Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 46 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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-|— 182 — harkeit, di« dem Dürftig«« di« Hoffnung seines 2((t4r* «nt* reißt, d«vor er selbst ihres Gedeihens froh geworden, und die ihm so lächerlich wenig als Entgelt dafür biete^ Und nicht genug, daß der Arme den höchsten Preis ftr seine spärlichen Ansprüche an das Leben bezahlt, nicht nur daß die Gesellschaft von seinen besten Schätzen, feinen hindern, einen Zehent fordert: noch mehr, die eiserne Nothwendigkeit zwingt ihn, halbreife Ernten von dem Acker feiner Hoffnungen einzuheimsen, die Früchte zu pflücke«! bevor klare Sonnen und kühler Thau ihnen die letzte Reife und nährende Milde gegeben. Bevor die Sehnen erstarjkt.sind, bevor der Schritt sich gekräftigt, der Seist ein Gepräge angenommen hat, beginnt schon die Dienstbarkeit ^rs Besitzloseil, ein« Dienstbarkeit, welche das zartere Geschlecht in einem unverhältnlßmaßig großen Maße mit dem männlichen theilt.. Diese sogenannte freiwillige Adhckrgigkeit liefert den besten Theil unserer Zugend fast ganz in die Gewalt der Mächtigen und — es klingt wie Pleonasmus — der Selbstsüchtigen, von denen kaum einer feint erziehliche Aufgabe anerkennt und begreift. Stark« Naturen ringen sich aus diesem Zwiespalte empor und bezahlen aus dem Fonds angeborener Lortr^flichkeit das Deficit des Schicksals und der menschlichen Liebe; unter gewöhnlichen Verhältnissen sehen wie an Geist und Charakter unferttze Zwittergeschöpfe aus solchem verfrühten Sklavenjoch« hervorgehen. Einem Wanne wie Zost, dessen Leben werkthätige Liede war, konnten solche Zustände nicht verborgen bleiben. Manche Barer und Mütter, welche die Verlegenheit um di« Zukunft ihrer Kinder antrieb, an di« Pforten derGroßmuth zu pochen^ traten gewiß auch ihm Rath und Hisse suchend nah«. Ein Institut, wie das jetzt bestehende, konnte von unendlichem Nutzen und großer Tragweite werden. War auch nicht zu erwarten, daß die Wurzel . des Uebels dadurch beseitigt würbe, konnte die Zahl derer, welche der Wohlthat einer besseren Erziehung theilhaftig wurden, doch immer nur «ine sehr geringe sein, so galt es dennoch, hier «ine Art Musteranstalt zu gründen, welche den Gemeinden wie den Privaten eine Anregung zum bessern Streßen gäbe und selbst für die Ausgeschlossenen wohlthätig würde, indem für ihr« erziehend« Selßstthatig, keit ein neuer Antrieb und ein Borbild geboten würde. Solche« Gedanken und Erwägungen verdankt der ifraelit. Fcauenverein seine Begründung^ War die erste schöpferische Idee ein Ausfluß der Hochsinaigen Herzensmilde, so war die Verwirklichung und Durchführung fast ledlglich ein Werk der auoharreoben Geduld. ES galt, eine bedeutende Summe in kleinen Scherflein zusammenzutragen, in einer Gemeinde, von deren bekanntem Wohlthatigkeitssinne der Mangel bereits ein« so ansehnliche Steuer erhöh, neuen Tribut zu erheben und dem Werke Freunde und Theil« aehmer zu gewinnen. Wie dies dem Gründer gelungen ist, davon können Zahlen am besten und glaubwürdigste« sprechen, und wir hoffen auf die Nachsicht der Leser, indem wir Jü einen Moment mit solchen langweilen. Von den verschiedenen uns vorliegenden Actenstücken wählen wir zur jBeweis, führung den elften Bericht des Fraumvereins vhm End« des Zahres 18-8. Derselbe ward nur zwei Zahre vor Zost's Ableben veröffentlicht und batirt aus einer Zeit,! wo sich das Institue einer anerkannten Blüth« erfreute. Zn jenem Jahre befaß die Anstalt 13 Zögling«, von benftt einige gegen theilweife Bezahlung zugelassin waren. Die zufälligen Geschenke und Legate beliefen sich auf.fl. 3744. 