Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 47 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 3)
- Language
- German
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— 187 1 Sie auSgegossm. Sie müssen meiner Theilnahme verzeihen, wenn ich Si, zuvor um einige Nachrichten über die lieben Ihrigen ersuche, und bann wollen wir sofort den Zweck Ihre- Besuches gehen." (Forts, folgt.) an Der jüdische Friedhof zu Berlin. (AuS dem Hebrew.) *) (Schluß aus No. 34. d. Bl.) Die äußersten Grabe-relhen der beiden Abtheilungen sowie die GraSfläche der dn'tten gehen nur bis zu einer Entfernung von 30 Fuß an die umgebende Friedhofsmauer heran. Es folgt hier der ganzen Länge nach und zu beiden Breitseiten deS Quarree'S wieder ein breiter Gang und der übrkgdleidende Raum bis zur Mauer selbst hin wird ringsherum in dichtgedrängter Aufeinanderfolge von den Erbbegräbnissen eingenommen. Diese bilden in ihrer mannichfach abwechselnden Form und Bauart mit den interessantesten Theil des Friedhofes. Ich habe solcher Familien- und Erbbegräbnisse über 300 gezählt. Viele bekannte und berühmte Namen schauen hier meist in goldner Schrift von den dunkeln Stein» oder Merallwänden auf uns herab. Gleich an der linken (schmäleren) Seil« deS Rechtecks ist das Erbbegrädniß der Familie Beer, und da» frische-Grab Meyerbeer'S ist noch mit denselben Kränzen (darunter einer, den die Königin von Preußen selbst geflochten) und den Palmblättern geschmückt, mit denen feine Hülle hierher getragen ward. In der Mitte der dunkelgrauen Steinwand, welche die» Erbbegrädniß von der Mauer trennt, glänzt uns der Name Michael Beer entgegen (der früh verstorbene Dichter de» „Struenfee," des „Paria," der „Klytemnestra" u. a. Dramen), dessen Körper zu München ruht. Unter seinem Namen lesen wir die Worte: „Ihm reicht' die Dichtkunst ihr« Götterhand, schwang sich mit ihm den ewigen Stecsten zu." — Au» allen möglichen Steinarten, am' häufigsten au» Trankt und dunkelem Marmor sind diese Familienbegräbnisse gebaut; mehrere auch aus reinem Eisen. Die Bauform wechselt von der einfachsten glatten Steinwand bi» zu den verziertesten Wöl» düngen des byzantinischen Stil- oder (bei den eisernen) bi» zu den gordischen Spitzbögen mit durchbrochener Arbeit. Anschriften, theilauder heiligen Schrift, besonderau« den Psalmen, theilliebende Erinnerung-worte der Angehörigen in freie» oder gebundener Sprache fehlen. bei .den wenigsten. Auch hier sind viele fo dicht mit Ephim umwachsen, daß man einige Anschriften erst durch Abgrenzung der Ranken hat wieder erkennbar machen können, -r- (gtn schöne- Zeugniß von dem jd^nköaren- Sinkt, und der Erkenntlichkeit der diesigen jüdischen Gemelnde und einzelner/ Vereine in ihr gegen ihre Beachten, sowte"nicht minder von der Würdigkeit dieser sesbst geben folgend« JnstKlften' in zweien auf da- Di« eine lautet: „Ahrem treuen md unermüdlichen Bor» steher, dem Baker der Armen, beim jetzige Verwaltung er gegründet und geleite«, dem thätizen Redner bei der Anlegung diese- Gotteskcker», Jakoh Mose» Burg, widmet diese Ruhestätte die Dankbare Gemeinde"; und die andere: „Ahrem treuen Pflegevater Asidoy Goldschmidt, der sein menschenfreundliche- Amt ein hälbe» Jahrhundert, von 1706—1646, bekleidet,. Die Gesellschaft der Freunde." — Viele dieser Familiendegräbnissej erregen schon durch di« Zuschriften und Daten auf den Lfichensteinen an den einzelnen Grade-Hügeln da« Znleresse. So findet sich u. a. daselbst das gemeinsame Grad eine- Ehepaares, welche-, wie au» der Juschrtzersichtlich, zusammen daenorme Alter von 186 Jahren erreichte (der Mann wurde OS, die Frau 01 Jahre alt) und welche beide nicht weniger al« 60 Jahre lang verheirathet n^aren. — Die Zeit, wo die Cholera in Berlin ihre zahlreichen Opfer forderte, hat ein ganze« Familienbfgräbniß in dem Zeitraum« eineeinzigen MonatS gefüllt. Eine erwachsene Lochtet und drei Knaben auS einer Familie starben im Laufe weniger Tage, die Woche darauf fblgte die Mutter und 8 Lage später der Vater ihnen nach., Sprechen nicht diese furchtbar einfachen Data lebendiger zu un» von dem namenlosen Jammer und den Verwüstungen jener schrecklichen Seuche, al« di« weitläufigste Schilderung e» vermag? Ein gewaltig breiter Stein, mir soj viek Erhebungen al» Personen unter ihm ruhen, beschattet da« gemeinsame Gra^ dieser so schnell von der Erde verschwundenen Famlilie. Unter dergleichen Betrachtungen war ich gerade im Begriff, diese ganze Ruhestätte der Tobten zu verlaffm, al« von dem Todreahause her laute« Schluchzen meine Aufmerksamkeit von neuem fesselte. Man hatte inzwi^n der Stätte der Tobten einen neuen ruhigen Bewohner zugefühck. Es war, wie ich auf mein Anfragen vernahm, eine armi polnische Frau, welche mit ihrer Tochter nach Berlin gekommen war, um ihren Mann aufzusUchen, und welche hier plötzlich vom dem unerbittlichen schwarzen Brr, hängniß getroffen wurde? Au« nur 6 Personen bestand da« ganze Gefolge, 4 Frauen und 2 Männern, welche bas Mitleid mit der unaufhörlich laut weinenden Tochttr zu diesem Liebesdienst bewogen hatte. Die Leichenttägee in ihrer sonderbaren Tracht mit den mittelalterlichen schwarzen Dreimasterhüten und dem langen Mantel mit breitem Kragen hatten eben ihre Thätigkeit am Grabevollendet, und alS >un der Sarg von dem Leichenhaufc zur letzten Rubestät^ hinüber geführt wurde, erhob da» junge Mädchen ein so hechzerseißende« Klagegeschrei, baß eS mir und allen Anwes^idßn tief in die Seele schnitt. — Noch lange hörte ich die klagenden Töne, al» ich dem Auswege zueilte, während »ingsherpm auf , den Bäumen die Böget lustig zwitschertet unk nur, die Finken mit ihrem abwechselnden Gesänge jenen Schmerzm-tönen zu antworten schienen. ■ Leopold Jaeoby.; I- . •' * V.- I-1-r:- *) Wir ersuchen drnH'tbrnv, wertit/r und Artikel «ud dem „jüd. .HoU« anzugeben, »fr wir xmit jüdischen Zeitschriften Par ihr Recht zu gewahrend, . ,, ' ' - » schönste^schmL^ten Erbbegräbnissen. ,, ■■ v...... j-'j j (SnifäuiiÄd Die beiden Felder. (AuS dem LäuetNore Jsraelita.) Don Pedro, der König voa Aragonien, war der destän» Vorstellungen müde, welch« der Kleru« ihm gegen dii^Jfraeliten machte» die in dieser Kit überall auf da« ,/*• .