krumm, »der gradlienig zum Entsetzen. Und was ihre Armuth am mei ihn bezeugt, alle diese Buchstaben fintr nur Millauter, veil kein freier undlebendiger Trist -in ihnen. Um sich zu helfen, stellen sie für die Docale Punkte und Strichet hen unter sich, ei« armselige Hilfe. Wir dürfen sie richt dulden. Unsre vereinten Kräfte werden sie zerschmettern, daß, wenn der Morgen kxmmr, sie draußen auf den Keh> icht geworfen werden." So sollte ver Kampf beginnen. Man halte sich ,er» einigt und einen Plan entworfen. Die größten und stärksten Lettern sollten die Angriffskolonnen formiren, daklei lece Volk nachsturmen, das alte, auscanzirle Zeug, dain Nebentästen gesammelt wird, sollte als Geschoß dienen. Von allen Seiten wollte nun.mit einem Male Hegen dakleine Häuflein anrücken. Oer Erfolg schien keinen Au >enblick zweifelhaft; die Menge mußte sie erdrücken, di« Schwere ihrer Gegner sie zermalmen. Glücklicher D eise war der Haß »nd die Kampflust so groß, daviele die Angriffdzeit nicht erwarten konnten und bereitbald hier bald dort die ersten besten Stucke in die Kästen der schl am» mernben Hebräer hinein schleuderten. Diese erwachten, er» hoben sich von ihrem Lager, schauten sich um und gewahrten an den Wunden der Ihrigen und an der Bewegung draußen, waihrer warte. Hatte doch bieFu:chk, dje trübe Ahnung, der Zweifel an ihrer Sicherheit an ii rem Lag;r gestanden, daß sie, so unwirsch geweckt, leicht die Vorgang« errirthen. Al-dald hielten sie Rath. Schon sah mgn die Colonnen der Feinde sich bilden, schon f ogen der rödtlichen Geschosse immer mehrere herein. Wat beginnen? Vor allem drängte esich auf, daß man sich zum Widerstande rüsten, daß man Muth und Ausdauer wenigstenzeigen müsse. Aller Blicke richteten sich auf das Lamed (b), alden einzigen Buchstaben, dessen Haupt über di« Reiben sich hinaushedtK Er sollte der Führer der Feldherr sein. Aber da hatte man fehlgeschossen; sein «einer Kopf auf dem langen Halse war völlig verwirrt undlrakh« los; blöde blickt« er von seiner Hohe herab, um so erschrockener,!< mehr ec die Anzahl der heranrückenden-Feinde «J und überblicken konnte. Die unglücklichen Bewohner Dieser hochgelegenen Kasten, in welche sie ohne ihre Absich! und ihren Willen gebracht worden, sahen sich rathlos u nher, denn darin waren sie stillschweigend einig, baß sie ihren gebornen Führer, das Aleph (re-, nicht zum Feldherr a gebrauchen konnten; dazu war er zu beschränkten tzeistes im breitgestaltelen Körper und machte feinem Namen „der Stier" zu viel'Ehre. Schon wollten sie sich verzweifelnd in ihr Schicksal ergeben, aldakleine stamm- und fißlose Jad (■’) auf einige große Durchschüsse sprang, und seine Brüder mir seiner spitzen, aber durchdringenden Summe hacanguirte: Brüder', verzaget nicht! Höret auf meine Stimme! Ich will euch anführrn, ich will euch in den Kampf leiten und mit euch siegen oder sterben. Ihr kennet mich. So gering meine Körperkräfte, so laut spricht der Geist in mir, der von oben kommt. Bin ich nicht der erste Buchstabe des heiligen, unaussprechlichen Namen- Gottes? Bin ich nicht der erste Buchstabe unseregeheiligten Volt-namrn- und dessen, der diesen zuerst trug (3P5')? Ja, auch der Name de- Stamme-, «ach dem wir jetzt alle genannt werden (mim), beginnt er nicht mit mir? Also wohlan! Höret, waich rathe*. Bilden wir vor allem ein feste- Ouarre; in die Ecken die geschlossenen Buchstaben, das Mem und Schlußmem (D, td), das PH« (s) und Samech (o); in dazweite Glied die langen Lettern, da-Kuph(p), da- Schlußchaph (*j), Schlußnun (i) und Schlußzadik (/). Auch wir haben Geschosse, unsre Dorale und Accente dienen trefflich dazu, und wenn sie an Größe und Wucht denen unserer Feinde nachstehen, so werden sie durch ihre Häckchen' und Spitzen um so tiefer in das Fleisch unserer Gegner eindringen. Haben wir eine Zeit lang kräftigen Widerstand geleistet, dann schicken wir Parlamentäre aus mit weißer Flagge; ich will sie schon instruicen, und es müßte uns schlimm ergehen, wenn wir nicht Zwietracht und Streit unter unsre jetzigen Feinde aus» säeten. Für alle Fälle aber vertrauen wir der himmlischen Hilfe, die dem Unschuldigen stets beisteht und die unser Volk aus so vielen Gefahren und Nöthen errettet har. Auf diese Ansprache faßte alles neuen Muth. Dakühne Jav sprang auf den Kopf des riesigen Lamed und. rief von hier aus feine Befehle aus. Alles ordnete sich, trat in Reih und Glied, griff zu den Waffen. Jetzt rückten die Feinde näher an. Mir lautem Kriegsgeschrei stürmten sie über die Scheidewände, erblickten aber mit Erstaunen, daß sie festen Fußes und wohlgeordnet empfangen wurden. Die Geschosse flogen hin und her und die Schärfe und Schnelligkeit derer, welche die Angegriffenen schleuderten, brachte bas feindliche Heer zum Stillstehen. Aber freilich, das kleine Häuflein litt unsäglich. Gleich anfangs wurden dem Schin (v) und dem Sin («) alle ihre drei Köpfe abgeschlagen, dem Daleb (n) sein spitzer Höcker, daß er feinem Bruder Resch (1) zum Verwechseln ähnlich ward, dem Bet (2) und dem Chaph (s) fuhren die Speere in die offenen Seiten und veldlichteten ihre Hagesch, dem Aln (?) und dem Zabik (2) wurden ihre Kronen verstümmelt. Schmerzensruf und Wehklagen erhob sich von allen Seiten ,und die Niederlage und der Untergang aller schien nahe. Da hielt das kommandirendr Jad die Zeit für gekommen, wo ein andrer Weg eingeschlagen werden müßte. Es erwählte drei Boten/ das Gimmel (a), das es zu den Griechen, die vom Rücken her angriHrn, schickte, das Waw (1) zu den Lateinern von rechts und des Sain (0) zu den Deutschen von links. Es wies sie an, wie sie reden und sich benehmen sollten, und entließ sie mit seinen besten Wünschen? Lodesmuthig schritten die wackern Abgesandten aus den Gliedern hervor und mit weißer Flagg« winkend naher an die feindlichen Haufen. Als diese sie erblickten, hielten sie einen Augenblick im Kampfe ein und schrien siegestrunken: „Ha, sie wollen sich ergeben, die Feiglinge find des Kampfes müde; aber sie sollen keinen Pardon haben; sie haben es gewagt, sich uns zu wider-

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