Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 46 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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183 «icht jedem gefühlvolle« Herze« verdienstlich erscheinen, solche hilflose Kinder recht frühzeitig ia Aufsicht u«d Pfleg« zu nehme«, fl, körperlich und sittlich gesund zu erziehen, sie vor tausend und tausend Ungemach und verderblichen Einflüssen zu schützen und aus ihnen thLtige, fleißige und achtbare Zungsrauen heranzudilden, welche einst bat Glück ihreeigenen Hausetz begründen können? — Menschen» freunde! alltäglich tritt euch Elend in den «rgr^fenbstea Gestalten unter dir Augen und es mangelt nie an Ge» legenheit, den Sinn für Wohlthun zu befriedige». Der Nacktheit reicht ihr ein Kleid, des» Hungrigen brecht ihr euer Brod, der Krankheit widmet ihr eine Lhräne des Mitgefühls und schafft ihr lindernde Sorgfalt. Aber die kräftigste Hilfe, di« der augenblicklichen Noth zu Theil wird, leistet nur wenig; der Mangel kehrt jeden Tag wie, der in derselben Hütte eia und die Leiden der Kranken werden selten gänzlich gehoben, selbst die Genesenen bebür» fen oft von neuem de< Beistandes. Greift dagegen der zarten Zugenb unter die Arme, ehe Mangel und Siech» thum die ebleöea Keime zerstört haben, bewahret und de» schützet sie vor körperlicher und sittlicher Entartung, vor Erschlaffung, Trägheit und Müßiggang, rüstet sie aus mit gesundem Leibe und gesundem Sinn, mir nützlichen Kennt» nissen und Geschicklichkeiten, mit Lust zur Arbeit und TÜch» tigkeir des Streben-, so «erdet ihr durch weir geringere Opfer die Anzahl der Armen und Kranken vermindern, und statt des schmerzlichen Gefühls, das der Anblick trau» riger Zustände erregt, werdet ihr Freude haben an dem Gedeihen der Pfleglinge. — Auf Mitleid und Erbarmen har der Jammer der Unglücklichen und Leidenden Anspruch! Weisheit aber ist es, dem Elende vorzudeugen. Eine Thar der Rührung befriedigt bas menschliche Herz im Augen» blick; aber weise Vorsorge schafft wahres Wohlsein und bauernden Genuß. Die Erziehung, melch» an einem Kind« sich fruchtbar erweist, entwickelt ihren reichen Segen fort und fort über ganze Geschlechter." Ueber die Gesammtthätigkeit des Vereins ftrg«« unfeine Nachweifuagen vor. Doch konnte der Stifter im Jahre 1852, nachdem das Institut fünf Jahre bestanden, von 50 Mädchen sprechen, welche von der dargedotenea Wohlrhat Gebrauch gemacht. Daran läßt sich eia unge, Wahrer Maßstab anlegen. Etz ist wahr, diese ansehnlichen Erfolge sind nicht ganz allein Jost's Verdienst. Er theilt es mit jenen edlen Frauen, die ihn als Vorsteherinnen durch dt« sorgfältigste Ueberwachung und Leitung des Ganzen so trefflich unter« stützten. Nie hat es in Israel an wackern Frauen gefehlt, voll großen, milden und werkthätigea Sinnes, und nie hat es solchen Frauen an reinem Eifer gefehlt, ein großes und heiliges Werk zu unterstütze«. Die israelitische Ge, meinde Frankfurtrühmt sich, eine große Anzahl solcher Würdigen zu besitze«; — und wie verstand der unver» geßliche Mann diese Blüthe ächter Weiblichkeit aus der großen Schar au-zulesen und für seine edlen Absichten zu iateressiren, zu begeistern! Wie bankte sein innerstes Wesen, sein Herz und feine Seele jenen Trefflichen sowie allen, welche diesen Adoptivkindern seines großen Herzenetwas Gutes erwiesen! Man kann wohl sagen, durch ihn wurde der Frauenverela nicht nur eine Erziehungsanstalt der dürftigen