Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 50 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur , üdeOning uni) HnlerQaftung auf jüdischem ZeKiele. HerauSgegebea von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Bonn. flio. 50. 1864.] »tu vieler ArttfArift ntteiat »oAe»Mch riWc Ru»»er. Drei« de« 2adr. gang« > Thlr. Ipieneijähris 7 K Rgr. HD< vuchbaatluuge«. Poftänrer »d >ieiiu»g«erve»ine»e» »,b»e« V«l»tl>»>»ge« a». [i 1* *•) Jahrg. 4L Quartal] *■ 1 Erinnerungen aus Spanien. (Nach den Arch. irr.) Madrid, 4. November. Hier, mein Herr, folgen di« Mittheilunzen, welch« ich über die Israeliten Spaniensammeln konnte: sie sind nur in sehr geringer Anzahl vertreten und fast vollständig ungekannt; nicht daß sie bi« Regierung zu furchten haben, sondern sie furchten die Wirkungen de- Aberglaubendes Dvlte-. Ich habe Gelegenheit gehabt, einem Beispiel davon sogar inmitten einer gewählten Gesellschaft deizur wohnen. Man sprach von der Geschichte Spanien- und die Unterhaltung kam zuletzt auf die Hebräer; einer der Sprecher rief am Schlüsse seiner Rede au-, baß er tziese Art von Teeren noch nie gesehen hätte und baß er sie gern kennen^ lernen möchte. Ich befriedigte sogleich sein« Neugier, in!dem ich ihm sagte, daß er einen solchen vor sich habe; ex entschuldigte sich vielmals und fügte hinzu, baß man in Spanien eine so unvollkommene Vorstellung von den Ju^en habe, daß man in Zweifel sei, ob sie ein menschliche- >G«sicht haben. Nachdem ich vergebenbei ihnen ein Buch über unsre Geschichte r^nd unsre Literatur gesucht und nicht einmal die Arbeit von Amados de los' Rios (von dem Sie zu seiner Zeit gesprochen haben) gefunden hatte, rieth man mir, den Professor .de- Hebräischen an der Universität aufzusuch,»/«aich vor meiner Abreise zu thuu gedenke. Von byrt begab ich. mich nach Toledo, wo ich noch zwei Monumente gesehen habe, welche von der ehemaligen Große Israelin Spanien zeugen; esind die Synagogen, welche in Kirchen umgewandelt wurden, die eine Santa — Maria ta Bianca, und die andere X. 8. de! Transito. Diese letztere ist, »ach der „Reise durch Spanien und Portugal" von Herrn Germond, dem Anscheine nach eine verlassene Synagoge, welche 1366 von Samuel Levi, dem bekannten Schatzkämmerer de- König- Don Pedro, erbaut wurde. Nach der Vertreibung der Juden in Jahre 1492 traten die katholischen Könige sie den Rittern von Calarrava ab. welche sie nach ihren christlichen Gebräuchen schmückten, Altäre, einen Chor und Dienstwohnungen darin errichteten. Es ist ein einzige- Schiff von 21 Mettebei einer Breite von Iß und einer Höhe von I2Meir,-. Seine Mauern sind einfach, ohzie Kapellen, mit Stuck bekleidet und an j dem oder» Thttle mit einem großen Friegeziert, damir ■ den Wappen von Kastilien und Leon bedeckt ist. Ueber; und um da- Gebäude befind,r sich «ine Architektur von! vierundfunfzig Bogen, welche durch die Schönheit, Fülle und Dolleudung ihrer Verzierungen brmrrkenswerth sind. *) Der Hauptaltar, wescher sehr alt und mit Verzierungen bedeckt ist, ist in gothischeM Stil, umgeben von langen hebräischen Inschriften zum Lobe de- Gotte- Israel-, des König- Don Pedro und de- Samuel Levi. .Dieser alte Temprtt ist aus Backsteinen von merkwürdiger Danerhaftig» keit erbaut und da- Gebälk, sagt man, ist von Cebern des Libanon-, welche der Erbauer mit bedeutenden Kosten und vielen Schwierigkeiten halt« hinbring,a lassen. Santa — Maria ta Bianca ist ein andereseltsame- An» denken der jüdischen Zeit. Nach außen unterscheidet diese- Gedäude nichts von den elenden Bauwerken, welche eumgeben, traurigen Uebesresten audem alten Judenvirrtel. Sobald man die Stusta hinadgestiegen ist, die dorthin führen, sagt Here Quad-ado. bleibt man stehen, überrascht von bcr seltsamen Mischung von Pracht und Nacktheit, von Lapeßriöse» Seffsamkeir bei Linien, von dem au-» gefuchten Geschmack« der Verzierungen; man glaubt sich in «wphantastisch« Pagode versetzt. Der Blick verirrt sich inmitten diese- Wald,- von dicken achteckigen Pfeilern, denen, nach Verhälmiß ihre- Umfang-, di, HÄtte der Hohe fehlt. Man zählt sieden auf jeder Reihe,*) welche fünf Schiff« bilden und maurische Bogen von kühner Biegung -ragen. . . Recht- und linkbefinden sich tiefe Brunnen, welche, wie man sagt, mit den unterirdischen Galerien, in Verbindung stehen und um welche die Jsrae, Uten beiderlei Geschlechtihre religiösen Abwaschungen vor» nahmen, l— Mein Führer sagte wir, daß einer von ihnen für die Radbinen, der! andere für die übrigen Männer, und ein dritter für di» Frauen bestimm» war; qber ich konnte nicht begreifen, wie die Köaschungen in so riefen Brunnen vorgenommen! werben konnten, auf deren Grund man nur vermittels eine- Seiles gelangen konnte; Here du Lavigue ist hinabgestirgrn und hat weder Sporen von Galerien noch von Ausgänge» gefunden!, und seitdem ist die Rede nicht mehr davon. Im Innern de- Tempel- und über de« Eingang ist folgend« Inschrift eing,graben: .„Diesel Gebäude hat bis zum Jahre 140zur Synagoge gehient, und wurde unter dem Namen von 8. Mdria la Bianca eine Kirche. Der *) Diese Bogen kommea von deNsFeustern her, welche dazu bienten, au* der Damrugalerie einen'Blick auf den Tempel zu haben. Jetzt find di« Fenster zugemauert, und die Galerie ist -nr Wohnung de- Lurateeumgemavdelt. *•) Sist dieei» ktchuer JrrthuM, jede »che enthält sechs Säulen und zwei Schiffe.