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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 50 (1864) · p. Seite 199

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
50 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 199 (sequence 3)
Language
German
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199 endloses Lruggewebe heran-. Ja dem Marnk-lbuche jener Universität gad «- leinen solchen Namen, kein Duell hatte statt gefunden, unk der junge Mann selbst war und dlied verschollen. Ni« Hab« ich etwamehr von ihm gesehen oder gehört." „Und doch, schloß der herrliche Mann feinen Bericht, wahätte ich damals rhun sollen k Die Zeit drängte. Und wenn ein ähnlicher Fall heute wieder vorläme, ich würde wieder so handeln wie damals." Za, so sollten wir eigentlich alle handeln, wie du, herrlicher Mann, unS da- Beispiel gabst; dann würde die anspruch-lose Tugend des redlichen Mannedie prahlerische Moral der Religion-stifter und Weltweifrn weit hinter sich lassen. — Berthold Auerbach hat ganj Recht mir seinem Ausspruch«: Daist der Jammer, daß Lüge und Betrug uns oft gegen die Wahrheil verschlossen und blind machen. — Und doch sollte e- Grundsatz aller Menschenfreunde sein: lieber gegen zehn Unwürdige edel» müthig zu handeln, als einem einzigen Braven die verdirnte Liebe und Güte zu entziehen." Außer dem Frauenverein sind enoch zwei wichtige Institut,, die den Nam.n unsere- Freundemir Segnungen erwähnen. Den „Permisfionistenverein" zur gegenseitigen Unterstützung erkrankter Bewohner Frankfurt-, die ba- Bürgerrecht nicht erworben, hatte er selbst io- Leben ge, rufen und dlied dessen.ständiger Lester. Zu der Eretze» nach-Stiftung zur Unterstützung kranker und beruf-un» fähiger Lehrer brr Israel. Realschule sowie der Witwen und Waisen derselben har Jost die Anregung gegeben und zerr» lebenhat er dem Vorstände der Stiftung angebktt. Allein nicht nur auf dem Gebiete eigentlicher Wohl» tharigkeit erwarb sich der unvergeßliche Mann glänzende Verdienst«; feine Gefälligkeit und Dienflfertigkeit, verbunden mit der feinsten Urbanität, fand beinahe täglich Gelegenheit, sich im Dienste der Menschheit zu erproben. Zahlreich sind die Häuser, die er dergestallt gegründet, die Familien, denen er Brot, Existenz und Zukunft gesichert, die Mittellosen, denen er zu einer Stellung verholfen. Biele, die sich sehnten, einen eigenen Herd zu gründen, und die durch die Ungunst der Gesetze oder da- Mi-trauen der Behörben-boran verhindert wurden, wandten sich an den stetzugänglichen Forscher und riefen seine Vermittlung an. Ein empfeh» lende-Wort von ihm machte sie zu Bürgern, zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft. Die frankfurter Behörden, denen der Edle schon durchs seine Dolmetscherdienste vor» theilhafk empfohlen war, schenkten willig dem Manne Ge» hör, der niemals etwafür sich erbat, stets so eindringlich für andere sprach und der bei all dem so wenig von einem Supplikanten in seinem gediegenen männlichen Wesen halte. Einstmals, de! einem Anlasse dieser Art, hielt Jost es für nöthig, eine entschuldigende Bemerkung an einen Senaioe der freien Stadt zu richten. Er fühle wohl, sagte er, da- Anspruchsvolle seine- Auftretens, da er, obgleich selbst kein Bürger, dl, Herren so oft mir feinen Gesuchen belästige. — „O kommen Sie nur'ungehindert, war die Antwort des Beamten, wir sind stolz darauf, Sie einen der Unseren zu nennen." Eia frankfurter Familienvater hatte di« Absicht, eine Gastwirlhschaft zu gründen, war aber bereits zweimal von der Bebörbe — es war vor der Gewerdefreiheit — ab» gewtrfeu worden. Ich führte den Petenten, der sich deshalb an mich gewandt, bei I. eia und lenkte die Aufmerksamkeit de- Freundeauf eine Angelegenheit, die ssilr aleine der Unterstützung würdige bekannt war. "Schon nach einigen Tagen harre der M»na die ersehnte Erlaub» niß, und da- Etablissement, dadadurch ins Leben gerufen ward, zählt jetzt zu ben blühenderen feiner Att. Ein ähnliche- Unternehmtn harte Jost früher in Berlin mit noch kräftigerer Unterstützung gründen helfen. Am zuvorkommendsten und bimstfrrtlgsten war er gegen würdige, des Erfolg- und der Anerkennung entbehrende Schriftsteller. Die Erfolge, die sein GlüE und Talent ihm in so reichem Maße erwörben, die mochte er gem seinen Brüdern in Apollo gönnen; und von dem Schreiber» neid (Xin-l 8oKrim), den schon der Talmud kennt, war niemand freier als unser Freund. Mancher unbelphnr Strebende' har an feinem gastlichen Herde Rath, Beistand und neuen Aufschwung gefunden. Noch in den letzten Monaten seines Erdenwallens widerfuhr dieeinem verdienstvoll,» Gelehrten, der ein ganze- Menschenleben hindurch in den Schachten dejüdischen Alterthumemsig gegraben und manches. Goidkora daraufür die Welt, aber keinefür sich: zu Tage gefördert hatte. Jost nahm an den Bestrebungen dies,- Würdigen den thätigsten An» theil, war unermüdet im Übersetzen «nd Redigiren und vor allem bestrebt, diesem, der in deütscher Zunge nur mit . Schwierigkeit auftrat, de» Zugang zu einem deutschen Leserkreise zu erleichtern. Es ist mir nicht bekrnnt, ob jrne Arbeiten beim Av. leben unserrs freundes zu einem gewissen Ziele gedieht« waren. Ich fürchte aber fast, daß die kalte Hand de- Tobehier störend «ingegriffen hat. Es konnte übrigennicht fehlest, daß seine Stellung, so allgemein geachtet, so fürstlich durch die Gottesgnaden de- Talent-, von manchen üderschä^t und daher verkannt wurde. Nicht selten wurden Anforderungen an ihn gestellt, die über fernen Kreis hinaus gingen, und die seinen guten Willen nicht wenig ln Derlegrnhelc setzen mußten. Damerkwürdigste Borkommntß dieser Art dürfte wohl folgen« chefein, dasich nicht lange vor meiner Ankunft in Frank» furk zugetragen. Ein nicht unbedeutender Schriftsteller, welcher stets der freiesten Richtung angehört hatte und deffeitvUrnkehr zu den Fahnen des Kirchen-laudenvor einigen Jahren ein gewisses Aufsehen gemacht, hegte ein« Zeit lang den Plan, sich an die Svnagoge anzuschließen und hielt Jost für d-s geeignelste Organ, um diese Absicht zu verwirklichen. Natürlich überzeugte er sich sehr bald von feinem gänzlichen Jrrthum. (Forts, folgt.) Aus dem Gerichtesaale. Wien, II. November. sOr.-B«r.j (Ein geprügelter Eommtssär.) In der Näh« von Wien liegt di« Ortschaft Fischamenb. Da kam es vor kurzem zu einer argen Rauferei zwischen den jüdischen Geflügelhändlern, welch« auf der Gaffe ihr Waarenlager aufgeschlagen hatten, und einige« Burschen aus dem Orte. Namentlich di« weiblichen Verkäufer wurden von den Burschen arg mißhandelt und mit den auserlesensten Schimpfnamen tractirk, so daß sie sich endlich veranlaßt sahea, die Polizei zu rufen. Der

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