Jugend, sondern eine Pflanzstästs best ächten weiblichen Sinnes und des Wohlthätigkeittzfinaotz übrrhauvt. Zahllos waren in der That di« Beweise der Theil» nähme, welche diesen Kindern zufloffen. Es war unver, kennbar, man ergriff die Gelegenheit, in ihnen den Stifte, zu ehren und zu erfreuen. Nicht selten kam es vor, daß die Zöglinge insgesamt« zu Hochzeiten und anderen Kami, lieafesten ia die ansehuflchsten Häuser geladen wurde«, und im Schulhause selbst sowie durch Anordnung von Aus» flüg«a und bgl. wurden ihnen gar oft frohe Tage bereiter; — ja diese Kl-ihen könnt« man als die enfanta gitöes der frankfurter S InhlthLtigkeit betrachten. Jost'tz Lhärigkeit f ir den Frauenverein war mit der Begründung und Fuadii ung desselben noch lang« nicht ab» geschlossen. Er blieb z irlebeas der erste Vorsteher ber Aa» statt, und mit welcher starren, zLhss» Aufmerksamkeit, un, ver^ttichltchen Treue urw ungeschwächten Neigung er ihn Interessen vertrat, davqn ließ« sich in einer eigenen, von der gegenwärtigen völligiunabhängiaen Schrift reden. Wir begnügen untz, bei dem si»ärlichenjuns gegönnten Raume aus dieser großartigen Wirksamkeit einige h«rvorragmd« Züge anzuführea. Stets war er bemüht, die besten Leiter für da- Institut zu gewinnen und jeden Fortschritt der Erziehung-, Wissenschaft ihm zu gut« kommen zu lassen. Im HedrLi» schen und der Religion wurden hi« Mädchen von dem schnsrgelehrten Herrn Simsoa Weiil, dem Uebersetzer des Werkes: „EmuDa rama — der erhabene Glaub«von Rabbi Abraham ibn Daud — bfs zu dessen im April 1860 erfolgten Ableben unterrichtet^ Jost selbst mir srüeer gewohnten. Opferwilligkett gab einten der weiter vorge» schritten«» Zögling« Leetlonen in bef französischen Sprache. Wie wir bereits bemerkh verließ kein wohlhabender Krem» der seine Schwelle, ohn« einen Tribut für seine Lieblings» schöpfung daselbst niedrrzuiegen; und die Zahl dieser Fremde« war, besonders im Sommer,!der eigentlichen Bade» und Reisesaison, -bei de!r welroffeneu Lage und den vielen Verbindungen der Maiastabt sowie bei d«r Berühmtheit Jost's kein« geringe. \ Als man sich in verschiedenen Kreisen rüstet», ihn zu seinem für den 1. Juli 1860 bestitnmrea Dienstjubiläum durch passende Aufmerksamkeiten zu ehren, nahm ihn einer seiner reichen Freunde ins Gehör und suchte von ihm zu erfahren, welch« Art von Anerkennung ihm wohl die liebst« wäre. Jost merkte die Absicht uNb antwottete ziemlich unverhohlen, daß seine Ffrunde ihnlam besten ehren wür» de«, wenn sie ihre Gäben und Erinnerungen für diesen Tag dem Frauenverein , zuwendeten. Das Resultat war eia sehr ansehnliches Geschenk für die Kasse detz Instituts. Jeder kleinere literarisch« Erwerb bis hinauf zu einem gewissen Betrag« war ebeufalls dem Frauenverein. gewidmet. Namentlich war dies der Fall mit «ehr gelegentlichen «ad zufälligen Einnahmen, auf die im voraus nicht gerechnet war. .Seine seltenen, an Polyglottisr^us streifenden Sprach, kenntnisse wurden namentlich von he» frankfurter Behör» den häufig ausgebeutet.; So oft jein Amtsschrriben in polnischer, russischer, dänischer Spruche u. s. w. eintraf, so wandte man sich an den G«lehnen wegen einer Ueber, setzuag. Sein Schicklichkditsgefühl Erlaubte ihm nur für mehr umfängliche Arbeit« dieser Art ein« Bezahlung anzu, nehmen, und diese Beträge flössen d« an regelmäßig in den Fond des Instituts. —► Das Hon »rar, welches er für die Uebernagung der rühmenden rusi schen Novelle: „Der