Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 50 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 2)
- Language
- German
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198 Cardinal 8i1ive« f>at 1500 ein Kloster für Nonnen ge gründet unrer Anrufung der Pönitenz. Im Zähre 1690 verwandelte man ti in ein Oratorium; rin solches blieb eS diS 1794, wo es jU einer Casirne profanirt wurde; 179!l befahl Von Vicente Dominique de Prado, General der Pro> inz, es zu restauriren, um ein so kostbares und antike- Moniument für die Nachwelt zu erhalten." Heute dient eS nur noch dazu, die Neugier der Reifenden zu befriedigen. Rechts über der Eingangspforte der Kathedrale von Toledo befindet sich «ine spanische Inschrift, in welcher Gott gepriesen wird für die Einnahme GranadaS aus d>a Händen der MaUren im Zahre 1492. Ende Zulk, eißt es dort, wurden all« Juden aus den Provinzen Ka ialienS, AragonienS und SicilienS getrieben. So mischen dem Geiste der Inländer die Erinnerung an die Herrschaft der Mauren und diejenige der friedlichen Abwesenheit unserer Vorfahren. Ich begab mich auch nach dem Escurkal. Schätze für,unsre Geschichte und unlre Literatur fitd dort vergraben! 30,000 Manuscrivre befinden sich dor, und unter den 6,300 Unis sind mehr als 700 heiräische. Es bedarf einer Erlaubnis des Präsidenten dieses ä losters, um den Lesesaal zu besuchen, und einer andern, welsche sehr schwer zu bekommen ist, um dort zu studiren und zu machen. Ein gewisser Copinger. ein Deutscher, einigen Zähren den Katalog der hebräischen Manlrscriple gemacht, aber man sagte mir nicht, ob er gedruckt ist. Zch habe dies von Herrn I. G. Braun, au« D ürtemberg, Professor des Hebräischen in Escurial, welcher Lehrstuhl seit kurzer Zeit errichtet ist, um den Semi taristen Grammatik zru lehren. Die jüdische literarisch« Gesellschaft in Leipzig hat ihn um Mittheilungen über diese scriple ersucht, und er hat die Absicht, sie zu liefert. E« bleibt mir noch übrig, hinzuzufügrn, daß ich Zhyen die Photographien der Momumente, von denen ich ge habe, zuschicken wollt«, aber ich konnte sie Nirgend« Eopien ar vor prochen finden, und rS wurde mir geantwortet,-daß diese Ansicht,» nicht ausgenommen werden könnten und zwar wegen der «ngünstigen Lage hinsichtlich der Sonne. Joseph Peria. Erinnerungen an I. M. Jost. AuS persönlichem Umgänge mitgetheilt von H. Zirndorf. (Fortsetzung.) IV. jede n Es versteht sich von selbst, daß der großartige thäligkeitssinn des Historikers nicht an den Pfort n bescheidenen HauseS in der Theobaldstraße stehr In seinem tiefsten Wesen sprach eine so laute deS AntheilS für fremde« Wohl und Weh, daß zelne ThLrkgkeit für da« Beste feiner Mitmensch, mehr al« eine nützliche Uebung seine« trefflichen denn al« ei»e Abschwächung und Zersplitterung erschien. . E« gab keinen eifrigern Sammler und Aare, Unterstützungen al« unsern Freund, und er wirkte Weise unendlich mehr, al« er mit seinen eigenen Mitteln hättv wirken können. Freilich standen ihin Wolj.'nes blieb. Stimme einviel- Jinnes, desselben < uf er von diese aaßigen dazu die gefüllten Kassen vieler reichen ihm befreundeten Wohllhater zur Verfügung und er nahm keinen Anstand, sie stetauf« neue zu brandschatzen. Nicht« konnte ihn bei solchen Anlässen au« der Fassung bringen; keine offne Verweigerung, keine Klage über di« schlechten Zeilen, keine saure, schelsehende Miene konnte seine gute Laune trüben, seine Beharrlichkeit schwachen, seinen mildthätigen Eifer dämpfen. Eines TageS besuchte er in solcher Absicht einen sehr reichen Herrn und traf dort einen wohlwollenden Mann von der altjüdischen Partei, der zu einem ähnlichen Zwecke gekommen war. Der Herr vom Haufe, welcher die Bedeutung von Joft's Besuche sofort «rrieth, rief ihm mit dem Humor de» Unwillens entgegen. (Wir geben die eigenthümliche Wendung wieder, ohne sie durch Übertragung zü.schwächen):" Soeben hat Herr N. N. bei mir auf altmodisch „geschnorrt," nun kommt Herr Dr. Jost und schnorrt auf neumodisch." Jost, keineswegs auS der Fassung gebracht, erwiderte: „Ich weiß nicht, wieviel Sie Herrn N. N. gegeben haben, ich bin aber überzeugt, Ihre Mittagstafel wird deshalb nicht minder reich besitzt sein, wenn sie mir für diese bedrängte Familie eine mäßige Summe übergeben." Seine gewöhnliche Zuflucht, so oft ein dringender Fall seine Beihilfe nöthig machte, war die Harmonie, eine ansehnliche israelitische Freimaurerloge, deren Mitglied er war. Dort war er gewiß, stets wohlwollende Freunde zu rreffrn, bei denen er nie vergebens anklopfte. — Wie alle Menschen von großmülhtgem und vertrauendem Sinne mußte auch er manche bittere Täuschung Hinnehmen, sich manche Hintergehung gefallen lassen. Schwindler und Abenteurer machten zuweilen Jagd auf seine Güte, und trotz seiner Vorsicht konnte er es nicht immer verhindern, daß Trägheit und Laster die Maske unverdienter Noch vor ihm annahmen. Eiyen interessanten Fall solcher Täuschung gebe ich hier mit seinen eigenen Worten wieder. „Eines Abends trat ein junger Mann bei mir ein uNd warf sich mit Gederden der Verzweiflung vor mir nieder, indem er mich händeringend beschwor, ihn doch um deS Himmels willen vom Verderben zu retten. Es war ein bildschöner Jüngling, der nicht zu der Rolle eines Hilfesuchenden auferzogen schien. Mit Mühe und nur in abgebrochenen, von Thränen erstickten Worten konnte ich die Geschichte seines Unfalls aus ihm -herauslocken. Er nannte sich S. und wollte mit einem achtbaren israelitischen Geistlichen dieses Namens verwandt fein. Ec sei Skudirender an einer norddeutschen Universität, habe das Unglück gehabt, seinen Gegner, der ihn schwer gereizt, im Duell zu tödken, die Behörden, von feinen mächtigen Feinden aufgestachelt, seren ihm auf der Spur, er habe keine Mittel zur Flucht, feine Familie wisse nichtvon dem Unfall, dieLeit dränge u. s. w. Ich. suchte ihn so gut als möglich zu beruhigen, eilte nach der Harmonie, wo ich zum Glück einige wohlwollende Freunde fand, und kehrte al-bald mit einer Summe zurück, ansehnlich genug, um feine Flucht inS Ausland zu decken und auch seine ersten Schritte auf fremden Boden zu unterstützen. Ich selbst brachte ihn nach dem Bahnhofe und sah ihn wohlbehalten abrrisin. Er versprach zu schreibrn. Nach einiger Zeit zog ich über meinen Schützling Erkundigungen ein, und was war das Ergebniß! Alles war erlogen: dtt^Name, die Berwandlfchaft, die Natur feines Unfalls, alles stellte sich als ein