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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 47 (1864) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
47 (1864)
Date
1864-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksbla Zur Belehrung und UnterQaftüng auf j Herau-gegebea von i \ Rabbiner Dr. Ludwig Phili-Pjou in Bony. Gebiete. ml. J r? i o /? i ~l Eikv tiefer Zeits»rift crfftrixt wcckeuUich fine Nummer. «Preis des Jshr» f- . A yifl, 4i . loö4* »ang« 1 THIr. «terreljährig 7 >4 Ngr. Alle LuchtzaichluNge». Po-«riier I 1 1 . L J und Zeitungseroedttlone, urhMrn Vr»eKu„e» «». T L*A*| Jahrg. 4. Quartal] Speicher, Bude und Salon. Aus dem Leben. (Fortsetzung.) III. Als ich nach der Residenz gekommen, machte ich vor allem die Rund« bei meinen Freunden und Gönnern, um de» Weg zu erkunden, auf welchem mein Gesuch für die unglückliche Frau in solcher Weise an den -König gelangen könnte, um einen glücklichen Erfolg erwarten zu können. Ich muß gestehen, die meisten hörten mich nicht mit dem Vertrauen und der Zustimmung an, die ich vorausgesetzt hatte. Manche verhehlten mir auch ihre Zweifel nicht. „Guter Freund, sagten sie zu mir. Sie sind Geistlicher; ein paar Thronen, Seufzer und Händeringen regen Ihre Gefühle an; Ihr gutes Herz drängt Sie, der unterdrückten Unschuld zu helfen und alS deren Vertreter sich ins Mittel zu schlagen. Die Welt urtheilt ander-; sie will Beweise haben, und oazu genügen die etwaabenteuer. lichen Versicherungen einer Frau, der Gattin de- Berurtheillen nicht. Auf diese Weise werden Sie nicht zum Ziele gelangen." In der That konnte ich diesen Leuten nicht einmal Unrecht geben. Sie hatten die Stimme der Wahrheit, die ^edes Herz überwindet, nicht gehört, und die Geistlichen haben sich in allen Angelegenheiten, welch« di« Armuth und das Unglück betreffen, der Leichtgläubigkeit verdächtig gemacht. Ihrer Zeugnisse, Empfehlungen und Fürsprachen laufen zu viele durch die Welt. In meiner Heimath war ,S ander-; da hatte ich mir den Ruf unparteiischer Prüfung, praktischem Blicks und besonnener Zurückhaltung erworben und meinem Worte fehlte der Nachdruck niemals. Zn der Residenz konnte ich auf dieses Vertrauen keinen Anspruch machen, man warf mich eben unter die andern. Als ich nach einem abermaligen vergeblichen Gange zu einer Verwandten kam und ermüdet und hoffnung-arm ihr mein Leid klagte, war eine Freundin zugegen, welche mir aufmerksam zuhörte. Sie bat mich, ihr den Vorgang ausführlich zu erzählen. Nachdem ich diegethan, sagte sie, sie freue sich, im Stand« zu sein, mir, wie sie glaube, dazu ertheilen, waich so lange schon suche, nämlich den besten Rath, wie dl« Sache anzufangen. Der einzige Mann, der hier helfen könne, fei der Oberstkämmeree Graf von N., der gegenwärtig da- Ohr de- Königam meisten innehabe. Die Herren Minister feien angewiesen, sich streng an ihr Ressort zu halten, und da würde die vorliegende Sache dem Justizminister zufallen, w lcher sich r atürlich auf da- Urtheil drS GenchteS stützen müsse. 2 »er Oberstkämmerer aber werde von dem Kön ge' deS frei sten Umganggewürdigt und er fei der rechne Canal, »m ein Gnadensuch dem Könige mit Erfolg Vorträgen;u lassen. Wie aber nun diesen hochstehenden Äkann für uinsr« Sache zu gewinnen? Da glaube sie, ma»I müsse sich an seine Gemahlin wenden, eine Dame, die lim Rufe de c Wohlthärigkeit und der wohlwollendsten Gefl^n»ng stehe - Habe man erst diese für die unglückliche Familie intiressirt, so wäre daerst« Glied und vielleicht k^a- Hauptgli d gewonnen, an welchesich die andern leicht ischließen kör nten. Man sagte, diese Dame sei selbst ausj>em Volke b rvorgegangen und besitze daher ei» Herz für i dessen Freut und Leib. Sie kenn« sie zwar nicht, denn obgleich sie chon zwei Mal in ihrem Geschäfte gewesen, sh hätte fle doch immer einen etwadichten Schleier getrngen, so da j man ihre Züge nicht genau unterscheiden khnnle, und labe nur wenig, aber mit Würde und Bestimmtheit gespr chen. Sie müsse «der wohl sehr schön sein!, wenigsten, ihre Gestalt und ihre Bewegungen seien voll Anmuth. Ich war sehr glücklich, enblict einen Strahl durch das Dunkel brechen zu sthen, von w lchem bijetzt die Aufgabe umhüllt gewesen^ welche ich mir gestellt. Zch dankte der Dame auvollensi Herzen und bat sie, mir alle-! über den Oderstkämmerer ujnd feine Gemahlin mitzutheilen, was sie wüßte. Diewar nun nach shrer Meinung nicht viel, denn efeien von b«n Vorgängen, welche diese beiden beträfen, nur dunkle Gerüchte in t a- Publicum gedrungen. Der Graf von N. habe dte-Gunst de- Königs, schon lange vor dem Antritt sein« Regierung besessen, bab« diese aber plötzlich verloren, ohne daß mai den Grund erfahren. Der Graf habe die Residenz ve lassen und sei mehrere Jahre abwesend gewesen. Vor zwei Jahren Hab« der König eine Reise nach Italien gem >chl und fei hier wieder auf den Grafen gestoßen, der vew Könige in einer eigenthümlichen Situation iaußergewöhn iche Dienste geleistet und seinen Mjukh, seine Treue und Neiste-kraft in der aufopferndsten Weise bethätigt habe. Kurze Zeit nach der Rückkehr drs König-! sei der Gr >f ebenfalls wieder hier ringetroffen, und zwaf von feiner Gemahlin begleitet, die kr im AU-lanbe grheirathet habe» mußte, da er ünverhelrathet gewesen, al^ ei da- Laid verlassen. Er sei sofort als I emfchtedeneo Günstling de- Königerschienen, zum Oderstkämmerer Ernannt wor en und wekde von dem Könige mit bedeutenden! Geschäft „ betraut, ohne daß er außer jener Würde «n sbesonderes Amt bekleide. Außer

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