Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 53 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gesindel durch einige Schwerbewaffnete und galvppi^te dann auf seinem Lamed auf den höchsten Punkt de« gau ea. Palte«. E« halt« sich bazu daungeheure Lamed oa« dem Titelblatt« eine« Folianten gewählt und nahm^I ch daher von der Höh§ diese« Recken ganz stattlich au«. Da m rief e« selbst mit Mächtiger Stimme au«, wie sie so »ft in ejnem kleinen Körper wähnt, wenn di, Brust nur;e* räumig und die Lunge gesund ist. „Brüder, Freun»«, Genossen, wollet ihr denn wirklich, daß wir alle im drud rmörderischen Kampfe fallen sollen? Bedenkt doch, wa« uu'er wartet! Wenn morgen früh unsre zweibeinigen Herrm kommen und sehen die Vernichtung, die wir aogerichet. selbst die vielen Leichen und Verwundeten, und wie mir a le, die lebend und gesund geblieben, dadurch unbrauchbar jeworden, weil so yiele fehlen und verstümmelt sind, so nehmen sie un« alle, Hebräer und Griechen, Latemec und Deutsche, und verdammen uns zum qualvollsten Feuertode... Wir werden ln deü Schmelzofen geworfen, da« Feuer ergreift un«, unsere Hlieder zucken und sprühen unter unsc glichen Schmerzen, ^»ir verlieren unsre Gestalt und werdm zu Einer flüssigen!Mass«, die dann wieder in die Form m hineingegossen und! gepreßt wirb. Wa« dann unser Schi ksal fein, al« wa« jeder von un« wieder hervorgeh n werde, liegt im dstnkeln Schoße der Zukunft. Die« wild unser aller Schicksa« sein, wenn wir den Kampf fortsetz«,, nicht wir, nicht iht werbet ihm ntgehen! Diese Rede braute die tiefste Wirkung hervor. Schreck u und Angst bemächsgten sich de« großen Haufen«. All, r- ^biog« gab es noch »viele, die, von Kampflust ergriffen oder von Haß gegen di^ armen Heoräer erfüllt, die- Schlaft fortsetzen wollten, 4« folge daraus, was wolle. Dadurch entstand eine groß« Verwirrung, allegerieth unter eir» and/r und niemand konnte da« Ende absehea — al« l er Mond eben hinter dfm Dache d«S gegenüberliegenden Haus 2 verschwand und völlige Dunkelheit wieder eintrat. 3<}t konnten Freund und Feind sich nicht mehr unterscheid a und jeder mußte ruhig auf dem Platze bleiben, wo er sch gerade befand. Al« am andern Morgen die Setzer wieder in denScal traten und zu ihren Pulten gingen, fanden sie die h« U loseste Unordnung. Sie konnten natürlich dir Ursache ni ht wissen Und nur die Lehrlinge trugen Scheltwort« u >d Stöße davon, weil sie, wie man voraussetzte, nicht auf er räumt oder bei ei^er harmlosen Balgerei die Unordnu >g bewirkt hätten. Mit vieler Mühe ordnete man di« Lette n in ihre Kästen. Am selbigen Tage wurde da« hedrais), Werk, für welche« man die L.ttern dieser Sprache an d n hervorragenden Platz gebracht, beendet, und sie wurden, um irgend einen gelegentlichen Gebrauch von ihnen zu mache», an verschiedenen Ecken und Seiten vertheilt untergedraä t. Somit war die Ursache de« Kampfeau« dem Wege < t* räumt, und wenn auch bisweilen hier oder da eine örtlii )e .Rauferei gegen sie entstehen sollte, konnte doch ein all; er meiner Krieg gegen sie nicht wieder geführt werden. Curiosum. Berlin. Die Montag«-Ztg. erzählt: „Ein polnischer : Zud«, dessen Aeußere« keine«weg« auf Reichthum schließen ließ, erschien vor einigen Tagen in einer Conditorei, ließ sich.eine Taffe Chorolade geben, trank, bezahlte und entfernte sich. Ein in der Conditorei beschäftigte« junge«! Mädchen fand gleich darauf unter dem von diesem Gaste ianegehadten Stuhle ein weißet Läppchen und darinzu ihrem Erstaunen einen 25-Thal«rscheia. Nicht lange darauf er« schien denn auch der Jude wieder, nach etwa« suchend. . Da« Mädchen, al« e« die« bemerkte, fragte ihn, ob er etwa« verloren habe, und holte dabei da« Gefundene hervor. . Der Fremde war über die Ehrlichkeit de« Mädchen« hoch erfreut, er hatte so etwa« in Berlin nicht erwartet, um so weniger, al« er nicht der einzig« Gast gewesen war. In Anerkennung dieser Handlung schenkte er der Finderin 25 blanke Thl., die er einzeln aus der Tasche hervorholte.! Die Erzählung klingt sehr romantisch, ist aber vollständig 1 authentisch." Anekdoten. i I (Aus dem Kladderadatsch»Kalender für 1805.) Wissen Sie, Herr Kohn, was für'ne Sorte Menschen ich , beneide auf so'ne Hochzeit- Nu? — Die Musickannten' Die können doch wenigstens ohne Mu sik essen. Ephraim (ruft über dieSlraße weg). Jtzig! — Jtzig! Der Angerufene (kommt zu ihm heran). Wieso kennen Sie mich? Ich heiß doch gar ni^ch so! — ' EikeleS. Aber sagt mir' mal, Rebb JeikeleS, wie kann Euer Rabbiner von einem jährlichen Gehalt von 150 Poln. Gulden leben? Jeiteles. Er kann auch nischr leben davon. Er wäre schon längst Hunger« gestorben, hält' er nischl gefaster die ganze Wocb' von einem Schabdi« bi« zum andern. All gemeine Zerrung de« Iudentdum«. No. 52. It64. Inhalt: Leitende Artikel: Zerstreute Bemerkungen. — Literariicher Wochenbericht. — ~~~ Zeitungsnachrichten: Deutschland: Darmstadt. Preußen: Au« Lberschlefien. Berlin, Breslau, Königsberg. Berlin. Oesterdeichischer Kaiserstaal: Bonn, Wien, Wien. Frankreich: Pari«. Dänemark: Kopenhagen. Ostindien:. Bombay. —t- Torrespondenz: Jüdische Briefe von Albert Cohn. III—V. yy Au beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Tbaler. vierteljährlich \ Dhaler. Verantwortlicher 9 edacteur: 8. Fritzföhe. Vertag vo»Va»»,trt,er'« «mimifi is Leivp, — Xxxtf »»» w. »r«»ti»g i» Leivüs *