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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 53 (1864) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
53 (1864)
Date
1864-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches BolMlatt. Zur j Belehrung iinö UnterhaNuug auf jüdischem Gebiete. Herausgegeben von j Rabbiner, vr. Ludwig Philippsou in Bonn. , j sNo. 53. 1864.H Vov dicker Zrtljchritr erscheint wöchentlich ein« Nummer. Prell de« Jahr» «an«« l rhlr. L-ienrtjäbrig 7 '4 Stgr. Ave vuLbaudlunscn. Postämter und ZeirnNgserveditiönen nehmen vesteünnge» an. ^11. Zskrg. 4. chusrtsl.^ Zum Schluffe des Jahrgangs. So stehen wir abermals an dem Schluffe eine- Bandedieser Zeitschrift. — Eist nicht die schönste Zeit de- Jahre-, in der diegeschkrht. Der Himmel ist grau, die Flur öde, der eistge Ostwind weht über Berg und Thal. Wie viele Landschaften mögen bereitin daschneeige Leichentuch, wie viel« Ströme in den Ei-bann geschlagen sein l Aber wathut dieuns? Wenn nur die Liede in upwohnt, die von innen heraus erglüht, die Gottesfurcht uns die Welt in unverweltlicher Schöne aufbaut, ein genügsamer, heiterer Sinn uns überall Freuden schafft; wenn nur die Arbeit täglich ihre Aussaat und ihre Ernte hält, bald unfern Blick bald die Hoffnung in die blaue Ferne trägt, bald der Genuß im Schoße der Unsrigen, in Kunst und Wissenschaft in die nächste Nähe zürückruft! wenn nur die Religion ihr erhabene- Heiligthum ungeöffnet hält, wir hineinlrcten und unheiligen, heule, morgen, alle Tage — dann ist da- Werk unser- Lebens immer schön, immer edel, immer voll duftender Blüthen und erquickender Frücht«, immer von goldenem Sonnenschein um» stoffen und von lindem Zepbvr umstüstert. In diesem Sinne ist uns da- Draußen sehr gleichgiltig, und da- Drinnen bedeutend, hoch, heilig. Zn diesem Sinne beenden und beginnen wir wieder unser Wert. Solchen Sinneerachten wir auch Euch, liebe, wohlgeneigte Leser; denn nur 'so gibt e- und empfängt esich rechr, und eint sich unser aller Theil zum Segen. — Wie wir in der verflossenen Zeit dieses Blatt nach seinen engen Grenzen zur Belehrung und Unterhaltung wechselnd eigneren, unsre Leser bald durch di« Hallen der Geschichte, bald durch die Räume de- Weltalls führten, dann wieder durch Erzählungen den Einblick in da- Leben öffneten, oder auch in heiterem Scherz dem Gemüthe Aufschwung zu geben versuchten, immer aber auden unerschöpflichen Schätzen jüdischer Bergangenheir und jüdischer WeiU-eit. jüdischen Familienleben- und jüdischer Sitte da- Beste, Lehrreichste, Bildendste zu Heden unbemühten: so soll e-auch in nächster und, so Gott will, weiterer Zukunft geschehen. Es liegen unhierzu bereitinteressant« Materialien vor, welche auch den kommenden Jahrgang zu einem inhaltsreichen und anziehende« zu machen verspreche«. Möge die Theilnahme unserer Leser eine unverminderte-bleiben und unden erfreulichsten Lob« für unsre Bemühungen durch ihren Beifall und ihr Wohlwollen gewähren! Der Kampf unter den Lettern. Ewar dunkel in der Offizin, di« Setzer hatten ihr Tagewerk vollbracht, ihre Werkzeuge ni«»«rgelegt und de» Saal einer nach dem andern verlaffeo. grenzenden Raume waren die Schnellpre versetzt worden.. Einige Lehrlinge hat! Auch in hem aasen in Ruhestand rn die Ordnung wieder hergestellt, alle- Umherliegende aufgeräumt und die Ga-röhren zugeschraubt, so daß völlige Finstrrniß eingetreten. Stunden waren vorüdergegangen ohne das mindeste Geräusch, ohne irgend ein Zeichen von Leben. Gegen Mitternacht stand der Vollmond den Fenstv» de- Setzersaalegegenüber und warf sein silberne-! Licht hinein, daß die Lettern in ihrem eigenrhümlichen Glanze erzitterten. Bei diesen Strahlen kam einige Unruhe ln die wohige» ordneten Kästen; viele der erzeneu Typen richteten sich auihrer liegenden Stellung auf, murmelten! mit ihren Nachbaren über die Scheidewände hin, und egeschah sogar, daß einige, über diese hinwegkletterten und al- Boten von einer Reihe in die andere liefen, didie Aufregung eine' allgemeine geworben. Da- Geflüster und Gemurmel erhob sich dizu mächtigem Geräusch, wie ediese dunkelen, beräucherten WäNbe wohl lange nicht gehört; denn die Stille ist daoberste Gesetz in den Sälen jeder Druckerei. Wa» war enur, dadies« so beredten, aber doch, stummen Dolmetscher de- Geiste-, diese sonst so schweigsamen und nur in jhrem Schweigen die Welt mit ihren Klängest durchrauschenden Söhne der Sprache in Bewegung und Feuer gebracht? Wie? Sah manhier nicht die feindlichsten Lettern mit einander ronferiren, deutsche und lateinische, Cicero und Antiqua, große und kleine, alle verhandelten mit einander auf- - lebhafteste und schienen ein gemeinsame- Unternehmen zu Kerathen. Die Blicke auallen Kästen waren nach einem Punkte gerichtet, und die-vrrr§th un«, wovon wohl die Rede, wech wohl di« Verschwörung gelte, die sich hier anzuzettelst schien. In der Mitte deganzen'Pultewaren einig« ILstev mit neuen und darum um so schimmernder«« Typen bian den Rand -—7 gefüllt. Die Bewegung war vor diesen stehen geblieben; mir ihnen sprach niemand; keiner der Boten und Aufwiegler war zz» ihnen gekommen; eine unheimliche Stille lagerte über ihnen, die mit dem Hellen Glanze, welchen die Mondstrahlen Über die blanken Lettern dieser Kästen goß, um sck mehr contrastirte. ES war offenbar, daß der Grimm der ganzen Menge gegen diese gerichtet war, und bald konnte der Lauscher eS auch mitten qu» dem Geräusche deutlich vernehmen. WaS wolle» diese Eindringlinge, diese

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