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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 47 (1864) · p. Seite 186

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
47 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
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186 — diesem wußte mir die. Dame nicht» mitzutheilen ^und k» wurde nun unter uns Krieg-rath gehalten, auf welche Weise man der Gräfin da« Gesuch vorlegen könne. Rach langer Erwägung entschied ich mich dahin, mich in kürzester Weise persönlich z» ihr zu begeben und mein Heil bei ibr selbst zu versuchen. .Die Frauen stimmten diesem Entschmsse zu. Roch Zwischenträger zu gebrauchen, würde den Erfolg sehr fraglich machen, da alles darauf ankomme, idei der Gräfin einen tiefen Eindruck zu machen. Sie trauten meiner Persönlichkeit diezu. Ich wußte hoffen, auf keine Borurtheile, namentlich konfessioneller Art zu stoßen, denn diese würden sich sonst fühlbar machen, auf welche Weise die Sache auch angegriffen würde. So schied ich von meinen Freundinnen {mit der Absicht, am andern Morgen den Versuch sofort zu machen und mich bei der Frqu Gräfin anmelden zu lassen. Nicht ohne schwere« Bangen machte ich mich am andern Tage gegen, elf Uhr auf den Weg zu dem Hotel de- Grafen. Psalm, den ich auf dem weiten Wege lautlos aber autief bewegtem Herzen über die Lippen ließ, stärkte mich und ström» Zuversicht durch meine Seele. Ich trat in da- Portal ein, wandte mich an den^Porn'er und fragte ihn, ob jetzt die EmpfangSitunde der Krau Gräfin sei. ES war mir eine gute Vorbedeutung, alS der Mann, nachdem *r «'einen prüfenden Blick über mich hatte streiten lassen, mein« Krage bejahe» und mich nach dem ersten Stockwerk in den Eorridor links verwies, wo die Appartementder Frau Oderstkimmerin lägen und ich mich bei der Kammerfrau;u melden habe. Auch das ermutkigte mich, daß ich in dieser Kammerfrau ein schon etwabejahrteaber sehr freundliche- und wohlwollende- Frauenzimmer fand, die mir, alS ich ihr kurz bemerkt bat», baß ich der Frau Gräfin ein Gesuch vorzulragen, erwiderte, ich hätte eS febr gut getroffen, denn die Frau Gräfin wäre grade allein und würde mich wohl empfangen. Ich übergab ihr meine Kar», auf welcher nichtal- Dr. R. R. stand. Sie trug sie in die innern Zimmer hinein und ,< wahr» eine längere Zeit, «de sie zurückkam. Man kann denken, daß mein Herz laut poch», denn da- Schick«' sal jener armen Menschen, für die ich den fchwrrtn Gang einmal übernommen, ding von dieser Stunde ad. Endlich kehr» sie wieder und eS schien mir, alS ob sie einige sonderbare Blick« auf mich würfe, bevor sie mir den Bescheid , einzutreten, ertheil». Jndeß ach»» ich hierauf nicht weiter, sondern schritt durch das Vorgemach und einen Salon dem Zimmer dep Frau Gräfin zu. Die reichste Pracht, vereint mit dem feinsten Geschmack, war durch diese Räum« au-gedreirel. Mein Fuß schritt fast unhor» dar über die schweren Teppiche hin und mein Augp streif» an den kostbarsten Kunstgegeastäaden, di« mit edlem Taete aufgestellt warm, vorüber. Wer dergleichtn Weg« schon gemacht, weiß, baß in solcher Situation leine für unso ungewöhnliche Umgebung nur da-.Her; noH banger und £» Besorgniß noch schwerer macht. Jetzt,war ich dicht vor beb Thür« beS letzten Gemach-, in welchem sich die Gräfin befinden mußte. Da wurde plötzlich Sie Thore geöffnet und vor mir stand die Frau Odersttammerin. Ich war