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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 47 (1864) · p. Seite 188

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
47 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 188 (sequence 4)
Language
German
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188 bärteste verfolgt wurden. Die Priester wiederh den dem König stets« daß die Hebräer mit oder ohne ihren Willen bekehrt werden müßten. Nachdem'» er den Wüns hen seiner lästigen Untergebenen zugestimmt hatte, ließ er an seinen Hof da- Haupt der israelitischen Gemeinde kom aen, um sich mit ihm über die Mittel zu berathen, wie die viderspenftigen Jsraekiten zur katholischen Religion zu beke wen seien. Als der Vorsteher kam, verabschiedete der Krnig seine Räthe und richtete an ihn folgende Frage: „Welchen Grund habt ihr, in eurem W derspruche gegen unsere Kirche zu verharren?" fragte w hlwollend Don Pedra. „Eure Majestät möge mir zuvor gnädigst gestatten, von Ihr Gerechtigkeit in einer gewissen Sache zr erbitten, die mir zugestoßen ist!" sprach der Vorsteher. „Redet , und rechnet auf meine Unparteilichke t." „Sire,! ich danke Euch unlerthänigst für duse Gunst. Da es Euch beliebt, mich anzuhören, so will. ich . Euch den Dorfallj berichten, über den ich mich nochzedrungen beklagen müß. Einer meiner Nachbaren, ein Mann von vor restlichem Herzen aber geringem Vermögen, der zwei von ihm zart- - lich geliebte! Söhne besitzt, ging vor wenigen Jahren nach Indien, um dort sich Vermögen zu erwerben r nd spater seinen Söhnen ein reiche« Erbe zurücklassen können. Damit sie fvahrend seiner Abwesenheit leben konnten, gab er jedem eist Ackerfeld mir folgenden Worten: „ „Meitze lieben Söhne, ich wünsche, daß ihr sie so gut bebauet, wie ihr nur könnt; wenn ich ein kle ne« Vermögen werde gesammelt haben, verspreche ich euch davon zu senden. Jetzt lebet zusammen Eintracht uni gehorchet meinen Befehlen." “ Dann umarmte er sie und ging seines Weg 8. Alles "machte sich vortrefflich, bi« die beiden, Zünglinge .heran gewachsen waren; aber als sie an Jahren; mahmen, begann die Eifersucht, die Zerstörerin jedes Glükes, sich unter ihnen! zu erheben. . ' . Mein Feld ist besser als deines, sagte der ei,e. Das ist nicht wat>r, erwidert« der andere zoinig, man veiß, daß mein Land!das Doppelte hervordringr, al« dein«, weil es besser geffflegl ist. Jeden Thg erhoben sich neue Streitigkeiten unter ihnen, bis sie endlich, statt liebende Brüder zu sein, oie ihnen ihr guter Vater befohlen hatte, die heftigsten Fe nde wurden; und hdute ist das größte Vergnügen des enen, das Feld de« andern zu zerstören. Da sie meine " "re wie er Euch $ Machbaren öfters versucht habe, sie zu versöhnchi, kamen meinem n Felder t sofort sind und ichi sie gestern iu meine Wohnung und erklärten. sis Urtheil über unterwerfen von mir ab .Aus Ami den wechselseitigen Werth-Ihrer deidje zu wollen. Ich wies ein solches und sprach zu ihnen: Achtung vor eurem Vater bleibet ir zurückgelassen hak. Lebt zusammen Brüder, biö Ihr wieder zu Eurem Vater kom seid außerder i versichert, daß, wenn ihr eure Zeit i» Streitigkeiten verliert, Eure Felder unfruchtbar werden. Erinnert Euch, .daß Ihr bestraft werlie wenn Ihr den Geboten Eures Vaters nicht nachkomnjet." " „Eure Antwort war weise," versetzte Don Pedro, „welche Wirkung brachte sie auf die beiden unnatürlichen Brüder hervor?" „Ach, Sire, meine Worte erzürnten sie in solchem Grade, daß sie sich vereinigten, um mich ohne Erbarmen mit den Fäusten zu bearbeiten. Darin waren sie wenigsten« Freunde." „Das ist .ja schändlich," rief Don Pedro erbittert aus, „sie sollen für dies« Unthar nach Gebühr bestraft werden!" Ach, erwiderte der Vorsteher mit Nachdruck, „möge Eüre Majestät sich herablassen, die Geschichte der beiden Brüder zu betrachten, ehe Sie deren Züchtigung bestehlt. Bemerket Ihr das Gleichniß nicht, Sire? Ich will eS Euch zeigen, gnädigster Herr. Vergleichet ihre Geschichte mit unfern beiden Religionen. Ist daS Verhälrniß nicht dasselbe^ Behaupten wir nicht beide, das Gesetz vom Allmächtigen erhallen zu haben? Hat er unS nicht befohlen, in gegenseitiger Eintracht zu leben? Behauptet nicht jeder von uns, die wahre Religion zu besitzen. Statt uns zu bekämpfen und zu beleidigen, wäre es doch viel besser, friedlich mit einander zu leben, bis zu dem Tage, an welchem der Tod uns vor den himmlischen Thron des ewigen Vaters ruft und wir dort durch die Erzählung aller unsrer guten Tharen während unsres Lebens beweisen können, ob wir mit Eifer die beiden Felder bebaut haben, die er uns zum Bebauen gegeben." Don Pedro verstand sofort den Sinn dieser schönen Verthridigungsrebe. Und-feit dieser Zeit wurden alle Aufforderungen der Geistlichkeit zur Verfolgung der Israeliten durch seine unverrückbare Festigkeit vereitelt. Der Vorsteher der israelitischen Gemeinde, der sich zum König begeben haue, wurde nicht vergessen. Don Pedro belohnte ihn wegen feiner Treue gegen sein verfolgtes Volk und hielt ihn stets in seiner Gunst, indem er sagte, wenn jener seiner Religion so treu sei, würde er e§ auch seinem Herrscher sein. Don Pedro harre Recht. Et wurde geehrt und geliebt von der israelitischen Gemeinde, nicht nur wegen des Guten, das er für sie gethan, I sondern auch wegen seiner unzähligen guten Eigenschaften.! Curiosnm. Hohes Alter. Neuwied, 12. Oct. Der Senior der Jsraeliten- Gemeinde, Isaak David, ist in verflossener Rächt in dem hohen, Alter von 97 Jahren gestorben, nachdem er das vorgestrige Versöhnungsfest noch in voller Geisteskraft und mit strengem, 25stünbigen Fasten begangen hatte. Frieden, wie gute net, und unnützen und karg t, Allgemei ne Zeitung des Judenthums. Ro.46. 1S64. Inhalt: Leitende Artikel: Die Käiitpfe im Christenthum. — Rom. V-Spenden-Liste für die Rießer-Stiftung. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus dem Badenschen, Bühl. Preußen: Berlin, Wesel, Berlin, Köln, Berlin, Kobylin. Oesterreichischer Kaijcrstaal: Bonyhad, Brody, Dien. MST Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich h Thaler. Berantwor llicher Redacteur: G. Fritzfchs. Brrlag von Sauwgärlner't LuLhaadUniin Leipzig- — Dimck von s. Kreysing in Leipzig.

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