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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 46 (1864) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
46 (1864)
Date
1864-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt Zur! Belehrung und Unterhaltung aus jüdischem ffekiete. Herausgegebe» von Rabbiner Dr. Libwi- Philipps»» in Bonn. Mo. 46. 1864] 8405 [11. I»>"S> 4. «nrWJ Eriiuemngeu au I. M. Jost. Aupersönlichem Umgänge mitgetheilt von H. Aimdorf.! (Fortsetzung.) In jüdischen Kreisen war die Aufgabe «ine doppelt große und schwierige, hier hatte die moderne Erziehuag-wiffenschaft ein doppelte- Unrecht gut zu machen. Der Druck, unter welche» da- Judenthum so »äuge in dm europäischen Ländern schmachtete, hatte den Abstand erweitert, der sich seit der Wie »ererweekmg der Wissenschaften zwischen dem Manne und dem Weide in der ganzen europäischen Mmsch» heit ausdehnt Zwar die edle Stellung, welche dab i d l i sch e Jndmthum em Weibe anweist, tonnte der Druck der Verhältnisse ihm nicht ganz .mtreißen. Dorr erstltgen Frauen die h »chste Stufe auf dem Throne de- Geistes und unter der S har der Propheten traten nicht werUger als drei Frauen auf, deren Geist in vorschauender Klarheit leuchtete. A ein in dm dunklen Tagen, die dahln gegan» gm, wurdm mißverstandene Aussprüche des Talmuds pm Nüchrheil ih er Rechte gedeutet; man verbannt« sie in einen engen Kreis geistigm Lebens, man duldete e-, daß die Mehrzahl geistig verknöcherte. Der Mann spie sich an den Bärten der Gesttze-kunde laben, das Weib dürfe nur die Flam ne deheiligm Dienstes am häuslichm Herde nähren, als i b man diesem Dienste mit einem leerm Ge, müthe, mit «nein ungebildetm Geiste obliegen könne. So lang, der Awaag unbilliger Gesetze da- Leben de- Judea auf einen häuslichen Kreis beschränkte, so lange verdeckte der milde Schimmer des Famillenglückes diese Enterbung di r Frauen von geistigm Gutem. Sowie aber die Schranke fiel, sowie der Jude in bas Lebm und die Geschick« seiner Zeit wirkmd eintrat, so stellte sich aufs gebieterischst« da- Bedürftliß dar, auch die Frauen zum Verstänbniß l ieser neuen Anstände zu erzlehm, den geistigen Abstand zwis hen den Geschlechtem soviel als möglich zu verkürzm, da< Deid zu defähigm, die alrm Hriligthümer in eine neue Welt hineinzutragm. Viel ist in dieser Be» ztehung bereits geschehen, erheblich find die Anstrengungen, welche währmd der letzten Jahrzehnte in den jüdischen Gemeinden Deutschland- und der Rebenländrr für eine bessere Mädchenerzlebung gemacht wordm find, und man» chm erfreulichen Ertrag haben solche Brstrebungm bereitgezeitigt. Es liegt in der Natur reformatorischer Bewegungen, daß sie zunächst dem Armm zu gut» kommen. Dem Mächtigen, dem Besitzmdm eröffnet schon sein Gold, sein Einfluß manche verschlossene Pforte des Recht-, der Frei» heit. Gegm ihn lerne die Unduldsamkeit, dareligiöse Bomrthell ihr« Misron mäßigen, für ihn stumpft sich da- Schwert der Gewaltherrschaft ab; und letzet ihn sein Sinn und Derlangm in die Hallen der Kunst und Wissmschaft, so, breitet jeder Meister feine Schätze und Erfahrungm mit dienstwilligem Eifer vor ihm au-. Sein gutes Glück gestattet jhm, seinem ärmerm Bruder stets um eine Jahreszeit voraus zu sein. In den Schneegefil» dm de- Februar pflücht er die frühen Rosm des Mai, unter dm Schauern des April befiehlt er reist Sommerfrücht« auf seine Tastl, und was hier von den Früchten des Gattengesagt wird, dagilt auch von den gelstigen Gütern, von den großen Besitzthümern der gesammrm Menschheit. Ja, sein gute- Glück thut so viel für ihn und ist ihm so unbedingt zu Willen, daß es ihm gestattet, seine Gaben durch Uedermuth und Unverstand wieder zu verlieren. Für den Armen also, den enterbten jüngeren Sohn der Gesellschaft, sind große Berbefferungm vorzugsweise bestimmt; in der Unfßgmnützigkejt solcher Reformen, in ihrer segmsreichen Wirkung auf die Lage der »lederen Classea liegt ihre große Beglaubigung, und die Erwägung, in welchem Maße neue Hinrichtungen dm Dürftigen zu gute kowwm, bildet vielleicht daeinzig zulässige Kriterium ihre- Werthes. Der Verbesserer der Gesellschaft hat demnach, wie mir scheint, eine doppelte Aufgabe. Ist eihm gelungm, mit uafäglichen Schwierigkeiten davon ihm erkannte Besser« auseiner Todankenwelt in da- Lehm zu Übertragen, ihm dort Geltung und Anerkennung zu ver» schaffen, so hat er sein Werk erst halb gethan, so lang er es' nicht in die HÜttt^r der Armuth eingebürgert und so gleichsam popularisier hat. E- «ar ein schöner, schöpferischer Gedanke deseligen Jost, einer mäßigm Anzahl armer, Verwalter Mädchen die- Pforten einer besseren Erziehung und damit das Anrecht auf oine frohere Zukunft zu eröffnen. In der blühende» Mainstadt fehlte es damals nicht an trefflichen Lehr, anstalten für die Jugmd beider Geschlechter, ausgestattet und geleitet nach dm höchsten Erfordernissen dir erziehlichen Wffsenschast. Allein bst ärmere jüdische Bevölkerung, mehr aus den zahlreichen kleinen Gemeinden der die Stadt umgrenzendM Gauen als aus Fraukfurt selbst, genoß nur spärlich die Früchte eineso wohlgeordneten Erziehung-» wesen-. Ihr ward die Verlegenheit für di« Zukunft, für die geistige Pfleg« ihrer Töchter seltm erspatt. Dir weiße Sklavenschar degroßen europäischen Marktes wird ja, wie man weiß, «pn Jahr zu Jahr durch die Kinder der Armm ergänzt. Leidige- Geschick der freiwilligen Dienst»

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