von dieser Ueberraschung ein,« Augenblick ganz betroffen. Ihr Blick ruht« auf mir forschend; auch ich duck» in ihr Angesicht. O, wie schön war eS, wie leuch» »km die dunklen Augen voll Geist und Empfindung und wie hob eine tiefe Schwermuth die feinen Züge und edlen Linien diese- Antlitze-; wie herrlich war ihre Gestalt, hoch und anmuthig, wenn auch über die erste Jugend hinweg. Und dabei grüß» mich auihrem Gesichte so etwa- Bekannte» aulängst vergangener Zeit, ohne baß emir bewußt wurde, wadiesesei. Da vernahm ich auihrem Munde bi« Worte: „Ja, er ist eS. . . Kennen Sie mich nicht, Herr Donor?" . . . Die Frage war mit klangvolles Sliinme voll Gefühl- und doch mit einer würdevollen Bestimmtheit gesprochen. Aber bei dem ersten Tone dies,- schönen Mundeblitz» ewie eine alte Erinnerung durch meine Seele, und dies« Erinnerung traf mich noch überraschender alihr Anblick. „Wie? stammet» ich, Sie stad ..." — „Ja, ich bin eS; treten Sie ein, Herr Donor. Ich bin Sarah Wolf, jetzt die Gräfin von N. Ihre Ankunft ist mir willkommen,--Ihr Besuch mir sehr beveutung-voll. Mein Herz wäre voll Freude , wenn zu dem Verlangen, Sie. einmal wieder zu sehen, sich nicht zugleich ein wichtige-, ja entscheidende- Interesse für mich gesell»." Sie hat» mich unter diesen Worten in ihr. Zimmer geführt und mich in einem Fouteuil Platz nehmen lassen, worauf sie sich mir gegenüber auf einen Divan nieberließ. Ich war in einer eigenthümlichen Lage, riß mich aber schnell aualler Befangenheit heraus. Ich fühlte, baß ich 'alle- Verletzend« sorgfältig vermeiden und die Gräfin erst an mich herankommen lassen müsse, um zu sehen, wie weit sie diethun wolle. Ich sagte daher: „Ich bin außerordentlich erfreut, hier, wo ich nur als «in Unbekannter zu erscheinen hoffen durfte, die Ehre zu haden, bekannt zu sein. . „Und wie gekannt!" rief die Gräfin tebhaft au-. „Glauben Sie mir, ich habe Ihrer nie vergessen, Ihr Bild trat vor. mich in allen bedeutungsvollen Momenten meine- Leben- und kehr» auch in ruhigen Zeiten oft in meinem Herzen ein. Ich werbe Ihnen diesenachher beweisen. Wie hätte «- aber auch ander» fein können! Almir Ihre Karte hereingebracht wurde und mein Blick auf Ihren Namen fiel, wie schrak ich auf, welche Bewegung ging in meiner Seele vor, daß ich ihrer vor der Kammerfrau kaum Herrin werben konnte und dm Ruf de- Staunen- und der Aufregung nicht zu unterdrücken vermochte, der über meine Lippen fuhr. Sagen Sie, Herr Donor, har keine Kunde, keine Ahnung, wen Sie hier treffen würden, Sie hierher geführt?" „Keine, gnädige Frau. Ich komme, um Ihre Fürsprache für eine unglückliche Fnmilie zu erbitten. Eine Freundin, die ich um den richtigsten Weg, Gnade für einen schuldlos Berurtheilten zu erlangen, befragt«, wiemich an di« Frau Gräfin von N. und ihren allmächtigen Einfluß, den sie zum Heil f» vieler Unglücklichen verwendet. Ohne mich zu bedenken, wollte ich der Frau Gräfin mein Gesuch vortragen, und dazu bin ich hierher gekommen." „Ich sehe, erwiderte sie, Sie schreiten noch immer auf demselben Wege und sind noch immer mit denselben Werten der Barmherzigkeit beschäftigt. Wie freue ich mich, Sie so gesund und kräftig zu sehen, und wenn wir auch all« älter geworden, so scheine es mir doch, alob Ihr Befinden sich gegen früher gebessert hadm müsse und die vor» schreiuadm Jahre nur noch mehr Würde und Milde üd«

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