1kr.; die regelmäßigea Beiträge ergaben fl. 1811. 4kr.; die Zinsen von Staat-papieren fl. 186. 4kr. Die bezahlten Pensionen waren fl. 186. —, eia Cassenfaldo vom I. 18-7 betrug fl. 337. 40 kr. Dies ergibt für die Einnahme«: fl. 6066. 2kr. — Unter den Ausgaben figurirt: die Haushaltung mit fl. 2878. 3kr., der Gehalt und Unterricht mit fl. 746. 30 kr., kleinere Posten mit. fl. 09. 22 kr. Obligationen wurden erkauft für fl. 1836. -3 kr., und «in Cassenfaldo verblieb von fl. -0-. - kr. — Die Vermögens - Bilanz aber weist nach: für das von jeder Schuldenlast frei« Haus einen Posten von fl. 13302. 10 kr., für Staatsodligationea fl. 4800., für Loose fl. 196. 40 kr., für Baarvorrath fl. -05. - kr.; zusammen fl. 18,803. -- kr. Unermübet war der edle Mann in seinem Bemühen, die Theilnahme seiner Mitbürger zu erwecke» und aufzu» frischen. Jeder Jahresbericht ist ein neuer Mahnruf an das Mitleid und Wohlwollen. Nicht dlos in frommen Legaten, so schreibt er im Berichte v. 18-9, solle die Anstalt bedacht werden. Größer sei da- Verdienst derer, die, während sie noch auf Erden wandeln, von ihrem lieber» fluss« mittheilen. Insbesondere bittet er, bei glücklichen Familienereignissen seiner Stiftung eingedenk zu sein. Allein mit den bloßen Spenden ist sei^m ernsten Sinne noch lange nicht genügt. „Warum denn, heißt es im Bericht«, von 18-9, dem letztm, der von seiner Feder geflossen, versagen sich so viele, die durch ihren Beitrag unsere dankbare Anerkennung erwerben, biesen wahren Seelengenuß, die innige Herzensfreude, mit eigenen Augen zu sehen, wie die Saat, die sie ausstreuea, aufgeht und emporreift?-Wir wissen, wie viel wir eurer Güte verdanken. Ihr leihet uns die Mittel zu unserer ersprießlichen Thätigkeit. — — — Aber vollkommen erzielt wird unser Streben keineswegs durch unsere redliche Bemühung allein, nicht durch eure Beiträg« allein, nicht durch beides im Verein, so lang« nicht lebenswarmes Mitgefühl sämmtliche Mitglieder dqrchdringt. Mit einem Worte, die Anstalt bedarf eurer Liebe, eurer allseitigen Ermunterung, der Gewißheit, daß euer Herz sich an ihrer Wirksamkeit betheiligt. O, wir haben es schon genugsam erfahren, wie sehr die bloße Gegmwart empfänglicher Gemüther an den kleinen jugendlichen Festen, die wir unfern Zöglingen bereiten, dahin mitwirkt, die reine, muntere Freudigkeit zu erhöhen, den Fleiß, di« Gefühle der Dankbarkeit in den kindlichen Seelen zu burchglühen, aazufachen, bas Streben nach sittlicher Erkrästigung zu befestigen!"- Ergreifend ist der Mahnruf, der den Bericht v. 18-2 begleitet: — „Welch einen schöneren, edleren, wohlthä. tigere«, in seinen Wirkungen nachhaltiger« Zweck kann es geben, als sich der armen, elternlosen, verlassenen weiblichen Wesen anzunehmear Knahsn gelangen leichter dahin, sich nützlich zu machen, in die Lehre zu treten oder zu Arbeiten gebraucht zu werden und so dem Mangel zu «ft gehen. Mädchen dagegen, namentlich in den armen Gemeinden auf dem Land«, sind allen bittere» Leiden und Folgen der Entbehrung preisgegebeu, finden selten Annahme und noch seltener Anleitung zu ersprießlichem Erwerbe. Die bedeutend« Anzahl der Meldungen aizs der nächsten Umgegend bestätigt dies« Wahrnehmung. Muß es nun